Die NRW-Vielredner Rüttgers und Pinkwart kritisieren die Mehrwertsteuersenkung für Hotels - und machen Wahlkampf gegen die eigene Koalition.
Andreas Pinkwart hat genügend Ämter, in denen er eine Mehrwertsteuersenkung für Hotels hätte verhindern können: Pinkwart ist stellvertretender FDP-Vorsitzender, focht aber bei den Koalitionsverhandlungen für die Steuersenkung. Pinkwart ist Vize-Ministerpräsident der Landesregierung in Düsseldorf, die aber im Bundesrat für die Steuersenkung stimmte.
Bild vergrößern
Sie kritisieren die schwarz-gelbe Mehrwertsteuersenkung für Hotels - die sie selbst hätten verhindern können: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU, rechts) und sein Vize Andreas Pinkwart (FDP) (© Foto: dpa)
Anzeige
Außerdem hält Pinkwart noch das inoffizielle Amt eines liberalen Vielredners, weshalb in früheren Interviews leicht nachzulesen ist, wie toll er die Steuersenkung immer fand.
Jetzt aber fällt nicht nur die Mehrwertsteuer für Hotels, sondern auch die FDP in Umfragen. Pinkwart kommt das ungelegen, weil er für die Liberalen auch Wahlkämpfer in Nordrhein-Westfalen ist. In dieser Funktion distanziert er sich nun von seinen drei anderen Ichs und fordert, die Steuersenkung für Hotels auszusetzen.
Rüttgers, der große Korrektor
Er sagt, es sei gute Politik, ein schlechtes Gesetz zu korrigieren. Aber er verschweigt, dass fast alle Experten dieses Gesetz von Anfang an für schlecht hielten, und gute Politik darin bestanden hätte, gleich darauf zu verzichten.
Der christdemokratische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ist seinem Vize nun beigesprungen. Rüttgers ist ja sowieso der große Korrektor der deutschen Politik. Er ist immer überall dabei, um hinterher alsbald auf Fehler hinzuweisen und Vorschläge zu deren Beseitigung anzubieten. Rüttgers hat der Steuersenkung für Hotels im Bundesrat zugestimmt und dann gesagt, die Steuersenkung für Hotels sei nicht nachvollziehbar. Eine Bundesregierung, die alles in seinem Sinne machen würde, wäre für Rüttgers ein Albtraum, weil er dann gar nichts mehr zu korrigieren hätte.
Rüttgers und Pinkwart spiegeln freilich auch den Zustand der schwarz-gelben Koalition in Berlin zu Beginn jener Woche, die mit deren 100. Amtstag endet. Die Regierung Merkel steht mittlerweile da, wo die Regierung Schröder 2003 stand: Der Glanz des Sieges bei den Bundestagswahlen ist dahin, die eigenen Leute machen in wachsender Panik Landtagswahlkampf gegen den Bund.
Polit-Paradoxon auf vier Beinen
In Nordrhein-Westfalen ist das besonders delikat, weil dort im Mai auch die Mehrheit von Union und FDP im Bundesrat auf dem Spiel steht. Mit ihrem Steuer-Vorstoß sind Rüttgers und Pinkwart nun ein Polit-Paradoxon auf vier Beinen geworden: Sie werben für eine Mehrheit, aber gegen deren Politik.
Verwirrend muss das vor allem für die Sympathisanten der FDP sein. Die Liberalen lassen gerade im ganzen Land plakatieren: "Wort gehalten" - und nun sagt einer von ihnen, diese Politik sei falsch gewesen. Über den Murks der Vorgängerregierungen hat sich die FDP stets mokiert - und nun räumt der Parteivize selber Pfusch ein.
Exzellente erste Ergebnisse attestierte Guido Westerwelle jüngst der neuen Koalition im Bund - und nun sagt sein Stellvertreter, er sei mit deren Start gar nicht zufrieden. Schon bemerkenswert, dass gerade eine so bürgerliche Partei in Disziplinlosigkeit versinkt.
