Die Regierung erwägt, die Steuerreform aufzuspalten: Zunächst sollen die komplizierten Regeln vereinfacht werden, erst dann die Abgaben sinken. Dahinter steckt ein bestimmtes Kalkül.
Union und FDP denken darüber nach, die im Koalitionsvertrag vereinbarte Steuerreform in zwei Teile aufzuspalten. Wie aus Koalitionskreisen verlautete, könnte zum 1. Januar 2011 in einer ersten Stufe ein Gesetz zur Steuervereinfachung in Kraft treten. Die versprochenen Steuererleichterungen würden dann erst 2012 folgen. Über das Entlastungsvolumen müsste in diesem Fall erst im Frühjahr 2011 entschieden werden.
Mit der aufgespaltenen Steuerreform will die schwarz-gelbe Bundesregierung zweimal beim Wähler punkten. (© Foto: dpa)
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Hinter den Überlegungen steckt unter anderem das Kalkül, durch eine Aufteilung der Reform gleich zweimal mit dem Thema Steuern beim Wähler punkten zu können. Zugleich gewönne die Koalition Zeit, ihre Entlastungspläne an die wirtschaftliche Realität anzupassen und mit einem Konzept zur Haushaltssanierung zu verzahnen.
In den Kreisen hieß es, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stehe einer Aufsplittung der Steuerreform aufgeschlossen gegenüber - wenn auch FDP-Chef Guido Westerwelle und sein CSU-Kollege Horst Seehofer bereit seien mitzumachen. Über das Thema gesprochen haben die drei Parteivorsitzenden noch nicht.
Ein Zeitungsbericht, wonach die Union gänzlich auf Steuersenkungen verzichten wolle, wurde in Merkels Umfeld eindeutig zurückgewiesen. Das sei nicht möglich, weil im Koalitionsvertrag Entlastungen im Umfang von bis zu 24 Milliarden Euro vereinbart seien und Westerwelle brüskiert würde. "Die Kanzlerin ist vertragstreu", hieß es.
FDP-Generalsekretär Christian Lindner hatte eine mögliche Zweiteilung der Reform bereits angedeutet. Er forderte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) auf, rasch ein Konzept für Steuervereinfachungen auszuarbeiten, ohne die geplanten Steuersenkungen in diesem Zusammenhang zu erwähnen.
Nach den Vorstellungen der Liberalen ließe sich das Steuerrecht rasch entrümpeln: So sollen beispielsweise Arbeitnehmer, die neben ihrem Gehalt keine nennenswerten zusätzlichen Einkünfte haben, künftig vom Finanzamt eine bereits ausgefüllte Steuererklärung zugemailt bekommen. Sind die Angaben korrekt, muss der Steuerpflichtige sie nur noch per Mausklick bestätigen. Papierbelege wären nicht mehr nötig. Von dieser sehr simplen Form der Steuererklärung könnten laut FDP bis zu 20 Millionen Bundesbürger profitieren. Die Werbungskosten sollen zu einer Pauschale zusammengefasst, Kinderbetreuungs- und Handwerkerkosten leichter absetzbar werden.
Rasche Einigung
Union und Liberale wollen sich möglichst rasch auf das weitere Vorgehen verständigen. Grund ist, dass sie alle Fragen zu Form und Inhalt der geplanten Steuerreform bisher stets mit Verweis auf den ungewissen Ausgang der Steuerschätzung zurückgewiesen hatten. Deren Termin rückt nun immer näher, die Ergebnisse sollen am 6. Mai vorliegen.
Der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hans-Peter Friedrich, sagte am Dienstag, er sehe angesichts der Etatprobleme für die Steuerreform zwei Möglichkeiten: eine "Verschiebung auf der Zeitschiene" oder aber das Auseinanderziehen von Vereinfachung und Entlastung. Wie zuvor Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) bekräftigte er jedoch zugleich, dass es in dieser Wahlperiode in jedem Fall weitere Entlastungen geben werde.
Der Vorsitzende des Bundestagsfinanzausschusses, Volker Wissing (FDP) erklärte, Steuersenkungen seien eine Frage des politischen Willens. Die FDP halte daran fest.
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(SZ vom 21.04.2010/aho)
Protest gegen dritte Startbahn
Ja sicher, es wird eine gesetzliche Regelung geben, damit 20 Mio Angestellte (immer unterstellt, alle arbeiten zu Hause mit dem Computer) ein paar Minuten Arbeit sparen !
Es kann natuerlich ueberhaupt nicht sein, dass man sich da Mehreinnahmen durch entsprechende Pauschalen erwartet - NEIN!
Einen Vorschlag haette ich noch : die FDP moege doch auch ihrer Klientel die Segnungen eines vereinfachten Steuersystems zugute kommen lassen - einfach Abschreibungsmoeglichkeitenstreichen, dann wird es einfacher !
Ein hervorragender Kommentar, der meine uneingeschränkte Sympathie erhält!
Aber mal im Ernst: Erst vor kurzem las ich einen Kommentar, in dem ein Wirtschaftssachverständiger sich für die Abschaffung unterschiedlicher MWST-Sätze und stattdessen die Einführung eines einheitlichen - auf 16 % gesenkten - für alle Waren- und Dienstleistungen gültigen MWST-Satz ausgesprochen hatte.
Aber das wäre wohl ZU EINFACH und das Volk könnte den Nutzen dieser Steuerreform sofort verstehen.
Dann doch lieber wieder so, wie im o.a. Artikel beschrieben...
"Wie aus Koalitionskreisen verlautete, könnte zum 1. Januar 2011 in einer ersten Stufe ein Gesetz zur Steuervereinfachung in Kraft treten."
Pfff... für wie dumm halten die uns eigentlich? Erst die Sache unnötig verkomplizieren (7% für die Übernachtung, 19% fürs Frühstück...), um Großspender zu bevorzugen, dann (natürlich nur andere) Tatbestände wieder vereinfachen...
Nuja am 9. Mai findet die Diskussion ein Ende. Ohne Bundesrat geht sowas dann wohl nicht mehr.
insbesondere, wenn's nicht so gut aussieht...
"Hinter den Überlegungen steckt unter anderem das Kalkül, durch eine Aufteilung der Reform gleich zweimal mit dem Thema Steuern beim Wähler punkten zu können."
Sonst kann ich @FredII schon sehr zustimmen: der Steuerpflichtige bekommt die Erklärung zugesandt, unterschreibt und vergisst dann, diverse Dinge noch abzusetzen... ist ja alles so einfach.
So hört sich die Vereinfachung der Steuererklärung gut an. Doch dies ist keine Vereinfachung der Steuergesetzgebung, die mehr als dringend angesagt ist! Denn nur eine neue Steuer- Transferregelung wie die negative Einkommensteuer kann den bürokratischen Wahn, der über Deutschland und Europa liegt, vermindern.
Paging