Von Marc Widmann und Ralf Wiegand

Die Tinte unter dem Koalitionsvertrag ist kaum getrocknet, da rebellieren die Länder schon gegen Merkels Steuerversprechen. Manche wollen sogar vor das Verfassungsgericht ziehen.

Nach dem Berliner Finanzsenator Ulrich Nußbaum haben sich auch weitere Landespolitiker gegen die Steuerentlastungspläne der Koalition von Union und FDP gestellt. Am weitesten geht Bremen, wo Nußbaum vor seinem Wechsel in den Berliner Senat als Finanzsenator wirkte. Bremens Regierungschef Jens Böhrnsen (SPD) schließt ebenfalls einen Gang vors Bundesverfassungsgericht nicht aus: "Notfalls müssen wir möglichst gemeinsam mit anderen Ländern mit einer Klage den Anspruch der Länder auf eine angemessene Finanzausstattung durchsetzen", sagte Böhrnsen.

Merkel, ddp

(© Foto: ddp)

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Der Gang nach Karlsruhe sei "Ultima Ratio, sollte das Merkel-Kabinett nicht zur Besinnung kommen und auch die Mehrheit der Ministerpräsidenten wider aller Vernunft den Steuersenkungen zustimmen". Die geplanten Entlastungen in Höhe von 24 Milliarden Euro würden in den Ländern zu Mindereinnahmen führen. Nuß-baum (parteilos) rechnete vor: "Pro Jahr fehlen Berlin bei voller Wirksamkeit der Beschlüsse mehr als 700 Millionen Euro." Das entspreche 50.000 Studienplätzen oder 100.000 Kita-Plätzen. Nußbaum schloss allerdings einen Alleingang vors Verfassungsgericht aus.

Carsten Kühl (SPD), Finanzminister in Rheinland-Pfalz, lehnt die Berliner Pläne ebenfalls ab. "Was Schwarz-Gelb vorhat, macht den Ländern die Haushalte auf Jahre hinaus kaputt", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Dem Bundesland fehlten durch die schon beschlossenen Steuersenkungen, etwa bei den Krankenversicherungsbeiträgen, pro Jahr künftig mehr als 500 Millionen Euro. "Die angekündigten neuen Maßnahmen kosten Land und Kommunen grob geschätzt weitere 700 Millionen Euro, vielleicht auch mehr. Hier wird knallhart umverteilt - auf Kosten der sozial Schwachen und der Länder", sagte Kühl.

Karoline Linnert (Grüne), Finanzsenatorin in Bremen, nannte die geplante Steuersenkung einen "haushaltspolitischen Blindflug". Sie gefährde die bis 2020 angestrebte Konsolidierung des Landes. Zu diesem Zweck erhält die Hansestadt von 2011 an jährlich 300 Millionen Euro, je zur Hälfte vom Bund und den anderen Bundesländern. Die Pläne der neuen Bundesregierung, so Linnert, fräßen diese Effekte zum Teil wieder auf.

Der Finanzminister des Saarlands, Peter Jacoby (CDU), sagte der SZ: "Sollte die Umsetzung der Koalitionsbeschlüsse zu gravierenden Einnahmeausfällen auf Seite der Länder führen, stellt sich die Frage nach Nachverhandlungen in Sachen Schuldenbremse und Konsolidierungshilfe."

Für das schwarz-grün regierte Hamburg erklärte Antje Möller, Vizevorsitzende der GAL-Bürgerschaftsfraktion, dass sich Hamburg bei diversen Vorhaben der Bundesregierung im Bundesrat enthalten werde, falls diese den Bewegungsspielraum des Stadtstaates weiter einschränke.

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(SZ vom 27.10.2009/jab)