Die Nuba: Leni Riefenstahls Bilder machten sie einst bekannt. Heute sucht das Volk aus Sudan Schutz in Höhlen und Felsspalten – vor den Bomben des Regimes in Khartum. Ein Frontbericht. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Schwarz-gelbe Koalition RSS
- Steuererleichterung für Hotels Pinkwart übt die Rolle rückwärts 30.01.2010
- Finck: Parteispenden Wenn Millionen lohnen: Die FDP und ihre Klientel 18.01.2010
- Union und FDP Der Lobbyist denkt, die Koalition lenkt 20.01.2010
- Hotels in München Investitionen dank Steuergeschenk 06.01.2010
- CDU-Plan FDP soll FDP bremsen 13.01.2010
- Führung: Fall Merkel Für "Angie" kommt "Tina" 17.05.2010
- Anleitung für die Kanzlerin Frau Merkel, holen Sie Peer Steinbrück! 12.05.2010
(SZ vom 01.02.2010/jab)
Verfassungsrichter rügen Billig-Professuren
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
Alles fing bereits im Sommer 2009 während des Bundestagswahlkampfes an, als A. Merkel (geistig gebunden durch ihren USA-Besuch bei Obama) gestützt auf den daheim weilenden, statthaltenden Profalla den Oettinger-Vorschlag auf Anhebung des reduzierten Satzes auf 10%, wie beim südlichen Nachbarn Österreich seit Jahren üblich, als absurd abkanzelte und so jegliche vernünftige Reform der Mehrwertsteuererhebung im Gastgewerbe insgesamt zunichte machte. Das Ganze gipfelte schließlich noch in der nachgeschobenen Kanzlerinnengarantie der ökonomisch inkompetenten Physikerin Merkel, jedwede Änderung an Mehrwertsteuersätzen auszuschließen. Dümmlicher und unprofessioneller hätte man die für das Gastgewerbe insgesamt - mit Vorrang der AnOrtundStelleverzehr-Gastronomie - so elementar notwendige Neuordnung der Mehrwertsteuererhebung nicht angehen können. Die Niebel-Westerwelle-Klientelpolitik-FDP an Einäugigkeit kaum zu überbieten. Sie hat ein rotes Tuch, ein Feindbild, das Wort STEUER - spielte munter mit und blockte weiterführende Ideen, wie den Adams/Effertz-Vorschlag einer erhöhten Abgabe auf alkoholische Getränke im Keim gleich ab (Hans-Michael Goldmann). Zur Gesamt-Thematik gehört untrennbar der Getränkebereich mit dazu. So macht es überhaupt gar keinen Sinn das lebensnotwendige Lebensmittel Wasser in Form von Mineralwasser mit 19% MwSt. zu belasten, genauso wenig wie Obst oder Gemüse in Form von Frucht mit 7% und in Saftform aber mit 19%. Senkt man vernünftigerweise für Getränke den MwSt.-Satz auf den Ermäßigten, muss im Alkohol-Getränkebereich gerade vor dem Hintergrund der Baustelle Komasaufen Jugendlicher etwas Kompensierendes geschehen. Und das kann nur eine nach Alkoholgehalt gestaffelte neue Abgabe (wie am Beispiel der Alkopops bereits erfolgreich eingeführt) sein, die dann im Übrigen den zusätzlichen Vorteil hat, nicht mehr als Vorsteuer abzugsfähig zu sein und so die Staatseinnahmen zu vermindern. Aber, wie für jeden aufgeklärten politischen Beobachter immer deutlicher ersichtlich, die FDP-Liberalen der Generation 2000ff sind nicht staats- und somit nicht regierungsfähig. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung in Nachfolge von Sabine Bätzing mit der FDP-Frau Mechthild Dyckmans zu besetzen, wer kommt auf solch eine abwegige Idee? Jetzt braucht Deutschland 2010 nun wirklich eine neue Agenda!
Wen werden Sie denn nach der verlorenen Wahl verantwortlich machen Herr Rüttger und Herr Pinkwart. Sie haben den vor 4 Jahren gegebenen Kredit aufgebraucht und befinden sich bereits in den Miesen!
Peinlich - peinlicher - Rüttgers/Pinkwart! - Und die Wähler in NRW? Noch peinlicher? Hoffentlich nicht!!
Die Zerrissenheit und vor allem Unglaubwürdigkeit der FDP wird deutlich in der Kritik von Pinkwart. Gewiß, er redet, wie übrigens manche andere Politker auch, sehr gern öffentlich, bevorzugt mit Kamera. Seine zwar richtige Kritik ist auch den bevorstehenden Landtagswahlen geschuldet, wo immerhin die Gefahr besteht, daß die machtgeile FDP aus dem Rennen geworfen werden könnte.
Das Dilemma der FDP besteht vor allem darin, dass der ewuig süffisant lächelnde Brüderle wenig zur Kenntnis genommen wird. Ihm wird weder Kompetenz noch Glaubwürdigkeit bescheinigt. Der sich überschätzende Rösler, ein Träumer vor dem Herrn, wird mit seinen brutalen Sparmaßnahmen gegen die kleinen Leute nicht gewinnen und wohl bald von der Bildfläche verschwinden. Und das Westerwelle eine längere Amtszeit haben wird, kann angezweifelt werden. Der globale Fehler von Merkel bestand in der falschen Ausdwahl des Koalitionspartners.
....beschleunigt wurde damit wohl erst einmal der Niedergang der FDP. Nicht jedoch der Union !
Und beschleunigt wurde das ja auch noch mit der legalen Spende des Hotel Barons an die FDP.
Und beschleunigt werden könnte das auch noch einmal mit der Spenden Affäre aus den Möllemann Zeiten ,denn auf wundersame Weise hat der Herr Bundestags Präsident die dafür vorgesehene Strafe von 11,0 Mio. auf 4,0 Mio. Euro herunter gerechnet, denn sein Vize ist ja jetzt auf einmal Koalitions Partner und nicht mehr in der Opposition.
Vielleicht informiert ja die SZ mal etwas genauer darüber ?
Paging