Schwarz-Gelb-Grün Brückenbauer, Fallensteller, Joker

Markus Söder (CSU; obere Reihe, von links), Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), Wolfgang Kubicki (FDP), Robert Habeck (Grüne), Joachim Herrmann (CSU), Simone Peter (Grüne), Stanislaw Tillich (CDU; untere Reihe, von links), Wolfgang Schäuble (CDU), Claudia Roth (Grüne), Peter Altmaier (CDU), Theo Waigel (CSU) und ?

(Foto: dpa/Reuters/AFP)

In den Jamaika-Sondierungen von Union, FDP und Grünen wirken ganz unterschiedliche Politiker mit. Diese Charaktere könnten die schwierigen Gespräche entscheiden.

Von Stefan Braun und Jakob Schulz, Berlin

In der kommenden Woche geht's los; am Mittwoch, Donnerstag und Freitag werden Union, FDP und Grüne ausloten, ob sie tatsächlich in Koalitionsverhandlungen über ein Jamaika-Bündnis eintreten wollen. Dabei werden nicht nur unterschiedliche Parteien, sondern auch sehr unterschiedliche Personen mitwirken. Klar, die Verhandlungsführer sind gesetzt.

Da wäre Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die mit der Union zwar die Wahl gewonnen hat, aber mit großen Verlusten. Das setzt auch CSU-Chef Horst Seehofer unter Druck. Vergleichsweise entspannt dürfte FDP-Chef Christian Lindner sein. Und die Grünen-Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir müssen sich vorsehen, ihre Parteilinke nicht zu vergrätzen. Doch nicht nur die Verhandlungschefs werden dabei sein, sondern auch die zweite Reihe: Politiker mit ganz unterschiedlichen Zielen und Rollen.

Die Brückenbauer

Der leutselige Kanzleramtsminister und Wahlkampfchef Peter Altmaier wird für die CDU eine Schlüsselfigur sein. Wie kaum einer sonst kennt er wichtige Personen auch in den anderen Parteien. Und er kennt die Schmerzpunkte jeder der beteiligten Parteien. Das befähigt ihn, in den Sondierungen immer wieder die richtige Tonlage zu finden. Außerdem will er, dass der Jamaika-Anlauf gelingt. Deshalb wird er viele Versuche unternehmen, auch mit unkonventionellen Ideen Brücken möglich zu machen. Sein Manko: seine unbedingte Loyalität zu Merkel hat ihm in der CSU nicht nur Freunde gebracht.

Joachim Herrmann gehört zu den ganz wenigen in der CSU, die nicht zuallererst raufen wollen, um politisch zu punkten. Der Franke gehört zum kleinen Kreis derer, die wie einst Partei-Vordenker Alois Glück vor allem eines tun: nach Lösungen suchen. Deshalb könnte ihm die Schlüsselposition zufallen, immer dann eine neue Idee zu präsentieren, wenn sich alle verhakt haben. Offen ist, wie viel Einfluss Herrmann tatsächlich hat. Als Spitzenkandidat müsste der eigentlich groß sein. Doch ein Spitzenkandidat, der es nicht in den Bundestag geschafft hat, muss sich diesen Einfluss womöglich neu erstreiten.

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Wolfgang Kubicki (FDP) ist neben Christian Lindner derzeit der wichtigste Spieler bei den Liberalen. Aufgrund seiner Erfahrung, aufgrund seiner Unabhängigkeit und aufgrund seiner Überzeugungen. Der Spitzenkandidat der schleswig-holsteinischen FDP gehörte nie zu den neoliberalen Hardlinern, sondern zu denen, die ein Gespür auch für soziale Schieflagen haben. Und er hat Spaß daran, Neues zu wagen. Außerdem pflegt er gute Beziehungen zu den meisten anderen Parteien - und hat erste Brücken zu den Grünen gebaut, als beide in Kiel noch in der Opposition waren. Er wird, wenn es eng werden sollte, nicht gleich aufgeben. Seine manchmal flinke Zunge aber kann manchen auch verprellen.

Bei den Grünen galt Robert Habeck, Umwelt- und Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein, schon vor der Wahl als wichtiger Kopf, wenn es darum geht, die Partei in die Zukunft zu führen. Seit der Wahl hat er schon fast die Rolle desjenigen übernommen, der Perspektive und Aufgaben einer möglichen Jamaika-Koalition entwirft. Er will, dass ein solches Bündnis ernsthaft geprüft wird. Aber er beharrt zugleich darauf, dass die Grünen die Kraft behalten müssen, Nein zu sagen. Dabei redet er seit der Wahl nicht mehr nur über urgrüne Themen. Er sieht seine Partei in der Verantwortung, in einem Jamaika-Bündnis auch soziale Veränderungen durchzusetzen. Dass ihm bei all dem die Kreativität für neue Wege ausgeht, ist eher unwahrscheinlich.