Stimmt, der Präsident seiner Partei, Christophe Darbellay, denkt ganz anders. Für die Schweizer bleibe das Bankgeheimnis bestehen, sagt er. Darüber werde "nicht neu diskutiert". Das gleiche Bild in der FDP, der zweiten großen Schweizer Mittepartei: Während deren Präsident Fulvio Pelli den alten harten Kurs vertritt, melden sich immer mehr Abweichler, gerade aus der Bankenstadt Zürich. So ist das Land komplett zerrissen in diesen Tagen, zumindest in seinem deutschsprachigen Teil: hie die Einsichtigen, die immer mehr werden; dort jene, die sich noch gegen die Flut stemmen. Im Parlament gehe alles kreuz und quer, wie im Hühnerstall, in den der Fuchs eingebrochen sei, ätzt die Zeitung Blick.
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Gespalten sind aber auch die Medien: Der Zürcher Tages-Anzeiger, der den Schlamassel seit langem kommen sah, weist mit klugen Analysen den Weg nach vorn. Die Neue Zürcher Zeitung wirkt rat- und richtungslos, weil sie ihre Bankennähe wie einen Klumpfuß mit sich schleppt. Die Betonfraktion ist weiterhin mächtig. Dazu zählen Leute wie der Ex-FDP-Chef Gerold Bührer, der jetzt den Wirtschaftsdachverband "economiesuisse" führt, Urs Roth, Chef der Bankiervereinigung, oder Toni Brunner, Vorsitzender der rechten Schweizerischen Volkspartei (SVP). Sie sagen Dinge wie: Man müsse jetzt entschlossen auftreten. Man habe Fehler in der Kommunikation gemacht. Die Privatsphäre der Bürger müsse gewahrt und vor dem gefräßigen Staat geschützt werden. Und sie fordern Vergeltung für die Angriffe aus Deutschland. Brunner sagt auch: "Die Landesregierung hat keine Eier."
Die Schweizer Horrorvorstellung
Jedenfalls ist das Siebener-Gremium, der Bundesrat, von Verwirrung befallen und zerstritten. Wenn sie Finanzministerin im Ausland wäre, würde sie den Kauf gestohlener Bankdaten auch erwägen, bekundet Außenministerin Micheline Calmy-Rey: "Man ist ja stets auf der Suche nach Geld und sieht's nicht gerne, wenn Leute Steuerflucht begehen." Finanzminister Hans-Rudolf Merz wiederum untergräbt die Schweizer Position mit der Aussage, dass man auch über den automatischen Informationsaustausch reden müsse, in den die EU die Schweiz einbeziehen möchte. Dann müssten die Schweizer Banken die Namen und Daten aller ausländischen Anleger von sich aus an deren Fiskus melden - eine Horrorvorstellung für die Schweiz. Um diese Kapitulation zu vermeiden, haben diverse Leute die "Abgeltungssteuer" aus der Schublade gekramt, eine Idee aus Bankenkreisen: Die meisten Anlageerträge von Ausländern in der Schweiz würden mit einer pauschalen Steuer von bis zu 35 Prozent belegt, die ans Ausland überwiesen wird. Wie ein Mantra wird der Begriff wiederholt. Jedoch: Deutschland findet die Idee erklärtermaßen schlecht, weshalb sich die Schweiz die Diskussion über diesen Vorschlag von vornherein sparen könnte. Berlin will Namen statt anonymer Überweisungen, will wissen, wer wieviel Geld außer Landes schafft. Kurzfristig erhält Deutschland durch das Steuerabkommen, über das mit Bern verhandelt wird, immerhin schon Amtshilfe bei konkretem Verdacht auf Hinterziehung. Das ist jener OECD-Standard, auf den die Schweiz im vergangenen Frühjahr einschwenkte.
Nichts spricht dafür, dass der Druck auf die Schweiz in nächster Zeit nachlassen wird. Es steht also zu erwarten, dass sich Bern dem automatischen Informationsaustausch irgendwann nicht mehr verweigern kann. Die einzige Möglichkeit, diesem Szenario vielleicht zu entgehen, sehen manche in einer offensiven Weißgeld-Strategie à la Liechtenstein. Die dortigen Banken werden von 2015 an von jedem britischen Anleger eine Bescheinigung verlangen, dass ihr Vermögen ordentlich versteuert ist. Mit einem Musterabkommen hat sich Vaduz aus dem Reputationsloch befreit. Kein Wunder, dass immer mehr Schweizer, selbst der SVP-Vordenker Christoph Blocher, auf diese Lösung schielen.
Zu klären bliebe, was mit dem Geld geschieht, das schon in der Schweiz lagert. Der Steuerexperte Lothar Schneider schlägt vor, das Geld in echte Stiftungen zu stecken. Nützlich wäre auch, dass endlich jemand aufsteht und den Schweizern reinen Wein einschenkt. Diese Forderung ist von vielen Seiten zu hören. "Es muss einer kommen und sagen: Wir haben einen Fehler gemacht", meint Ulrich Thielemann, der in St. Gallen Wirtschaftsethik lehrt. "Es fehlt ja immer noch das Unrechtsbewusstsein hier." Vorzugsweise sollte es eine Figur aus dem konservativen Lager sein, wie weiland der damalige Credit-Suisse-Boss Rainer E. Gut, der im Streit mit den USA über die jüdischen Konten der hilflosen Regierung das Heft des Handelns aus der Hand nahm. Er kenne einen hohen Banker, der in Frage käme, sagt Urs Hany. Den Namen dürfe er aber nicht nennen.
