Stegner, Carstensen und offene Feindseligkeiten: Das politische Klima in Schleswig-Holstein ist seit langem vergiftet - daran tragen beide Volksparteien die Schuld.
Es ist ein schlichtes Grab auf dem Alten Friedhof von Mölln, in dem Uwe Barschel liegt. Noch immer fragen fremde Menschen ab und zu den Verwalter nach dem Weg zur Ruhestätte des ehemaligen Ministerpräsidenten, dessen Tod bis heute die Gemüter bewegt.
Schwieriges Verhältnis: Stegner (li.) und Carstensen (© Foto: ddp)
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Demnächst wird wieder ein Buch vorgestellt, es heißt "Barschel - die Akte", was sich liest wie ein Titel von Grisham. 22 Jahre liegt die Affäre zurück, eine lange Zeit, die aber doch nicht ausgereicht hat, um die Wunde im politischen Alltag von Schleswig-Holstein heilen zu lassen. Der Name Barschel fällt jetzt wieder häufiger in diesen letzten Tagen vor der Landtagswahl.
Werben für Jamaika
Die politische Landschaft hoch oben im Norden hat sich verändert seit jener Zeit, in der die CDU mit Ministerpräsident Barschel allein regierte, danach die SPD mit Engholm oder Simonis und überhaupt alles einfacher war. Heute sind die vier Parteien neben den großen zwei - FDP, Grüne, Südschleswigscher Wählerverband (SSW) und Linke - zusammen stärker als jede der großen Parteien.
Da träumen die Grünen schon davon, gemeinsam mit der dänischen Minderheit vom Südschleswigschen Wählerverband sogar so gut dazustehen, dass sie sich den Bündnispartner aussuchen können. Da wirbt die FDP unverhohlen für einen Dreierpakt in den Farben Jamaikas. Da stimmt, an den letzten beiden Sitzungstagen des Parlaments vergangene Woche schön zu beobachten, jeder mit jedem gegen einen der anderen.
Das bunte Durcheinander an der Förde hat sich die gescheiterte große Koalition selbst zuzuschreiben. Ihr Streit, den sie ungebremst aus der Regierungszeit in den Wahlkampf mitgenommen haben, verschreckt die Wähler. Jede Gemeinsamkeit ist offener Feindseligkeit gewichen. So unversöhnlich stehen sich CDU und SPD gegenüber, dass die Chefs der kleinen Parteien das politische Klima nur mit der Endphase Barschel vergleichen können.
Scharfe Attacken
Der CDU-Vorsitzende und Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und sein Herausforderer, SPD-Fraktions- und Parteichef Ralf Stegner, streiten über einen tiefen, mit Krokodilen und giftigen Schlangen bevölkerten Wassergraben hinweg um die Macht.
Sie diffamieren sich gegenseitig als notorischen Querulanten und zügellosen Stänkerer (Stegner) oder als täppischen Dorfbürgermeister und amtsmüden Landes-Opa (Carstensen). Genau deshalb, weil politische Gegnerschaft zu persönlicher Feindschaft geworden ist, fühlen sich manche vom Geist der Barschel-Zeit angeweht.
Die große Koalition in Schleswig-Holstein ist damit nicht nur politisch gescheitert, als sie ein Jahr früher als geplant mit einem krampfhaft herbeigeführten Bruch zu Ende ging.
Sie hat gleichzeitig die große Chance verpasst, das seit Barschels Zeiten zerrüttete Verhältnis zwischen CDU und SPD zu entspannen und damit die politische Kultur im Land zu heilen.
Die große Koalition hat stattdessen den Kompromiss - der ein gutes Instrument ist in der Politik, wenn die Aufgaben schwer und die Ziele hoch sind - unmöglich gemacht. An den Bürgern liegt es nun, sich eine Regierung zu wählen, die auf keinen Fall noch einmal aus SPD und CDU bestehen darf.
