Schwierige Annäherung zwischen Israel und der Türkei Streit um Entschädigung für tote Gaza-Aktivisten

Eine Entschuldigung von Israels Premier Netanjahu sollte eigentlich den Weg ebnen für eine Annäherung zwischen seinem Land und der Türkei. Doch jetzt gibt es Differenzen wegen der Entschädigungen für türkische Aktivisten, die vor der Küste des Gazastreifens bei der Erstürmung einer Hilfsflotte getötet wurden.

Ziemlich frostig sind die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei. Drei Jahre lang währt dieser Zustand nun schon. Anlass für die Verstimmungen war damals eine Mission der Mavi Marmara. Die islamisch-türkische Stiftung für humanitäre Hilfe (IHH) hatte die Seefähre im Mai 2010 gechartert. Zusammen mit anderen Schiffen sollte sie als "Solidaritätsflotte" Israels Seeblockade vor dem Gazastreifen durchbrechen und Hilfsgüter zu den Palästinensern bringen. Das israelische Militär ließ die Fähre stürmen. Neun türkische Aktivisten wurden dabei getötet. Seitdem herrscht Schweigen zwischen Jerusalem und Ankara.

Jetzt versuchen beide Länder ihre Beziehungen zu normalisieren. Doch dabei gibt es Hindernisse. Die türkische Regierung fordert nach israelischen Medienberichten die Zahlung von einer Million Dollar für jeden der neun getöteten Aktivisten. Israel wolle nur 100.000 Dollar je Opfer zahlen, hieß es am Mittwoch.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte sich am Freitag für den Tod der Türken im Mai 2010 entschuldigt. Er führte das Telefongespräch mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan im Beisein des US-Präsidenten Barack Obama. Die Entschuldigung soll ein erster Schritt sein, um eine Annäherung zu erreichen.

Beide Länder hätten vereinbart, ein gemeinsames Komitee für Verhandlungen über die Höhe der Entschädigung zu bilden, berichteten israelische Medien. Die israelische Justizministerin Zipi Livni sei in den vergangenen Tagen bereits in Kontakt mit dem türkischen Außenminister Ahmet Davutoglu gewesen. Der israelische Rundfunk meldete, Ankara habe eine Aufhebung der Seeblockade des Gazastreifens als eine der Bedingungen für eine Versöhnung genannt. Nach Darstellung Israels sei dies jedoch nicht Teil der Vereinbarung gewesen.

Unabhängig von den noch ungelösten Entschädigungsfragen hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Signale für eine Versöhnung begrüßt. Das jüngste Einvernehmen der Regierungschefs beider Länder sei "ein wichtiger erster Schritt hin zu einer Normalisierung der Beziehungen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert nach einem Telefonat Merkels mit Netanjahu. Die Kanzlerin sehe darin zugleich einen wichtigen Schritt für die gesamte Region.