Mit einer emotionalen Rede hat sich der Kanzler vom SPD-Vorsitz verabschiedet. Die 500 Delegierten applaudierten im Stehen. Schröder betonte, der Reformkurs werde fortgesetzt. Seinen Nachfolger Franz Müntefering lobte Schröder mit den Worten: "Er ist der Beste, den wir für die Partei bekommen können."

In seiner für ihn ungewöhnlich emotionalen Rede sagte Gerhard Schröder, es sei eine große Ehre gewesen, in der Nachfolge von August Bebel und Willy Brandt die Partei zu führen. Der Abschied falle ihm nicht leicht.

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Sein Amt als Bundeskanzler fordere aber seine ganze Kraft. "Übrigens gestützt auf die, die ich liebe und die, die mich lieben", fügte Schröder mit fast tonloser Stimme und Tränen in den Augen hinzu.

Schröder bekam für seine Abschiedsrede minutenlangen Beifall auf dem Sonderparteitag in Berlin. Schröder stimmte die SPD auf die Fortsetzung des Reformkurses auch unter dem neuen Vorsitzenden Franz Müntefering ein. "Was beschlossen ist, wird nicht verändert." Er und Müntefering seien sich einig, dass die bisherige Politik richtig sei.

Neue Stärke durch Arbeitsteilung erhofft

Schröder betonte, die Reformen seien notwendig, denn nur Innovation sichere Gerechtigkeit. Das sei der Sinn der Agenda 2010. Gemeinsame Arbeit der mehr als 140 Jahre alte SPD müsse es sein, die Grundwerte Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit immer wieder mit Leben zu erfüllen.

Die Arbeitsteilung zwischen ihm und Müntefering werde "zu mehr Geschlossenheit und in der Folge zu neuer Stärke führen", sagte Schröder. Er sei Müntefering dankbar, dass dieser bereit sei, das Amt in einer schwierigen Phase zu übernehmen und zu kämpfen. Schröder dankte auch dem scheidenden SPD-Generalsekretär Olaf Scholz, der in einer schwierigen Zeit gekämpft habe. Zum neuen Generalsekretär soll der Berliner Bundestagsbgeordnete Klaus-Uwe Benneter gewählt werden.

"Ich war kein leichter Vorsitzender"

Es sei "wohl wahr, ich war für viele kein leichter Vorsitzender", sagte Schröder zum Schluss seiner 50-minütigen Rede. "Es sind aber auch verdammt schwierige Zeiten", fügte er hinzu.

Er verlangte die Solidarität der Gewerkschaften und eine "freundschaftliche Auseinandersetzung" um kritische Inhalte. Für den Umbau des Sozialstaats müsse der richtige Bauplan bekannt sein, betonte der Kanzler. Die Konservativen blockierten notwendige Reformen. Sie fordern Kopfprämien im Gesundheitswesen und die Steuererklärung auf dem Bierdeckel - "wohl eher eine  Schnapsidee".

Mit Blick auf die Auslandseinsätze der Bundeswehr sagte Schröder, unter seiner Regierung habe Deutschland die nach der Wiedervereinigung gewachsene internationale Verantwortung wahrgenommen. Der Kanzler forderte, bei der Europawahl müsse die SPD klar machen, dass sie die Partei der Zukunftskonzepte sei. Die Opposition sei rückwärts gewandt und wolle die Frage eines EU-Beitritts der Türkei populistisch ausschlachten.

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(sueddeutsche.deAFP/AP/dpa)