Machtkampf in Schleswig-Holsteins SPD: Parteichef Stegner tritt gegen den Kieler Oberbürgermeister Albig um die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl an. Die Partei ist gespalten.
Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner steht in dem Ruf, dass er sich hervorragend auf Inszenierungen versteht - und dabei dennoch nicht gut ankommt. An diesem Samstagvormittag beschert er seinem Parteitag in Kiel einen Auftritt wie aus einem Lehrbuch.
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Da kämpften sie noch Seit' an Seit': Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner und Torsten Albig im Februar beim Wahlkampfauftakt zur Oberbürgermeisterwahl in Kiel. Im Kampf um die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl werden sie Rivalen sein. (© dpa)
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Pointiert attackiert er die schwarz-gelbe Landesregierung von Peter Harry Carstensen. Wie ein Vorsitzender, der seiner Partei die Linie vorgeben muss, wird er grundsätzlich. "Was ist die gute Politik?", fragt Stegner. Er spricht von regionalen Sorgen, etwa in Lübeck, und skizziert die großen Ziele, in der Atompolitik oder zum Sozialstaat. Mit jedem Satz bereitet er die Aussage vor, auf die alle warten. Hoffend manche, andere voller Beklemmung.
Schließlich spricht er über sich, und es wird still im Saal. Er habe in den vergangenen Monaten manch hartes Urteil über sich gehört, sagt er. "Mit dem Stegner gewinnen wir keine Wahl." Solche Sätze. Die ungerecht gewesen seien, verletzend. "Das alles lässt mich nicht kalt", sagt er und räumt zugleich Fehler ein.
Dann kündigt er, in die Stille hinein, an, dass er sich um die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl bewirbt, die nach dem Urteil des Landesverfassungsgerichts spätestens 2012 stattfinden muss. Damit werden Stegner und der Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig nun in 15 Regionalkonferenzen um die Unterstützung der Basis werben.
Nun applaudieren einige Genossen heftig, ein paar Jusos springen auf. Aber ganze Bankreihen verharren reglos, gucken starr nach vorn. Günter Neugebauer, er war Jahrzehnte Abgeordneter, ist einer von ihnen. "Stegner hat die Chance verpasst, Größe zu zeigen", sagt er hinterher. Der Parteichef hätte, so Neugebauer, sich und der SPD mit einem Verzicht einen Gefallen getan. "Er schätzt die Stimmung falsch ein." An der Basis werde Stegner durchfallen, das glaubt nicht nur der alte Sozialdemokrat. Stegner habe zwar viele treu ergebene Funktionäre an sich gebunden. Doch in den Ortsvereinen hätten viele schon bei der Wahl vor einem Jahr nicht mehr für ihn werben wollen. Stegner sei in der vergangenen Woche auch von Freunden geraten worden, jetzt zu verzichten, das berichtet nicht nur Neugebauer.
Der Parteichef polarisiert. Es gibt Bewunderer, erbitterte Gegner, und manche, die dem schneidigen Redner bei allem Respekt für seinen Scharfsinn einfach nicht zutrauen, die Bürger zu erreichen. In der Partei fürchten manche eine Schlammschlacht. Um so inbrünstiger geloben die Kontrahenten Fairness. Dreimal wendet Stegner sich vom Podium dem Konkurrenten Albig mit der Anrede "Lieber Torsten" zu. Und der tut nach Stegners Auftritt ergriffen, spricht von einer "großen sozialdemokratischen Rede, auf die wir stolz sein können", von einem "wundervollen, großen Parteitag".
Wenig später, als Albig im Foyer steht, kommt eine junge Genossin auf ihn zu. Sie warnt eindringlich, dass er sich wappnen müsse. Stegner werde seine Truppen schicken. Albig dürfe nicht naiv sein. Albig hört schweigend zu. "Und, lies: Die Kunst des Krieges", fordert sie ihn im Weggehen auf. Der Oberbürgermeister grinst und antwortet: "Hab' ich."
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(SZ vom 13.09.2010/jab)
Protest gegen dritte Startbahn
seltsame SZ-Terminologie.... aber vielleicht halt typisch...
die Wahl zu verlieren: wenn wieder einen Spitzenkandidat aufstellt, der letztes Mal von gerade mal 500.000 der rund 3 Mio Menschen im Land gewählt wurde.
Die Leute (außerhalb der Partei) begreifen ihn als polarisierenden Hetzer, nicht jedoch als potientiellen "Landesvater".
"Käpt'n Iglo" hat's doch vorgemacht.
Vielleicht sollte Herr Stegner mal das Gehrin einschalten und begreifen, dass die SPD nicht die allein Genossen, sondern die Menschen im Land - und dort vor allem die Wechselwähler - erreichen muss.
So ungern, wie ich es sage: aber das Land braucht dringend eine andere Regierung jenseits von Schwarz-Gelb. Herr Stegner, versauen Sie es bitte nicht wieder.