Von Gerd Zitzelsberger

In Bern machen gewaltbereite Linke den Wahlkampf zur Schlacht, doch dem Populisten Blocher kommt das gerade recht.

"Wir wissen gar nicht, wo der Blocher geblieben ist, wir suchen ihn gerade", feixt ein junger Mann auf dem Berner Bundesplatz, der seinen Namen mit Gabriel Andres angibt.

Tränengas, Verletzte und Festnahmen im Schweizer Wahlkampf. (© Foto: dpa)

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Der Triumph über das Establishment steht ihm ins Gesicht geschrieben, schließlich haben ein paar hundert Demonstranten gerade verhindert, dass eben dieser Christoph Blocher von der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei (SVP) hier eine Wahlkampfrede halten kann.

Sie haben vor Gewalt nicht zurückgeschreckt: Flaschen sind geflogen, Steine auch, und ein Haufen aus Baumaterial und Kaffeehausstühlen ist in Flammen aufgegangen. Das hat ausgereicht, um später dann im Fernsehen die Gerechtigkeitsgasse aussehen zu lassen, als herrsche Bürgerkrieg in Bern. Die Demonstranten feiern das als Sieg, doch eigentlich kann auch Christoph Blocher zufrieden sein.

Der Schweizer Sonderfall

Der 67-jährige Justizminister ist zwar formal nicht Chef, aber de facto Anführer der SVP, der politischen Gruppierung mit dem größten Wählerpotenzial in der Eidgenossenschaft. Er ist wegen des Krawalls ausgewichen auf einen Platz am Rande der Berner Innenstadt und hält inmitten von 8000 Anhängern nun eine improvisierte Rede.

"Wer das Recht im eigenen Land nicht durchzusetzen weiß, der geht bald unter", sagt Blocher. Aber nicht Besorgnis ist ihm anzusehen, sondern eher Zufriedenheit: Schweizer, schaut her, ihr braucht uns, um Recht und Ordnung gegen diese Chaoten durchzusetzen - das ist seine Botschaft.

Mit Fahnen, Trachten, Blasmusik und Kuhschellen wollten Blocher und seine SVP am Samstag auf den Bundesplatz der Schweizer Hauptstadt Bern marschieren. Ein Familienfest, so die Ankündigung der SVP, hätte es dort geben sollen.

Aber natürlich konnte die SVP sich vorher ausrechnen, dass ihr Marsch von Randale begleitet sein würde: In zwei Wochen wählt die Schweiz den neuen Nationalrat, ihr Parlament, und diesmal hat sich der Wahlkampf ganz entgegen Schweizer Tradition auf eine Person zugespitzt - eben auf Christoph Blocher.

Üblicherweise gehen die Schweizer mehr aus demokratischem Pflichtgefühl als mit heißem Herzen zur Parlamentswahl. Denn über die Schicksalsfragen befinden letztlich nicht die Abgeordneten, sondern unmittelbar das Volk per Referendum.

Zwar wählt der Nationalrat - zusammen mit der zweiten Kammer, dem Ständerat - die Regierung. Aber auch an deren Zusammensetzung ändern die Wahlen gemeinhin wenig: In der Schweiz gilt das ungeschriebene Konkordanzprinzip.

Sprich, alle großen Parteien sind, ungefähr ihrer Stärke entsprechend, in der Regierung vertreten. Zu den ungeschriebenen Regeln gehört überdies, dass die jeweiligen Minister, in der Schweiz Bundesräte genannt, immer wieder gewählt werden, bis sie selbst das Gefühl haben, dass sie aufhören sollten.

Im Fall Blocher aber ist alles anders: Die Grünen, die den Prognosen nach zulegen werden, und die Sozialdemokraten, die zweitstärkste Partei, haben bereits angekündigt, dass sie Blocher nicht in die Regierung wählen werden. Wie die Zentrumspartei CVP stimmen wird, weiß niemand - vermutlich uneinheitlich, wie meistens.

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