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Einigkeit darüber herrscht, dass man über "geklaute Daten" mehrere Ansichten haben kann - immerhin ist deren Status nun einmal auch von Ihnen erkannt. Rechtliche Bewertungen, noch dazu der Classe Politique DEs versage ich mir, da man dort nach seiner Facon selig werden möge. Indes, Ihre anderen Weiterungen, die Sie und Ihr Finanzminister einträchtig vornehmen, sind mutmasslich verfrüht und es ist schade, dass Sie, sich in Zürich befindend, nicht mit z.B. den Befindlichkeiten - von den Gesetzen der Schweiz vorläufig absehend - in der Schweiz auseinandersetzen. Wo Sie es tun, behaupten Sie, die Schweiz erwehre sich des Angriffs auf ihre Gesetze aus rein monetären Gründen. Das ist eine ziemlich deutsche Sicht auf die Welt, die offenbar nur das Geld als Motiv kennt.
Was, Herr Kirchner, wissen Sie von der Schweiz, den Motiven der Bürger, den tradierten Werten (vielleicht klappt es einmal, diese ohne die üblichen platten Vorurteile, sich wenigstens anzusehen?) - Sprechen Sie z.B. wie ich Deutsch als Fremdsprache , Sie eine der Sprachen der Schweiz? Kennen Sie -sagen wir die letzten 500 Jahre der demokratischen Schweiz? Etwas Krakeelen und PfeiffenimWind sind ja erlaubt, aber findet sich bei SZ nicht doch noch eine Sowohl-als-auch-Analyse. Nachdem es Ihnen gefiel, einen InterviewText mit diesem H Ziegler gestern zu veröffentlichen: wir wäre es denn heute - morgen und solange Sie das Thema kochen möchten, mit einer grösseren Bandbreite von Schweizer Meinungen?
Die SVP mit ihrem Leibblatt Weltwoche, dass von Blocher mit Millionen gesponsert wird und der arrogante ehemalige Welt Chefredaktor Klöppel, willfährige Schreiberling von Blocher. Sie nutzen jetzt die Stunde der Gunst um die Diskussion "Bankkundengeheimnis" und Daten-CD.
Im März sind in der Finanzmetropole Zürich Wahlen und da wir gegen die Deutschen mobil gemacht mit ganz primitiven und auf tiefsten Niveau der böse arrogante Deutsche auf Plakaten dargestellt diffamiert. Manchmal schäme ich mich das es so ein Partei gibt die die Massen so verführt wie die SVP das ich Schweizer bin.
Also, ob es den "Verräter" aus der Schweiz, der eben mal so eine CD mit geheimen Bankdaten an die Deutschen verscha-chern möhcte, tatsächlich in der Realität gibt, ist doch mehr als zweifelhaft. Genau so gut könnte das auch ein trickreicher Einfall des verschlagenen und verlogenen deutschen Finanzminsters Wolfgang Schäuble sein, um die Schweizer erstens unter Druck zu setzen und sie an die EU-Kandarre zu zwingen, und zweitens steckt doch eindeutig die Absicht dahinter, Verunsicherung zu schüren und die deutschen Steuerpflüchtlinge zu veranlassen, ihre Steuern doch lieber gleich in Deutschland zu begleichen. Nun, wer würde solche taktischen Spielchen - und eben darin ist Schäuble Meister, auch wenn er sonst nicht viel zustande gebracht hat - nicht verstehen?
Das Problem dabei ist nur, daß mit dieser Verunsicherung der Vermögenden sehr nachhaltig eben auch an dem Ast gesägt wird, auf dem die Damen und Herren Politiker selbst sitzen. Und wen wunderts denn, daß eben die FDP die Schirme aufspannt, geht es doch darum, ihrer Klinetel, dem von Westerwelle vor der Bundestagswahl so lauthals beschworenen "bürgerlichen Lager", ein kleines Stück Fell über die Ohren zu ziehen.
Ganz ehrlich: ich sehe diesem Spektakel gerne zu und amüsiere mich darüber köstlich: es kann und darf ja auch nicht sein, daß immer nur die Ärmsten der Armen, die Hartz-IV-Geld-Bezieher ge-schröpft werden - oder? Den Schweizern aber rate ich zu Ggelas-senheit. Auch wenn viel Wind gemacht wird, aber so schnell schießen die Preußen nicht, haben sie doch reichlich Dreck vor der eigenen Haustüre liegen. Und oft sind diese Berge schon so hoch, daß man sie nicht mehr übersehen kann.
Ja aber woher kommt das Geld dieser Firmen und wer sitzt in den Aufsichtsräten. Es wird immer wieder auf die Banken zurücklaufen.
Ö.v.Horvath bemerkte schon vor jetzt fast Hundert Jahren die Ironie des Gleichlauts zum Thema Diskretion (Rotlicht, Spitzeltätigkeiten, Geldbeschaffung).
...und erzeugt so neues Unrecht. Nur wenn diese Spirale unterbrochen wird kann Recht entstehen. Auch wenn es wehtut: Die Schweiz hat keine andere Wahl als sich von ihrem Geschäftsmodell zu lösen.
Paging