Schwarzgeld-Affäre Französischer Ex-Minister gibt heimliches Auslandskonto zu

Jérôme Cahuzac am Tag seiner Anhörung durch die Ermittlungsrichter in Paris.

(Foto: AFP)

"Ich war in einer Lügenspirale gefangen": Nach monatelangen Spekulationen hat Frankreichs zurückgetretener Haushaltsminister Cahuzac zugegeben, ein heimliches Konto im Ausland geführt haben - über 600.000 Euro. Staatspräsident Hollande griff seinen Parteikollegen heftig an.

Der wegen einer Schwarzgeld-Affäre zurückgetretene französische Haushaltsminister Jérôme Cahuzac hat nach monatelangem Leugnen den Besitz eines heimlichen Auslandskontos eingeräumt. Er habe zwei Ermittlungsrichtern die Existenz des Kontos bestätigt, das er etwa 20 Jahre lang führte, teilte Cahuzac in einem Beitrag auf seinem Blog mit. Nach seinen Angaben lagen dort etwa 600.000 Euro. Er wolle das Geld nun auf sein Konto in Frankreich überweisen lassen, erklärte der sozialistische Politiker.

Staatspräsident François Hollande kritisierte Cahuzac scharf, dem nun ein Prozess wegen "Geldwäsche im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung" droht. Cahuzac habe einen "unverzeihlichen moralischen Fehler" begangen, als er unter anderem vor der französischen Nationalversammlung die Existenz eines Auslandskontos bestritten habe. Der Vorsitzende der oppositionellen konservativen UMP in der Nationalversammlung, Christian Jacob, sagte, es falle ihm schwer zu glauben, dass Hollande und Regierungschef Jean-Marc Ayrault nicht schon vorher über "die Situation" informiert gewesen seien.

Cahuzac bat Hollande, Ayrault und seine einstigen Ministerkollegen um Verzeihung "wegen des Schadens, den ich verursacht habe". Auch bei allen Franzosen wolle er sich entschuldigen. "Ich war in einer Lügenspirale gefangen", erklärte Cahuzac. Er habe einen "unglaublichen Fehler" begangen und sei jetzt angesichts von "Schuldgefühlen am Boden zerstört".

Schönheitschirurg und Berater der Pharmaindustrie

Der 60-Jährige war vor zwei Wochen zurückgetreten, nachdem die Justiz ein offizielles Ermittlungsverfahren eröffnet hatte. Bis zuletzt hatte Cahuzac seine Unschuld beteuert. Er ist Schönheitschirurg und Besitzer einer Spezialklinik in Paris. Hollande hatte bis zum Rücktritt an Cahuzac festgehalten.

Das französische Enthüllungsportal Mediapart hatte im Dezember erstmals berichtet, Cahuzac habe jahrelang ein heimliches Konto bei der Schweizer Großbank UBS besessen. Dieses soll er demnach 2010 geschlossen und das Geld nach Singapur transferiert haben.

Nach Angaben seines Anwalts wurde das Konto in der Schweiz bereits 2009 nach Singapur transferiert. Die Beträge stammten demnach aus Cahuzacs früherer Tätigkeit als Schönheitschirurg und aus Beratertätigkeiten. Medienberichten zufolge war Cahuzac früher als Berater für die Pharmaindustrie tätig.