Schweden: Zweifel an Assange-Klage Ermittlungsleiterin unter Verdacht

Ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer im Fall Assange soll mit der leitenden Ermittlerin befreundet sein. Die Polizistin hat den Wikileaks-Gründer einem Medienbericht zufolge auf ihrer Facebook-Seite als "hochgejubelte, platzfertige Blase" bezeichnet.

Von Gunnar Herrmann

In Schweden sind am Donnerstag Zweifel am Verfahren gegen Julian Assange laut geworden. Wie die Zeitung Expressen herausfand, ist die Ermittlungsleiterin schon seit längerem mit einer der beiden Frauen befreundet, die dem Wikileaks-Gründer Vergewaltigung und Missbrauch vorwerfen. Die Polizistin soll sich zudem auf ihrer Facebook-Seite abfällig über den Verdächtigen geäußert haben. Dem Blatt zufolge bezeichnete sie Assange dort als "übertrieben hochgejubelte, platzfertige Blase".

Assanges schwedischer Anwalt Björn Hurtig erklärte: "Das stellt das gesamte Ermittlungsverfahren in Frage."

Doch eine Hetzkampagne gegen Assange?

Assange kämpft in Großbritannien gegen seine Auslieferung nach Schweden. Die schwedische Staatsanwaltschaft verdächtigt ihn, im Sommer 2010 eine Frau zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr gezwungen und eine weitere sexuell belästigt zu haben.

Der 39-jährige Australier weigert sich aber, für ein Verhör nach Stockholm zu reisen. Dort sei kein faires Verfahren zu erwarten, erklärte er. In erster Instanz hatten die britischen Richter seine Bedenken jedoch zurückgewiesen, nun geht die Sache in Berufung. Assange und seine Verteidiger kritisieren unter anderem, Schwedens Justiz sei zu eng mit der Politik verflochten und "radikale Feministinnen" würden eine Hetzkampagne gegen Assange steuern.

Die Enthüllungen dürften diesen Behauptungen nun neue Nahrung geben. Expressen zufolge kennt eines der mutmaßlichen Assange-Opfer die Ermittlungsleiterin bei der Stockholmer Polizei schon länger, denn beide sind aktive Sozialdemokraten.

Die Beamtin, die auch als Polizei-Ausbilderin arbeitet, engagiert sich in der Partei vor allem für die Rechte von Homosexuellen. Ihr Blog wurde seit April 2009 mehrfach von jener Frau kommentiert und verlinkt, die Assange nun der sexuellen Belästigung bezichtigt. Diese Polizistin war es auch, die im Sommer 2010 die ersten Verhöre mit beiden Frauen führte. Die Beamtin soll überdies in den vergangenen Monaten den Fall mehrfach auf Facebook kommentiert haben, wobei sie nicht nur den Angeklagten angriff, sondern auch unverhohlen Unterstützung für den Anwalt der mutmaßlichen Opfer bekundete.

In der Zeitung Svenska Dagbladet kommentierte ein Rechtsprofessor: "So ein Verhalten ist definitiv unpassend und schadet dem Vertrauen für die Polizeibehörden." Polizei und Staatsanwaltschaft schwiegen vorerst zu der Sache. Gunnar Herrmann