Er will einen Englisch-Lehrer nehmen und Englisch im Urlaub sprechen. Der neue EU-Kommissar Oettinger nimmt sich viel vor.
Kaum ist er im Amt, nimmt sich der neue EU-Kommissar für Energiefragen in Brüssel Einiges vor. Günther Oettinger (CDU) will seine Kenntnis der englischen Sprache zu verbessern.
Vom Ländle nach Brüssel: Günther Oettinger (CDU) will im Urlaub an seinen Englischkenntnissen arbeiten. (© Foto:)
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"Ich werde in den kommenden Monaten in freien Stunden mit einem Lehrer in Brüssel meine Englischkenntnisse verbessern. Und im Sommer in einem englischsprachigen Land Urlaub machen. Dann stehen nicht nur Beachvolleyball, sondern auch Englischunterricht auf dem Programm", schwor der einstige Ministerpräsident von Baden-Württemberg in einem Interview mit Welt am Sonntag.
Das ist ein großes Versprechen. Als der Schwabe Oettinger bei einer Konferenz vor Wirtschaftsvertretern in Berlin einen englischen Text vom Blatt ablas, war das Realsatire pur. Sein "Schwänglisch" zierte ein Video, das auf der Plattform YouTube zum Hit wurde. Oettingers Englisch war auf einmal die Lachnummer der Nation.
Klar, dass der neue EU-Kommissar, für den Englisch als Arbeitsprache ungemein wichtig ist, demnächst schon einen besseren Eindruck machen will. Er werde jedoch in seiner neuen Funktion bei wichtigen internationalen Verhandlungen und Abkommen einen Dolmetscher hinzuziehen, kündigt Oettinger an: "Ich habe nicht die Absicht, mich auf Englisch über Verträge zu einigen, in denen es um Milliarden geht."
Kritik an seinen Englischkenntnissen wies Oettinger zurück: "Mein Englisch ist für Alltagsgespräche ausreichend. Wenn der neue US-Konsul zu mir kam, unterhielten wir uns ohne Übersetzer über die Armee und Hewlett Packard. Wenn ich Englisch spreche, das ist doch klar, ist mein Schwäbisch sichtbar."
Vielleicht meint Oettinger auch "hörbar" statt "sichtbar". Aber das ist ein anderes Problem.
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(sueddeutsche.de/AFP/jja/hai)
Debatte um Militärintervention in Syrien
Gut, dass Öttinger keinesfalls auf sein Deutsch verzichtet, vor allem, wenn es um Milliarden geht. Franz-Josef Strauss beantwortete, 1962 als Verteidigungsminister, in Athen bei einer Nato-Konferenz eine ihm englisch gestellte Frage in seinem (durchaus passablen) Englisch. Tags drauf kochte die Weltpresse: Deutschland verlange eigene Atomwaffen... Er war missverstanden worden. Die EU, anders als die Nato, ist die einzige Organisation von Weltformat, wo seit Anbeginn - seit 1952, nur sieben Jahre nach Kriegsende, das Deutsche absolut gleichberechtigt ist. Doch Teile unserer Journaille (bin selbst einer davon) und unserer angelsächselnden Politikwissenschaft tun dauernd, als wäre Englischsprechen heutzutage der Ritterschlag. Gottschalk liess irgendwen in irgendeiner seiner Veranstaltungen (pardon: shows) nicht auftreten sondern "performen", undzwar in der Hauptsendezeit. Dass die streckenweise Unverständlichkeit unserer Werbung auch noch bezahlt wird, lässt Strohdummheit von Auftraggebern diagnostizieren. Der frühere CDU-Aussenminister Schröder, des Englischen fliessend mächtig, antwortete der Presse nur auf Deutsch. Nicht nur "Strauss-Pannen" wollte er damit vermeiden. Zugleich konnte er während des Dolmetschens der Frage über seine Antwort nachdenken (wie er mir erzählte). Warum freut sich von den Öttingermäklern keiner darüber, dass er sehr gut FRANZÖSISCH versteht. England wünscht zwar täglich mehrmals die EU zum Teufel, weil es sie noch immer nicht als Schicksalsgemeinschaft begriffen hat. Doch zugleich wollen die Briten den Kontinent mit ihrer Sprache kolonialisieren. Deutsche und Franzosen müssen gemeinsam für ihre beiden Sprachen als "die" Europasprachen zu Felde ziehen, GOETHE-INSTITUTE und ALLIANCE FRANCAISE an einem Strang. Und wer diese Sprachen nicht lernen will, soll sich ans Chinesische machen. Das hat Zukunft. Wie übrigens allemal unser Europa.
werden dann wohl noch zwei Übersetzer einstellen müssen
einen für schwäbisch
und einen für oettisch (Kreuzung ausPidginsenglisch und denglisch)
Ich befürchte, Herr Öttinger wird in Brüssel nur vresuchen, Englisch zu lernen.
Man hat im Schwabenländle stets über sein Schwäbisch gelächelt, also ich habe keine große Hoffnung auf eine korrekte Aussprache im Englischen des Herrn Öttinger.
Ich würde jedoch meinen, wenn Herr Öttinger eine gute europäische Politik macht, dann darf er auch ruhig a bissle schwäbisch-englisch schwätza. Denn auf eine anständige Politik kommt es an, und da ist handeln immer wichtiger als schwätza. Das wird leider in Regierungskreisen immer mehr vergessen.