Schlaganfall von Matthias Platzeck Immer in der Pflicht

Bilder erzählen davon, dass ein Politiker an Grenzen stößt: Matthias Platzeck auf einem Archivbild vom Sonderausschuss zum neuen Hauptstadtflughafen im März dieses Jahres.

(Foto: dpa)

Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck nimmt zehn Tage nach seinem Schlaganfall wieder die Regierungsgeschäfte auf. Weniger Arbeit? Steht nicht zur Debatte. Unvertretbares Risiko? Ach wo.

Von Constanze von Bullion

Wo sollte das Pflichtbewusstsein eines Spitzenpolitikers enden und wo beginnt die Selbstzerstörung? Das dürfte sich in diesen Tagen Matthias Platzeck fragen, und das nicht zum ersten Mal.

Platzeck, der im Dezember 60 Jahre alt wird, seit elf Jahren Ministerpräsident von Brandenburg ist, immer sichtbar Mensch gelieben ist im Amt und beliebt, hat einen Schlaganfall erlitten. "Er hatte Glück im Unglück", sagte Brandenburgs SPD-Generalsekretär Klaus Ness am Dienstag. Es handle sich um einen leichten Schlaganfall, schon am Donnerstag wolle Platzeck wieder Termine wahrnehmen und sich auch zu seiner Gesundheit äußern, bevor er sich in den Urlaub verabschiede, sagte eine Regierungssprecherin.

Muss das eigentlich sein? Muss ein Mann, der vor einer Woche wegen Kreislaufschwäche ins Krankenhaus kam, wie es zunächst hieß, dann von seinem Schlaganfall erfuhr, zehn Tage später wieder Leistungsfähigkeit demonstrieren? Erinnerungen werden da wach an den CSU-Politiker Horst Seehofer, der 2002 eine Grippe verschleppte und eine lebensbedrohliche Herzmuskelentzündung bekam. Oder an Gregor Gysi, der drei Herzinfarkte und eine gefährliche Hirnoperation überstand, bevor er zurückeilte auf die Bühne.

Politiker sind unersetzlich und immer in der Pflicht, heißt die Botschaft fürs Volk. Die Wahrheit dahinter ist oft weniger glänzend. Politiker können wie Heroinsüchtige sein, brauchen das Amt wie der Junkie seinen Stoff, befürchten ohne öffentlichen Zuspruch den politischen Tod und riskieren deshalb bisweilen ihr Leben.