Von Patrizia Barbera

Die Schweiz nahm Muammar el Gaddafis Sohn fest - daraufhin rief er den Heiligen Krieg aus. Jetzt fließen Entschädigungszahlungen.

Seit mehr als 20 Monaten hält der libysche Staatschef Schweizer Staatsbürger als Geiseln. Jetzt verhandelt die Schweiz mit ihrem Erpresser Muammar el Gaddafi.

Muammar Gaddafi

Vor einem Monat rief Muammar el Gaddafi seine muslimischen Glaubensbrüder zum Heiligen Krieg gegen die Schweiz auf; bei der UN beantragte er die Auflösung der Schweiz. Die versucht nun die verhärteten Fronten mit Geld zu lockern. (© Foto: dpa)

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Hintergrund des Streits ist die vorübergehende Festnahme von Gaddafis Sohn Hannibal Gaddafi und seiner Ehefrau im Jahr 2008 in einem Genfer Hotel. Das Ehepaar soll seine Bediensteten misshandelt haben und kam daraufhin für 48 Stunden in Haft.

Gaddafi schäumte vor Wut und sah seine Familienehre beschmutzt. Sein Sohn hatte im Anschluss an den Vorfall den Kanton Genf, die Westschweizer Zeitung Tribune de Genève und einen Journalisten der Zeitung wegen der Veröffentlichung seiner wenig schmeichelhaften Polizeifotos verklagt. Er forderte 100.000 Franken (etwa 69.000 Euro) als Wiedergutmachung.

Doch das war seinem Vater nicht genug: Von der UN-Vollversammlung verlangte Gaddafi wutentbrannt die Auflösung der Schweiz und rief vor einem Monat sogar zum Heiligen Krieg gegen das sonst als neutral bekannte Land auf. Nun hat es die Schweiz offensichtlich mit der Angst zu tun bekommen. Medienberichten zufolge soll sich die Stadt Genf bei Gaddafi entschuldigt haben und zur Zahlung einer Entschädigung bereit sein.

Der Streit eskalierte auf beiden Seiten: Bern verbot Gaddafi und seiner Familie die Einreise in die Schweiz. "Die Behörden des Schweizer Staatswesens haben eine Weisung erlassen, die 188 libyschen Persönlichkeiten die Einreise auf Schweizer Territorium verbietet", schrieb eine libysche Zeitung über das Verbot.

Tripolis ließ daraufhin zwei Schweizer Geschäftsleute festnehmen, berief libysche Diplomaten aus Bern zurück, stoppte seine Öllieferungen in die Schweiz und zog alle Guthaben von dortigen Bankkonten ab.

Weil keine Schlichtung des Streits in Sicht war, schaltete sich die EU-Kommission ein und forderte beide Seiten auf, ihren Konflikt beizulegen.

Die Schweiz hoffte durch das Zugeständnis auf die baldige Freilassung der letzten noch in libyscher Haft befindlichen Geisel Max Göldi. Doch Gaddafi zeigt sich unversöhnlich.

Der Hoffnung, Göldi könnte bald begnadigt werden, erteilte der libysche Außenminister Moussa Koussa eine Absage und sagte, Göldi "wurde verurteilt und muss eine viermonatige Gefängnisstrafe verbüssen. Danach wird er freigelassen".

Koussa ergänzte, die Schweiz nehme die Krise zwischen den beiden Ländern nicht ernst genug und kritisierte die Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey scharf. "Wir haben Mühe, mit ihr zu kommunizieren." Um einen richtigen Dialog führen zu können, müsse die Schweizer Regierung eine andere Kontaktperson einsetzen.

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(AP/AFP/pbar/gba/mati)