Bislang ist das von der SPD gemalte schwarz-gelbe Schreckgespenst eine Fiktion. Die Kanzlerin dreht den Sozialdemokraten eine Nase nach der anderen.
Im Bundestagswahlkampf hatten sich nicht wenige Sozialdemokraten an der Idee berauscht, ein schwarz-gelbes Schreckgespenst könne sie an der Regierungsmacht halten. Einer Koalition aus Union und FDP unterstellten sie alle möglichen Taten und Untaten: Der Kündigungsschutz werde gefleddert, ebenso die Mitbestimmung, neue Atomkraftwerke würden gebaut, in der Sozialpolitik werde eine Eiszeit einkehren.
Bild vergrößern
Wahlplakat aus dem Bundestagswahlkampf: Die Bürger hatten weniger Angst vor Schwarz-Gelb als die SPD. (© Foto: ddp)
Anzeige
Schon am 27.September ist diese Strategie nicht aufgegangen. Die Menschen, jedenfalls die, die zur Wahl gingen, hatten keine sonderliche Furcht vor Schwarz-Gelb. Schließlich votierten eine gute Million einstiger SPD-Wähler diesmal für CDU, CSU oder die Liberalen.
Und noch bevor die Sozialdemokraten auf den für sie äußerst unangenehmen Oppositionsbänken Platz nehmen können, dreht die Kanzlerin ihnen die nächste Nase und erhöht das Schonvermögen für Langzeitarbeitslose. Der SPD war sehr spät eingefallen, dieses vor allem symbolträchtige Thema überhaupt in ihr Wahlprogramm aufzunehmen. Und so, wie man die CDU-Vorsitzende kennt, wird sie der SPD weitere Nasen drehen.
In der Union denkt man darüber nach, welches deutsche Atomkraftwerk im nächsten Jahr für immer und ewig vom Netz genommen werden kann. Den Gewerkschaften versichert die neue und alte Regierungschefin Merkel höchstpersönlich, dass am Kündigungsschutz und der Mitbestimmung nichts geändert werden wird. Und während die SPD darüber streitet, mit wem sie in den nächsten Jahren im Bund und in den Ländern regieren mag, kann und soll, sichert sich Merkels Parteikollege Peter Müller im Saarland die Grünen als Partner für die erste Jamaika-Koalition in dem ersten, wenn auch kleinen, deutschen Flächenstaat. In einer unfreiwilligen Partnerschaft mit Oskar Lafontaine sowie sozialdemokratischen Funktionären drängen Merkel und ihre CDU die torkelnde Bundes-SPD an den linken Rand.
Verlockende einfache Antworten
Und die Sozialdemokraten? Die werden nicht nur in den nächsten Wochen, sondern viele Monate darüber diskutieren und streiten, wieso sie nach elf Regierungsjahren einen solchen Absturz erlebten. Und sie werden in Versuchung geraten, auf diese schwierige Frage eine einfache Antwort zu geben. Auf dem Parteitag im November wird die Forderung laut werden, sich so weit wie möglich von der als Ballast empfundenen Reformagenda 2010 zu trennen: Zurück zur Rente mit 65, und wieder länger Arbeitslosengeld für alle.
Mag sein, dass sich die SPD auf diese Weise selbst beruhigt. Sozialpolitisches Renommee gewinnt sie mit solch simplen Beschlüssen in der Opposition aber nicht zurück. Dazu braucht sie, auch wenn es zunächst paradox klingt, wirtschaftspolitischen Sachverstand und finanzpolitische Phantasie. Denn die neue Regierung wird dem Land spätestens vom kommenden Jahr an einiges zumuten müssen. Dann nämlich, wenn sie klipp und klar sagen muss, wer die Kosten für die bisherigen Bescherungen trägt.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Schwarz-gelbe Koalition RSS
- Koalitionsverhandlungen Härtere Strafen, besserer Klimaschutz 16.10.2009
- Poker um Gesundheitspolitik Arbeitsgruppe scheitert, Parteichefs am Zug 16.10.2009
- Koalitionsverhandlungen Zugriff auf Computer wird erschwert 15.10.2009
- Kabinettsspekulation Wer wird was? 29.09.2009
- Schwarz-Gelb Ausgekochte Klientelpolitik 15.10.2009
- Führung: Fall Merkel Für "Angie" kommt "Tina" 17.05.2010
- Anleitung für die Kanzlerin Frau Merkel, holen Sie Peer Steinbrück! 12.05.2010
(SZ vom 16.10.2009/jab)
Stockender Kita-Ausbau
Wenn Mensch so will, kann er meinen Text bewusst falsch verstehen !
Ich habe nicht geschrieben, dass ein im Sinne der Ökonomie nicht mehr verwertbarer Mensch das Geld für die Miete für andere Zwecke verwenden soll !
Die sog. Solidargemeinschaft, die übrigens immer dann gerne ins Feld geführt wird, wenn die unsichtbare Hand eines Adam Smith versagt, hat nicht das Recht in alle Lebensbereiche der Defavorisierten einzugreifen.
Der sozialdarwinistische Charakter einer Gesellschaft, die ihr eigenes Versagen gerne ihren Opfern auferlegt, zeigt sich darin, dass sie ihr eigenes hässliches Spiegelbild auch noch demütigen muss.
Ein Wirtschaftssystem und dessen Apologeten, welche den eigenen Kollaps nur noch psychologisch zu erklären können, deren Epos von der Arbeitsgesellschaft sie nur noch in eine Ferne Zukunft transportieren können, deren Anspruch auf eine gestaltende Zukunft durch die Massenarbeitslosigkeit ruiniert ist, hat kein Recht etwas zu verlangen!
Amen !
Das Plakat stammt aus dem Europawahlkampf, nicht aus dem Bundestagswahlkampf.
Denn schon in der Europawahl ist die SPD mit ihren Zerrbildern der anderen Parteien untergegangen.
Frau Höll,
haben Sie eigentlich ein FDP- oder CDU-Parteibuch? Anders ist Ihr schwarzgelber Jubel-Kommentar nicht zu erklären.
Schauen wir doch mal, was Schwarzgelb nun besser macht als in den verlorenen Jahren 1982-1998.
Wo sind sie, die großen Visionen? Ich sehe nur Ratlosigkeit.
Lieber exi,
vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben den Fehler selbstverständlich sofort ausgebessert.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Moderator
"Die erste 2001-2003 in Folge des 0911. Als die angebliche Friedenspartei nur verbal gegen die US-Kriege war."
2001 infolge war mitnichten ein US-Krieg. die NATO hat den bündnisfall ausgerufen, weil eines ihrer mitglieder angegriffen worden ist.
dass die friedensapostel in den drei "fast-linksparteien" (hätt ich jetzt beinahe gesagt) damit probleme haben war ja klar.
wenn man aber genauer hinschaut werden guerilla-aktivitäten in südamerika stillschweigend über den guten Hugo unterstützt...
soviel zum pazifismus.
Paging