Ein Kommentar von Stefan Kornelius

Wer von einer neutralen Friedenstruppe als Keil zwischen den Fronten fabuliert, der ist naiv.

Ein Krieg geht erst dann zu Ende, wenn eine Seite gesiegt hat und der Gegner seine Niederlage eingesteht. Ein Krieg geht außerdem dann zu Ende, wenn die Kriegsparteien ausgekämpft sind - ein wahrer Sieger muss nicht feststehen, aber der Krieg mündet in Erschöpfung.

Auf beiden Seiten leidet die Zivilbevölkerung unter dem Konflikt, hier in Haifa. (© Foto: dpa)

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Lediglich in diesen beiden Fällen kann eine dritte, schlichtende Partei gefahrlos und friedensstiftend wirken. Erst dann kann eine Friedenstruppe eingesetzt werden, um Abstand zwischen den Gegnern herzustellen.

Sie ist dabei auf den Konsens der Kriegsparteien angewiesen. Greift eine dritte Partei aber in einen heißen Krieg ein, dann ist sie selbst Teil des Konflikts und wird sich bald entscheiden müssen, auf welcher Seite sie kämpft.

Wer heute im Krieg zwischen Hisbollah und Israel von einer neutralen Eingreiftruppe fabuliert und sich eine Pufferarmee als Keil zwischen den Fronten wünscht, der ist naiv. Der Nahostkonflikt lehrt, dass es Neutralität auf Dauer nicht gibt.

Wer sich in die Auseinandersetzung begibt, der wird seine Unschuld schnell verlieren. Selbst die besten Absichten werden da wenig nützen: Wer Truppen als Schlichter an die libanesisch-israelische Grenze schickt, der wird instrumentalisiert, manipuliert und am Ende in den Krieg hineingezogen.

Denkbar ist natürlich, dass die UN eine robuste Kampftruppe mandatieren, die an der Front mit Gewalt für Abstand sorgt, die Israel am Beschuss hindert und die Hisbollah-Milizen entwaffnet.

Ein solches Mandat können militärisch nur die USA erfüllen, aber sie haben kein Interesse daran, genauso wenig wie andere potenzielle Konfliktschlichter ein Interesse an einer Verwicklung in den Nahostkrieg haben - jetzt nicht, denn die Zeit ist noch nicht reif für diese Vorstellung.

Den USA wird gerne vorgeworfen, dass sie passiv der Eskalation zuschauten und alle diplomatischen Möglichkeiten ignorierten. Der Vorwurf ist nicht ganz unberechtigt.

Denn so wie Israels Reaktion auf den Angriff der Hisbollah unproportional ist, so ist Washingtons Passivität auf ihre Weise unproportional.

Die US-Regierung signalisiert ihre volle Unterstützung für Israel und willigt damit in den von Iran angefeuerten Stellvertreterkrieg ein.

Einerseits.

Andererseits darf man sich über den amerikanischen Handlungsspielraum in Nahost keine Illusionen machen.

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