Altkanzler Gerhard Schröder erklärt, warum die Deutschen Russland brauchen - und wie sich die USA eingliedern sollen.
Im Saal F1-F3 des Dorint Hotels in Potsdam stand er vor einigen Jahren schon einmal. Damals hat er unter Buhrufen und Pfiffen auf einer der vielen Regionalkonferenzen die Agenda 2010 verteidigt.
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Gerhard Schröder (r.) und Manfred Stolpe in Potsdam. Der SPD-Politiker Stolpe war am 9. Dezember zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren wegen Darmkrebs operiert worden. (© Foto: dpa)
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Diesmal wird Gerhard Schröder mit Applaus empfangen, als er den Saal betritt. Er lächelt sein Kanzler-Lächeln und winkt den Gästen zu. Mehrere hundert Menschen sind gekommen. Die Frage des heutigen Abends: "Verstehen wir die Russen richtig - ist unser Umgang mit ihnen angemessen?"
Der Abend wurde vom ehemaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe moderiert. Stolpe war in der Regierung Schröder für Verkehr und den Aufbau Ost zuständig.
Altkanzler als Verteidiger Russlands
Schröders prorussische Einstellung ist für viele Deutsche nicht gerade einfach. Da wäre einmal seine Rolle als Aufsichtsratschef der Ostseepipeline-Betreibergesellschaft NEGPC, die vom russischen Unternehmen Gazprom dominiert wird. Oder seine Freundschaft zum russischen Premier und ehemaligen Präsidenten Wladimir Putin, den Schröder einst als "lupenreinen Demokraten" bezeichnete.
Altkanzler Schröder hat sich in den Augen der Deutschen in den letzten Jahren als großer Verteidiger des russischen Weges der "gelenkten Demokratie" gezeigt, wofür er in Medien und Öffentlichkeit vielfach kritisiert wurde. Viele Deutsche haben für seine Aussagen kein Verständnis, wenn zugleich der Georgien-Krieg, der Gas-Streit mit der Ukraine und die Menschenrechtsverletzungen die Schattenseiten des russischen Systems aufzeigen.
Schröder wirbt an diesem Abend für Russland und erinnert an die Schwierigkeiten des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Man dürfe nicht vergessen, dass Russland eben keine demokratische Vergangenheit habe, sagt er an diesem Abend im Dorint Hotel und ruckt vor, um dem noch mehr Nachdruck zu verleihen.
Er zieht Vergleiche zu Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und weist darauf hin, dass die deutsche Rechtsstaatlichkeit auch noch nicht so alt sei. Mit anderen Worten: Russland braucht noch Zeit.
Schröder hält das deutsche Russland-Bild für sehr einseitig. Weil man den Russen oft das nicht zugesteht, was anderen erlaubt wird. "Wir dürfen in der Beurteilung Russlands nicht mit unterschiedlichen Standards arbeiten", verdeutlicht er. Der russische Gesamteindruck bestehe nicht nur aus Menschenrechten und Demokratie, "nur in der Gesamtheit lassen sich die Beziehungen verstehen".
"Keine unterschiedlichen Standards"
Die Zeit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sei für die westlichen Medien die Geburtstunde der russischen Demokratie gewesen. Die meisten Russen hätten dies jedoch als Zeit des Chaos und der Korruption wahrgenommen.
An die deutschen Russlandkritiker appelliert er, sich an die Vergangenheit zu erinnern. 27 Millionen Sowjetbürger seien den Deutschen im Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen. "Vor dem Hintergrund der gemeinsamen Geschichte grenzt die Versöhnung von russischer Seite aus an ein Wunder", sagt der Sozialdemokrat.
Das ressourcenreiche Russland ist laut Schröder für Deutschlands und Europas Zukunft unabdingbar. In der nächsten Dekade würde sich die Frage stellen, "mit wem Russland zusammengeht, Europa oder Asien". Deutschland, beziehungsweise die gesamte Europäische Union brauche Russland. Russland habe in China eine Alternative - Deutschland nicht.
Das ressourcenarme Europa dagegen könne nur bestehen, "wenn man alles zusammenbringt", was in der EU an Technik und Wissenschaft und in Russland an Know-how und Ressourcen vorhanden ist. "Sonst werden wir keine große Rolle im Konzert der drei großen Weltregionen spielen", warnt er. Doch dafür brauche es eine gegenseitig verständnisvolle Partnerschaft.
Hoffen auf Obama
Jetzt setzt Schröder auf den neuen US-Präsidenten Barack Obama. Dass dieser das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Russland verbessert. Dann kann das entstehen, was Schröder sich vorstellt: Eine Troika, bestehend aus den Vereinigten Staaten, der Europäischen Union und Russland.
Dass man ihn nicht falsch versteht: Auch der Altkanzler unterstützt eine zukünftige Unabhängigkeit Deutschlands von der russischen Energie. Genauso wie wir das russische Gas bräuchten, brauche Russland europäische Gas-Abnehmer.
