Schlechte Verteilung Flüchtlingskinder ungenügend unterstützt

Die etwa 130 000 Kinder, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, gehen besonders in Großstädten überwiegend auf Brennpunkt-Schulen. Dies führt zu schlechteren Bildungschancen, so eine neue Studie.

Von Susanne Klein

In multikulturell geprägten Schulen können viele Flüchtlingskinder nicht ausreichend unterstützt werden, weil die Lehrkräfte dort ohnedies schon stark belastet sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). Er hat die Situation junger Flüchtlinge an 56 weiterführenden Schulen untersuchen lassen, in Baden-Württemberg und Berlin, in Hamburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Etwa 130 000 Kinder und Jugendliche, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, sind insgesamt seit 2015 in deutschen Schulen aufgenommen worden. Zwar machen sie nur etwas mehr als ein Hundertstel der bundesweiten Schülerschaft aus, trotzdem löst ihre Anwesenheit Diskussionen aus. Denn die Neuankömmlinge verteilen sich nicht etwa gleichmäßig auf Schulen und Standorte, sondern landen - besonders in Großstädten - überwiegend an Schulen, wo ohnehin schon sehr viele Kinder aus Migrantenfamilien oder sozial benachteiligten Elternhäusern in den Klassenzimmern sitzen.

Die Studienautoren fordern mehr Personal für die betroffenen Schulen. Auch die Lehrerausbildung müsse sich besser auf Kinder mit unterschiedlichen kulturellen, sprachlichen und sozialen Hintergründen einstellen. Lehrkräfte, die darauf systematisch vorbereitet worden sind, seien "häufig viel ausschlaggebender für den Bildungserfolg als der Migrationshintergrund", sagt Cornelia Schu, Direktorin des SVR-Forschungsbereichs.

Den zuständigen Behörden raten die Autoren, jugendliche Flüchtlinge ausgewogener als bisher in den Schulen vor Ort zu verteilen. Vielerorts lägen genug Daten über die soziale Zusammensetzung der Schülerschaften vor, um Ausgrenzungstendenzen gezielt entgegenzuwirken. Die Forscher lobten Integrationsmaßnahmen in Hamburg. Dort dürften im Regelunterricht maximal vier geflüchtete oder auf andere Weise neu zugewanderte Schüler gemeinsam in einer Klasse lernen.