Kohl und Genscher hatten es, als es um die Einheit ging. Schröder und Fischer hatten es nach dem 11. September 2001; Merkel, Steinmeier und Steinbrück hatten es in der Finanzkrise. Merkel, Rösler - und wenn's sein muss, auch noch Seehofer dazu - haben es nicht. Wie auch, wenn zwei Partner, CSU und FDP, nicht recht wissen, was sie wollen und ob sie überhaupt etwas wollen sollen. Parteien können kein Vertrauen erwarten, wenn ihnen sogar das Selbstvertrauen fehlt, was für die FDP noch mehr gilt als für die CSU.

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Anders als Schröder wird Merkel dennoch die Vertrauensfrage im Bundestag nicht stellen. Und es ist auch gar nicht nötig. Denn trotz allen Geredes über die feinen Unterschiede zwischen einer Kanzler- und einer eigenen Mehrheit dürfte Merkel wissen, dass sie bei mehr als 20 fehlenden Stimmen der Koalition in einer so grundsätzlichen Frage wie der Rettung des Euro nicht mehr das hat, was sie zum Regieren braucht - nenne man es Gefolgschaft, Disziplin oder Vertrauen.

Und dann? Neuwahlen sind nicht nur ein Problem, weil das Land dank schwarz-gelber Versäumnisse kein gültiges Wahlgesetz mehr hat. Neuwahlen sind vor allem ein politisches Problem, weil es sich Europa eigentlich nicht leisten kann, dass in Frankreich vor der Präsidentenwahl und in Deutschland vor einer Bundestagswahl über Wochen und Monate Politik nur simuliert wird. Da die FDP nicht den Eindruck macht, als sei sie in der Lage, sich noch einmal zusammenzureißen, müsste es die SPD tun. Das ist innenpolitisch derzeit Merkels einzig erfreuliche Perspektive.

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  1. Zertrümmertes Vertrauen
  2. Sie lesen jetzt Kein Vertrauen ohne Selbstvertrauen
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(SZ vom 15.09.2011/olkl)