Wer energiepolitisch unabhängig sein wolle, müsse auf erneuerbare Ressourcen setzen. Auch hier müsse man mit Russland auf eine gemeinsame Zukunft hinarbeiten.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(sueddeutsche.de/jja/mati/odg)
Ich habe Ihren Beitrag aufmerksam gelesen und verzichte darauf, an einigen Ihrer Äusserungen und Bewertungen herumzumäkeln.
Nur auf einen, mir allerdings sehr wesentlichen Punkt möchte ich hinweisen:
Das was Gerheard Schröder dieser Tage bei wenigstens zwei verschiedenen Gelegenheiten gesagt hat, nämlich
- zur Bedeutung Russlands für unsere Energieversorgung sowie
- zu einem deutschen Ministeramt für einen türkisch-stämmigen Deutschen
findet meine volle Zustimmung, weshalb ich ihm auch den Ehrentitel "Statsmann" zuerkannte und seine Nachfolger "biedere Kleingeister" nannte.
Ihnen möchte ich noch zu bedenken geben, dass auch ein Ex-Bundeskanzler wie Gerhard Schröder -im Gegensatz zu einem anderen, nämlich Helmut Kohl - jedenfalls nach meiner Überzeugung
- sowohl das Recht auf Irrtum
- als auch auf Besserung und Erkenntnisgewinn
zugestanden werden sollte, was umso leichter fällt, als seine Nachfolger Letzteres tagtäglich mehr vermissen lassen!
Es ist weit einfacher und erheblich weniger edel als rolfschmid meint: Gerhard Schröder ist ein hoch bezahlter West-Propagandist des Kreml und sein wahrscheinlich wirksamster Frühstücks-Direktor. Seine Liebe zu Russland, sein Verständnis für das historische Unterfutter deutsch-russischer Beziehungen haben in dem Maße und höchst parteiisch zugenommen, wie er dem geschulten Einflussagenten-Werber und KGB-Fachmann Putin auf den Leim gegangen ist - und sich zugleich hat ein Bild machen können von den wahrhaft unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten der heutigen Dunkelmänner-Clique an Russlands Spitze. Ein bemerkenswerter Wandel ! Der Schröder auf dem Weg ins Kanzleramt, der Wahlkämpfer Schröder hatte seinerzeit Null Interesse an Russland. Jede prorussische Äußerung koste nur Wählerstimmen, sagte er damals vor Vertrauten, weil sie nur als Parteinahme für organisierte Kriminalität und Verbrechen interpretiert werde. Doch je länger und besser der deutsche Kleinbürger ganz gross den russischen Emporkömmling kennen lernen durfte, um so deutlicher wurde Schröder, dass die von ihm zuvor so angehimmelten deutschen Bosse und ihr Reichtum armselig waren im Vergleich zum neuen Freund Putin. Von da bis zur Einsicht "If you cannot beat them, join them" war es dann nur noch ein winziger Schritt ...
Ich wollte in etwas dasselbe schreiben, aber es wurde geköscht! Deshalb erlaube ich mir, den mit meinem gelöschten Text weitestgehend übereinstimmenden Beitrag von Ihnen zu wiederholen:
"filus: ... habe selten mehrheitlich so viele dümmliche , vorurteilsbeladene user- Kommentare ...
...vorgefunden wie hier . Zum Abwinken ... "
Vielleicht gestattet mir die Zensur noch diesen "sprichwörtlichen" Erklärungsversuch:
Nur die dümmsten Kälber.....
"...wenn zugleich der Georgien-Krieg, der Gas-Streit mit der Ukraine und die Menschenrechtsverletzungen die Schattenseiten des russischen Systems aufzeigen."
Hä?
Georgien macht Krieg, Russland stoppt sie - was ist daran falsch?
Die Ukraine will ihre Verträge nicht einhalten und für Rohstoffe nicht bezahlen und benutzt die Pipeline als Erpressungsmittel - Wer zeigt seine Schattenseiten?
Bleiben noch die Menschenrechtsverletzungen. Da wärs schön, wenn die Franziska-von-Kempisse dieser Welt nicht immer an selektiver Wahrnehmung leiden würden oder zumindestens die Toten und Gefolterten und ihrer Rechte Beraubten zum Wohle des Westens gleich achten würden.
Das sich der Altkanzler überhaupt noch traut sich politisch zu äußern ist wohl ein weitere Hohepunkt seiner Arroganz. Natürlich will er ein super Verhältniss zwischen Deutsche und Russen. Schließlich verdient er ja nicht schlecht bei Gazprom. Redet von Demokratie usw. obwohl jeder weiß wie der Präsdident, vielmehr der im Hintergrund agierende Putin, mit seinen Kritikern umgeht. Absolut der Hammer. Das kann man nur mit dem naiven Deutschen Volk machen.
Paging