Bekannte Feindbilder
Es ist ein Lagerwahlkampf alter Schule im Land der Horizonte. Die SPD tritt an, eine Koalition aus CDU und Liberalen zu verhindern, um jeden Preis. Die Union bekommt die uralte Platte vom Rote-Socken-Bündnis nicht mehr vom Teller.
Während CDU und SPD in ihren Feindbildern verharren, dreht sich die Welt um sie munter weiter. Die CDU spürt das in Nordfriesland, ihrem Stammland. Dort hat die Windkraft aus Bauern Millionäre in Gummistiefeln gemacht. Diese neuen Windbauern, Herzblut-Konservative bisher, wünschen sich nichts lieber als Schwarz-Grün: Die CDU für den Wirtschaftsaufschwung und die Grünen, um sich die Atomlobby vom Hals zu schaffen, die das Netz für den Oköstrom blockiert. Sie sind sogar bereit, dafür grün zu wählen und nicht mehr schwarz.
Die Grünen freuen sich über die neue Kundschaft. CDU und SPD wirken dagegen genervt von sich selbst, bisweilen wie aus der Zeit gefallen. Dass eine Twitter-Meldung des Kandidaten Stegner, in der er Carstensen indirekt mit Barschel verglich, den Ausschlag zum Koalitionsbruch gegeben hat, zeigt, wie tief das Trauma in der Union wurzelt. 22 Jahre!
Gleichermaßen haben die Sozialdemokraten nicht überwunden, warum sie vor vier Jahren überhaupt eine Koalition mit der CDU eingehen mussten: Weil eine einzelne Person eine bereits beschlossene Minderheitsregierung von SPD und Grünen unter Tolerierung des SSW am Tag der Wahl der Ministerpräsidentin verhindert hat.
Obwohl unbewiesen, misstraute sich die SPD selbst so sehr, dass sie nie bezweifelte, einer der Ihren habe vier Mal gegen Heide Simonis gestimmt. Aufgearbeitet hat die SPD diese politische Tragödie nie, so wie das Land diesen einmaligen Niedergang politischer Kultur nicht bewältigt hat. Wie auch, wenn die CDU nur froh war, dass nun auch die anderen ihre ewige Affäre hatten.
Neue Ideen für Schleswig-Holstein konnten so nicht entstehen. Doch die Umfragen deuten an, dass die Wähler keine Lust mehr haben auf ein politisches Leben in Barschels langem Schatten. Sie wollen Farbe. Sie wählen bunt.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(SZ vom 22.9.2009/plin)
Obama zeichnet Bob Dylan aus
Die gewohnten politischen Werbestrategien haben nicht mehr den durchschlagenden Erfolg, weil es vielen Bürgern mehr und mehr klar wird, dass wir jetzt sinnvolle, überlegte und große Anstrengungen brauchen. Ob sich zwei von denen, die lieber sich selbst vertreten statt ihre Aufgaben, vertragen, ist nun wirklich nicht so interessant, dass eine seriöse Zeitung wie die SZ ihre Spalten derart ausgiebig damit füllen muss.
In den ersten 18 Zeilen liegt die Kernbotschaft, doch wer durfte jemals in der Lage sein, eine umfassende Sachanalyse zu veröffentlichen? Jeder schützt was ihm nützt, diese Formel gilt auch hier noch immer.
Nur fragt niemand nach dem Nutzen für die Gesellschaft. Hier geht es um Grabenkämpfe der Gesamttäterschaft, da eine Tat nicht mit dieser Tat eine Sache für sich sein kann. Strategische Tatmuster entfalten sich, jeder verdächtigt jeden, muss aber die eigenen Fronten und Kämpfer schützen. Staatsanwälte und Kripo hängen an genau diesen Abhängigkeitsfäden zwischen Politik, Gesellschaft und Privatinteressen. Journalisten sind auftragsgebunden und zielgerichtet blind, soweit es die Vernetzung von der Tat in die Medienfarbe geht.
Wer dich diesen Mustern widersetzt wird diffamiert, als Spinner oder am beliebtesten als Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt letztendlich unter der Legende von Staatsraison geächtet, oder rein rechtstaatlich für "vogelfrei" gehandelt.
