Ein Kommentar von Michael Frank

Die islam-feindliche Wahlkampagne hat der FPÖ in Graz nicht den erhofften Erfolg beschert.

Selten war eine ganze Nation über das Ergebnis einer Kommunalwahl derart erleichtert. Die rechtsradikalen Freiheitlichen (FPÖ) haben in Österreichs zweitgrößter Stadt Graz nur wenig gewonnen, nachdem ihre Spitzenkandidatin sich zuvor auf widerwärtige Weise ins Gerede gebracht hatte: mit Hasstiraden auf den Islam und den Propheten Mohammed, den sie einen "Kinderschänder" nach heutigen Maßstäben nannte. Die FPÖ versprach sich davon offenbar den ganz großen Schub in einer Stadt mit traditionell starkem chauvinistischen Bodensatz.

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Enttäuschung nach der Kommunalwahl in Graz: Die umstrittene FPÖ-Politikerin Susanne Winter schnitt schlechter ab, als erwartet. (© Foto: Reuters)

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Auch ohne die hetzerischen Äußerungen hatte man der FPÖ einen klaren Gewinn zugetraut, angesichts eines tiefen Unwohlseins über Österreichs Große Koalition in Wien. Aber die FPÖ ist sogar hinter solchen Erwartungen zurückgeblieben. In ihrem Windschatten erreichte die ebenso rechtsradikale Abspaltung BZÖ immerhin vier Prozent. Zusammen sind also mehr als 15 Prozent der Grazer im chauvinistisch-autoritären Lager anzusiedeln. Wenig ist das nicht, aber viel weniger als befürchtet.

Die sieben Jahre der abgewählten rechtsnationalen ÖVP/FPÖ-Regierung unter Kanzler Wolfgang Schüssel haben offenbar kathartische Wirkung in Österreich gezeitigt. Damals mochten die FPÖ und ihre Führer jeden in der Welt und selbst die eigene Verfassung verhöhnen, ohne dass der Kanzler oder dessen Partei sich geäußert, geschweige denn den wildgewordenen Koalitionspartner zurechtgewiesen hätte.

Jetzt aber haben fast alle nennenswerten Parteien und Gruppen - auch die ÖVP -der FPÖ Paroli geboten. In Graz hat das stellvertretend für das ganze Land Wirkung gezeigt. So gesehen ist das Ergebnis ein kleines Stück Vergangenheitsbewältigung.

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(SZ vom 22.01.2008/maru)