Rechthaber und Selbstüberschätzer: Die Datenbanken-Affäre in Rheinland-Pfalz verrät viel über das Gebaren von Provinz-Politikern.
Die rheinland-pfälzische CDU ist reich an Politikern, die sich ins eigene Knie schießen. Seit 18 Jahren versucht die Partei, in Mainz wieder an die Regierung zu kommen, aber noch nie hat sie das besonders professionell angestellt. Nun kam ihr gelegen, dass der SPD-Ministerpräsident Kurt Beck mit einem Erlebnispark am Nürburgring das Land in finanzielle Turbulenzen gestürzt hatte.
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Er steht im Zentrum der rheinland-pfälzischen Schnüffelaffäre: Michael Billen. (© Foto: ddp)
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Ein Untersuchungsausschuss lief nicht gut für die Regierung, zudem fiel der CDU die Staatssekretärin in Berlin, Julia Klöckner, als Spitzenkandidatin für die Wahl im übernächsten Frühjahr ein. Der 60-jährige Beck machte sich schon ernsthaft Sorgen wegen der 36-jährigen Herausfordererin. Und jetzt darf er einen alten Spruch abwandeln: Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt in Mainz die CDU daher.
Zwei CDU-Landtagsabgeordnete haben mutmaßlich Polizeibeamte dazu angestiftet, in der Datenbank illegal nach Material über Becks Geschäftspartner am Nürburgring zu suchen. Die Affäre erzählt zum einen, warum die CDU in Rheinland-Pfalz strukturell siegunfähig ist. Vier Jahrzehnte hat sie in der Heimat Helmut Kohls regiert und hält sich nach wie vor für die natürliche Regierungspartei. Die Illusion hat aber immer nur tiefer in die Opposition geführt - und zum Streit, wer daran die größte Schuld hat.
Rechthaber und Selbstüberschätzer
In einer solchen Partei, in einem solchen Milieu gedeihen Rechthaber und Selbstüberschätzer. Einer der beiden Abgeordneten, der Trierer CDU-Bezirkschef Michael Billen, ist die Verkörperung dieses Typs: Gestählt im partei-internen Kampf, sind ihm klandestine Methoden überaus vertraut. Hauptsache, ein Zweck wird erreicht. Wie verteidigte der Eifeler Billen einst seinen Altkanzler? "Kohl hat ein Prozent seines Lebens schwarz gemacht - wie alle in der Eifel und sonst auch überall."
Der Satz verrät nicht nur etwas über die CDU Rheinland-Pfalz, sondern auch viel über die Provinz und ihre kleinen Könige. Dort richten sich oft Menschen für Jahrzehnte als Landräte, Bürgermeister, Abgeordnete ein. Kontrolle durch Parteiführung oder Medien brauchen sie nicht zu fürchten. Medien gibt es dort kaum, die Parteiführung sind sie selber, das ist in der Eifel wenig anders als in Niederbayern. Wer zu 99 Prozent Gesetze befolgt, wird ja wohl zu einem Prozent eigene machen dürfen - "Mer kenne uns, mer helfe uns", "Mia san mia" und "Uns kann keiner".
Also drängt man seine Tochter, die Polizistin ist, in der Datenbank zu schnüffeln; so hat es Billen, in der Eifel ein König, mutmaßlich getan. Derlei mag lange funktionieren. Eines Tages aber führt es zur Katastrophe. Zu besichtigen sind dann Machtmenschen, deren bürgerliche Existenz bedroht ist. Einer wie Billen ist als Landes- und als Kommunalpolitiker erledigt. Ein Ex-Minister kann sich auf Ämter in der Heimat zurückziehen. Wohin aber zieht einer, der sich dort unmöglich gemacht hat? Hochmut kommt vor dem Fall, aber der ist in der Provinz besonders tief.
Erst im eiskalten Nordschweden endete die Flucht der Familie al-Labwani aus Syrien. Via Internet unterstützt sie von hier aus den Widerstand in der Heimat. Eine Abenteuergeschichte. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 2.12.2009/mati)
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Was erwarten sie eigendlich vom Heimatverein des Bimbeskanzler's ? Doch interresanter dürfte es sein ob und welche Konsquenzen es für die Polizisten hat, die widerrechtlich für die CDU, schnüffelten.
Doch ich bin mir sicher das es in irgend einem Schwarzen Bundesland, eine Verwendung für sie gibt, oder besser noch gleich zu den Schlapphüten nach Pullach, oder?
Das hat schon mehr als das sog. Geschmäckle. Aus der Ecke der rheinland-pfälzischen CDU stinkt es wieder einmal wie aus einer veritablen Jauchegrube; man kann sich nur vor Ekel abwenden ! Der Begriff Bananenrepublik wäre hier ein deplazierter Euphemismus, denn wir sind schon einige Schritte weiter.
um das von der Landesregierung geförderte "betriebsrätliche Schnell-Informationssystem" zu stoppen.
In diesem System werden unter anderem Auftragslage, Finanzierungsprobleme, Kurzarbeit und Qualifizierungsmaßnahmen für Mitarbeiter zusammengeführt und in anonymisierter Form an die Landesregierung weiter geleitet, um rechtzeitig Strategien zur Bekämpfung der Wirtschafts- und Finanzkrise zu entwickeln.
O-Ton Billen: "... diese Spionage muss gestoppt werden." ...
... der rechte Mann *) am falschen Ort - wie nicht selten bei der CDU.
.
*) gilt auch für "Frau".
Schon zu Zeiten von Kohl hat sich die rheinland-pfälzische CDU immer als alleinige Besitzerin des Staates aufgespielt. Nach derm Motto "Legal ist, was der CDU nützt", vergreifen sich die "christlichen" Provinzpolitiker im Mainzer Landtag immer wieder an den Spielregeln der politischen Auseinandersetzung.
Auch das selbstherrliche Auftreten des CDU-Chefs Baldauf, der sich an MP Beck immer wieder die Zähne ausbeißt, läßt leicht darauf schließen, dass auch er an dem Geheimnisverrat in Sachen Nürburgring die Finger drin haben könnte.
Die Datenschutzknacker der CDU, Billen und Dincher, sind m.E. nur die Oberfläche eines Systems, mit dem die CDU Rheinland-Pfalz mit Brachialgewalt Kurt Beck in die Wüste schicken möchte. Langsam sieht das auch die FDP ein, die sich bereits von der CDU in Rheinland-Pfalz distanziert.
Helmut Kohl hat in vielerlei Hinsicht nicht nur die CDU in Rheinland-Pfalz geprägt. Wenn man quer durch die Partei schaut, sei es nun in der Bundesregierung, sei es intern, sei es auf Landesebene, dann sieht man überall kleine und große Kohls. Zu erkennen sind sie an ihren "Herrsche und Teile"-Methoden, ihrer kreativen Auslegung von dem, was in der CDU sonst gerne mit "Recht und Ordnung" beschrieben wird und vor allem am krampfhaften Klammern an einmal errungener Macht.
Der Machterhalt ist wichtiger, als die Aufgaben und Verantwortungen, die mit dem jeweiligen Amt verbunden sind. Dafür lässt man schon mal ein paar Hypotheken auf die nächste Generation aufnehmen. Das hat Kohl vorgemacht, so wird es nachgemacht - und so hat auch Frau Merkel vor, sich zu halten.
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