In diesem Gittergewölbe ist Politik unmöglich. Der Fall Barschel ist durchaus auch mit dem Vietnam-Phänomen zu vergleichen, also ebenfalls mit Afghanistan und der westlichen Politik.
Ein neues Buch kommt also einmal wieder raus, und wer denkt da nicht an LOStA Wille und General Rex? Jüngste Aufmerksamkeit erregt übrigens das Buch von Jens Uwe Böttcher "...die doch so sicher leben...". Es geht um einen Parallelfall zum Fall Barschel, mit Barschel als roten Faden ins Geschehen. Eine anfangs etwas zähe Story wird jedoch nach nur wenigen Seiten wirklich spannend und gewährt einen tiefen Blick in die Funktionsmechanismen unserer Führungseliten.
Stegners Problem ist die eigene Rolle unter Günter Jansen im Rahmen der Schubladen-Affäre, die letztendlich nichts weiter als den Mord an Barschel zu vernebeln hatte.
Carstensens Problem ist seine Passivität in der Aufklärung dieser Affäre, durch die er glaubte, die SPD und besonders Stegner fest in der Hand zu haben obwohl ihm die Hintergründe voll bekannt sind.
Einige Medien reflektieren den TATORT vom letzten Sonntag Borowski und die Sterne auf die Wahl und aufs Landeshaus, in dem die aus dem Fenster gestürzte Frau durchaus auf den Sturz von Heide Simonis gemünzt sein darf.
Wer dann die Anderen sind, lässt sich leicht hochrechnen.
Barschel geistert wieder und der aktuelle Titel des neuen Barschel Buches ist identisch mit Bild und Titel eines damals veröffentlichten Storyboards von 2005 zum Thema B.
den "Kindergarten" aufheben - was sollte man von Politikern dieser Art noch erwarten - Selbsterhaltungstrip pur.
Ein Nordstaat, das wär`s. Aber dann fehlen den politischen Nochgroßparteien am Ende zwei Regierende Bürgermeister, zwei Ministerpräsidenten, die ganzen dazu gehörigen Senatoren, Minister und Staatssekretäre. Um die Situation der dann Überflüsseigen mit Heide Simonis Worten zu sagen: Was wird dann aus uns? Das Volk hat uns doch schön ernährt und gut bei Laune gehalten.
Aber, aber, dieses Klientel muss weiterhin keine Angst haben. Die Nochgroßparteien sorgen dafür, dass alles so bleibt und dass die Pfründe der Vasallen gesichert bleiben.
Um dann noch ein Wort zum Artikel zu verlieren:
Dem HPC, seines Zeichens schleswiogholsteinischer Volkfestministerpräsident, gönne ich, dass sein Versagen und seine Verantwortung in der HSH-Nordbank-Pleite noch etwas genauer ans Tageslicht befördert wird. Immerhin hat er ja wohl zugegeben, dass er in der HSH-Affäre die Unwahrheit sagte. Wissentlich gelogen, wie damals Barschel auch! Und nachdem, was damals abgelaufen ist, muss sich niemand wundern, dass die SPD mit grßer Freude in eine Koalition mit der CDU gehen möchte.
wir muessen koalitionen als anachronismus ansehen...sie sind die basis fuer zunehmende koruption in deutschland ...wir waehlen parlamente ....das macht gesetze in vollem umfang seines seins ...es geht nicht weiter an das in partei hinterzimmern leute ausgekungelt werden die dann in koalitionen festgezurrte gesetze durchwinken...
das ganze parlament ist immer zu beteiligen ...wir haben minister und einen mp aber das parlament ist nicht nur staffage .. und koalitionen bestimmen was gemacht wird ...und das volk spielt dabei nur noch die rolle des 4 jaehrigen stimmviehs ...das geht so nicht weiter ,weder im bund noch im land...das es hier jetzt so ist wie es ist ist der absolute unbestreitbare beweis...dafuer wie es nicht weiter geht...
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