Schlichtung zu Stuttgart 21 Nach zwei Stunden am toten Punkt

Am Tisch mit Heiner Geißler: Die Träger von Stuttgart 21 verweisen stets darauf, wie viele Zugeständnisse sie schon gemacht haben, die Gegner selbst sind gespalten - Geißlers Demokratie-Experiment wird viel Kraft kosten.

Von D. Deckstein und M. Drobinski

Es gibt Butterbrezen und Obst, Kaffee und Wasser; es gibt den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus, der zehn Minuten zu spät kommt, aber immerhin persönlich erscheint - es war auch spekuliert worden, ob er seine Umweltministerin Tanja Gönner alleine lassen würde. Mappus sagt optimistisch: "Alles an den Tisch, alles auf den Tisch, dann kriegen wir das auch hin." Und auf der anderen Seite, bei den Gegnern des Bahn-Projekts Stuttgart 21, erklärt Bündnissprecher Hannes Rockenbauch, er freue sich auf einen "öffentlichen Faktencheck ohne Tabus" und auf die Aussicht, "dass wir hier eine neue Phase der Kommunikation eröffnen."

Dann schließen sich die Türen der Sitzungsräume 402 bis 405. Was dahinter stattfindet, bleibt unklar. Eine Schlichtung vor der Schlichtung? Ein Auftaktgespräch? Nicht einmal die Begriffe sind klar. Dies sei keine Schlichtung, hat der CDU-Politiker Thomas Bopp gesagt, der die Region Stuttgart vertritt. Eine Schlichtung ende mit einem Kompromiss, und einen Kompromiss in der Mitte könne es hier nicht geben.

Was in Stuttgart unter der Leitung von Heiner Geißler stattfindet, dem 80-jährigen früheren CDU-Generalsekretär, ist ein Experiment. Ein Demokratie-Experiment, für Geißler ist es gar die Geburt eines neuen, dritten Wegs zwischen parlamentarischer Demokratie und Bürgerbeteiligung. Der Boden, auf dem die Teilnehmer des Experiments stehen, ist wacklig; fünf Stunden haben die Kontrahenten und der Vermittler bis zum Donnerstagabend gestritten, dann erst war der Weg frei für die "Fach- und Sachschlichtung", wie Geißler sagt. Die Argumente sollen im Mittelpunkt stehen, heißt das. Doch die Emotionen werden genauso eine Rolle spielen.

Es gilt, verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen, durch Offenheit. So ist die Forderung zu verstehen, die der Grünen-Landtagsabgeordnete Werner Wölfle am Freitagmorgen stellt: Der Austausch der Argumente soll live von allen interessierten Bürgern zu sehen sein. Geißler stimmt zu; von der kommenden Woche an kann man die Gespräche im Internet verfolgen. Beide Seiten sind also gezwungen, ihre Fachargumente stimmig vorzutragen. Aber braucht nicht auch jede Schlichtung Räume des Rückzugs, der Vertraulichkeit?

Je sieben Vertreter der Befürworter und der Gegner von Stuttgart 21 sitzen sich gegenüber. Mappus und Gönner haben unter anderem Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster und Bahnvorstand Volker Kefer an der Seite, außerdem Florian Bitzer von den Stuttgart-21-Befürwortern, die am Donnerstagabend 5000 Demonstranten versammelt haben. Auf der anderen Seite sitzen unter anderem die Grünen-Landtagspolitiker Winfried Kretschmann und Werner Wölfle, der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Peter Conradi und Fritz Mielert von den "Parkschützern".

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