Schweiz Männlich, Muslim, arabischer Name, gefeuert

Die Polizei bei der Suche nach Terrorverdächtigen am Genfer Flughafen im Dezember. Wegen der verschärften Sicherheitsbedingungen hat es auch Entlassungen gegeben.

(Foto: Salvatore Di Nolfi/dpa)

Der Genfer Flughafen entlässt etliche Mitarbeiter - ohne offizielle Begründung. Fast alle von ihnen haben etwas gemeinsam.

Von Charlotte Theile, Zürich

In den Tagen vor Weihnachten war Genf in Alarmbereitschaft. Hunderte Polizisten suchten nach Terroristen, das Boulevard-Blatt Blick befürchtete einen Giftgas-Anschlag, die amerikanische Botschaft warnte US-Bürger vor Menschenmengen. Und: Am Flughafen Genf verloren gut 30 Männer ihre Jobs. Bis auf zwei Personen haben sie alle etwas gemeinsam: einen französischen Pass und einen arabischen Namen. Fast alle sind Muslime.

Jamshid Pouranpir vom Schweizerischen Verband des Personals öffentlicher Dienste vertritt die entlassenen Männer. "Sie haben von einem Moment auf den anderen ihren Job verloren, ohne dass ihnen mitgeteilt wurde, warum das passiert", sagt er. Hintergrund sind verschärfte Sicherheitsbedingungen am Genfer Flughafen - und ein verdächtiger Gepäckträger. Nachdem bekannt geworden war, dass ein ehemaliger Angestellter des Flughafens von den französischen Behörden mit islamistischem Terror in Verbindung gebracht wurde, machte sich Unruhe breit. Gab es noch mehr radikale Muslime, die am Genfer Flughafen für das Gepäck zuständig waren?

Ein 24-jähriger Franzose hatte seine Geschichte öffentlich gemacht

Das zumindest wäre eine Erklärung für die Kündigungen. Eine offizielle Begründung, warum den Männern der Badge abgenommen wurde, der den Zutritt zu den nicht-öffentlichen Zonen ermöglicht, gibt es bisher nicht. Vom Genfer Department für Sicherheit und Wirtschaft heißt es nur, die Behörden hätten in diesem Fall nach nicht-öffentlichen Kriterien entschieden. Diese hätten weder mit der Herkunft noch der Religion der Männer zu tun.

Rechtlich sieht sich das Departement auf der sicheren Seite: Wer einen Badge bekommt, muss unterschreiben, dass er ihm aus Sicherheitsgründen jederzeit entzogen werden kann. Für den Gewerkschafter Pouranpir ist das unbefriedigend. Wer entlassen werde, solle den Grund erfahren. Die Gepäckträger wüssten gar nichts - und seien auch ökonomisch in einer schwierigen Situation. "Sie haben seit Dezember kein Gehalt mehr bekommen." Einige seien seit 2007 am Flughafen beschäftigt gewesen. Wenn es keine Gründe für die Entlassungen gäbe, müssten die Männer wieder eingestellt werden und den Gehaltsausfall erstattet bekommen, fordert Pouranpir.

Einer von ihnen hatte seine Geschichte öffentlich gemacht: Ein 24-jähriger Franzose namens Boubaker war gerade dabei, ein Flugzeug zu entladen, als es hieß, es gebe ein Problem mit seinem Badge. Erst als er kurz darauf seinen Spind ausräumte, wurde ihm klar, dass er soeben seinen Job verloren hatte.