Für die These, wonach die Tinners Nukleartechnologie nach Pakistan, Libyen und Iran schmuggelten und von 2002 an gleichzeitig die CIA über die Atomprogramme informierten, spricht ein weiterer Umstand: Die Schweizer Regierung hat der Staatsanwaltschaft verboten, gegen die Tinners wegen Spionage zugunsten eines fremden Staates zu ermitteln.

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Auch diese Entscheidung vom vorigen August teilte Bern erst jetzt der Öffentlichkeit mit. Überdies sollen die USA, denen ihre jahrelange Mitwisserschaft an den Atombomben-Programmen mehr als peinlich ist, Rechtshilfe zur Aufklärung des Falles verweigert haben.

Das Netzwerk um den pakistanischen Atomwissenschaftler Khan war aufgeflogen, nachdem im Spätherbst 2003 das deutsche Frachtschiff BBC China mit Nukleartechnologie für Libyen an Bord gestoppt worden war. Im Februar 2004 hatte dann ein malaysischer Polizeibericht Urs und Friedrich Tinner als mutmaßliche Lieferanten Khans genannt. Danach wurde Urs Tinner in Deutschland festgenommen und später an die Schweiz ausgeliefert.

Die Regierung in Bern begründete jetzt die Aktenvernichtung mit dem Risiko, dass die Unterlagen hätten gestohlen werden könnten. Offen ließ Couchepin, warum die laut Medienberichten 10.000 Aktenstücke und 20.000 Computerdateien dann nicht schon früher in den Reißwolf landeten.

Festgehalten als Zeuge

Schweizer Medien bringen den erstaunlichen zeitlichen Ablauf in Verbindung mit einem Besuch des damaligen Justizministers Christoph Blocher in den USA. Die Reise fand im Oktober 2007, also kurz vor dem Schredder-Beschluss, statt. Von einer Gegenleistung wurde damals nichts bekannt. Dafür hat Bern vergangene Woche beim US-Justizministerium wegen der Schweizer Großbank UBS angeklopft.

Einer ihrer Spitzenmanager namens Martin Liechti wird derzeit in den USA als Zeuge festgehalten, gegen einen früheren UBS-Mitarbeiter läuft ein Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Würde sich herausstellen, dass die Großbank bei der Hinterziehung geholfen hat, wäre es ein Desaster für die UBS.

Der Fall, so richtete Berns Botschafter laut NZZ am Sonntag in Washington aus, möge doch "so behandelt werden, wie es der sehr guten Rechtstradition zwischen den USA und der Schweiz entspricht."

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(SZ vom 26. Mai 2008/odg)