Die 15-Prozent-Partei FDP hält sich für stärker als sie ist, die Union setzt - anstatt den Ton anzugeben - höchstens Fragezeichen hinter die Forderungen der Liberalen.
Es ist ein reizvoller Gedanke, sich vorzustellen, wie der Start der neuen Bundesregierung wohl verlaufen wäre, wenn die Union bei der Bundestagswahl stärker und die FDP schwächer abgeschnitten hätte. Wenn also der größere Partner nicht nur tatsächlich, sondern auch gefühlt der stärkere gewesen wäre. Dann wäre vermutlich eine Koalitionsvereinbarung herausgekommen, bei der der Größere den Ton angegeben hätte, ohne den Kleineren unterzubuttern.
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Einer fordert, der andere setzt ein Fragezeichen dahinter: Guido Westerwelle und Angela Merkel nach der zweitägigen Klausur in Meseberg. (© Foto: AP)
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Den Liberalen wären einige Zugeständnisse gemacht worden, die sie bei ihrer Klientel als Erfolg hätten verkaufen können, in vielen anderen Fragen hätte sich die FDP aber den Wünschen der Union beugen müssen. So, wie Demokratie eben funktioniert: Wer mehr Stimmen hat, hat auch mehr zu bestimmen.
Der Koalitionsvertrag als Ersatz-Grundgesetz
Durch das tatsächliche Wahlergebnis sind diese Gesetze der Mathematik politisch gewissermaßen auf den Kopf gestellt worden, mit fatalen Folgen für die neue Regierung und möglicherweise für das ganze Land. Weil die FDP mit fast 15 Prozent triumphal abgeschnitten hat, betrachtet sie sich nicht nur als den großen Wahlsieger (was ihr gutes Recht ist), sondern empfindet es auch als Auftrag, künftig die dominierende Rolle zu spielen.
Im Video: Nach der zweitägigen Kabinettsklausur in Meseberg sieht Bundeskanzlerin Merkel die Regierung auf einem guten Weg. Die Opposition kritisierte, es sei in wichtigen Fragen nichts entschieden worden.
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Aus fast 15 Prozent werden gefühlte 50 Prozent, und daraus wird das Mandat abgeleitet, jetzt endlich, nach harten Jahren in der Opposition, FDP-Politik pur in die Tat umzusetzen. Fast 15 Prozent bedeuten, dass bei der Wahl ungefähr jeder siebte Wähler FDP gewählt hat. Mit anderen Worten: 85 Prozent haben die FDP nicht gewählt. Das ist eine gewaltige Mehrheit. Ein Mandat für eine FDP-dominierte Republik gibt es nicht.
Es gibt aber einen Koalitionsvertrag, auf den sich die FDP bei jeder Gelegenheit beruft, als sei er das Ersatz-Grundgesetz. Dieser Koalitionsvertrag ist, wegen des Missverhältnisses zwischen tatsächlicher und gefühlter Stärke der Partner, ein Dokument der Unschärfe; die ganze schwarz-gelbe Regierung ist eine Regierung der Unschärfe.
Der Union, die viel schwächer abgeschnitten hat, als sie selbst erhofft hatte, ist es nicht gelungen, die FDP-Forderungen, die ihr nicht passen, völlig abzuschmettern. Sie konnte nur Fragezeichen dahintersetzen. Es stehen jetzt also die Forderungen und die Fragezeichen in dem Vertrag.
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Soll natürlich heissen: Joschka Fischer hat seinerzeit der SPD nichts aufgedrängelt, so wie es jetzt Guido Westerwelle mit der CDU (sprich UNion) macht.
Und im Übrigen, Westerwelle mit Fischer vergleichen wollen, bedarf schon grosser Abenteuerlust.
Joschka Fischer hat seinerzeit aber der stärkeren SPD etwas aufgedrängelt, so wie es jetzt Guido Westerwelle mit der FDP macht. Sie will streberhaft die Politikziele der FDP druchziehen. Das war zu "Joschkas Zeiten" etwas anderes, min Herr.
Das bringt mich auf den Gedanken, dass sich alle Leistungsträger (die sich dafür halten) hier im Forum zu erkennen geben,sich vorstellen und wir somit in eine Diskussionsrunde eintreten können. Somit können wir sicherlich klarstellen, was man sich unter diesem Begriff vorzustellen hat.
Wenn Sie meinen, bei der der Beurteilung der neuen Regierung, zuvor Vergangenheitsbewältigung zu betreiben, und dabei die Rot-Grüne- und die Schwarz-Rote-Regierungszeit der angeblichen Versager darstellen, sollten Sie dabei nicht vergessen, dass Sie damit nur die 2. Halbzeit eines Spiels dargestellt haben, denn die 1. Halbzeit (vor Rot-Grün) war die 16 Jahre-Schwarz-Gelb-Regierungszeit unter Kohl, die alles hat auflaufen lassen. Sollte das denn nicht bewusst sein, @Hirschfänger?
Wenn Sie wissen wollen, was Diletanttismus und das Gegenteil von Erfolg ist, sollten Sie sich die sieben rot-grünen und die anschließenden vier schwarz-roten Jahre noch einmal in Erinnerung rufen.
Ein größeres Chaos und noch mehr Brankrottskrämerei ist nur noch schwer vorstellbar.
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