Aufnahme von Flüchtlingen Sogar in Schweden kippt die Stimmung

Am Bahnhof in Stockholm: Ein Polizist weist Flüchtlingen den Weg.

(Foto: dpa)

Lange hat Stockholm die großzügigste Flüchtlingspolitik in der EU betrieben. Doch jetzt beginnen viele Schweden daran zu zweifeln. Schuld daran ist auch die Tatenlosigkeit in Europa.

Von Silke Bigalke

Wie viele Flüchtlinge verkraftet ein Land? Schweden steht kurz davor zu sagen: so viele und nicht mehr. Die Regierung in Stockholm hat lange um eine gerechtere Verteilung in Europa geworben, aber Europa hat sich kaum bewegt.

Wenn das Land mit der großzügigsten Asylpolitik des Kontinents nun die Bremse zieht, muss das allen zu denken geben. Schweden folgt dem europäischen Trend und sorgt sich um sich selbst. Die Regierung in Stockholm hat keine Wahl, denn die Bevölkerung droht an der Flüchtlingsfrage auseinanderzubrechen.

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Bis zu 190 000 Asylsuchende erwartet Schweden in diesem Jahr. Auf die Einwohnerzahl Deutschlands hochgerechnet wären das knapp 1,6 Millionen für die Bundesrepublik. Für Schweden ist die Situation nicht neu. In den vergangenen fünf Jahren hat das Land mit Abstand die meisten Menschen in der EU aufgenommen.

Deutschland mag nun die treibende Kraft sein, wenn es darum geht, Humanität vor Eigeninteressen zu stellen. Doch Schweden war der Vorreiter. Der Unterschied ist, dass Stockholm nicht denselben Druck ausüben kann wie Berlin. Zu lange stand es mit seiner Willkommenspolitik allein.

Die Stimmung kippt

Schweden brennt, heißt es nun, denn es häufen sich die Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte. Es sind noch nicht so viele wie in Deutschland, und es gibt in Schweden auch keine Pegida. Doch die Vorfälle tragen dazu bei, dass die Stimmung im Land kippt.

"Das ist nicht das Schweden, das wir kennen", sagte Ministerpräsident Stefan Löfven angesichts brennender Unterkünfte. Es ist das Schweden, das er zu lange ignoriert hat. Wären heute Wahlen, würde etwa jeder Fünfte für die Schwedendemokraten stimmen, die einzige Partei, die gegen Einwanderung ist, und die drittgrößte im Parlament.