Der frühere Bundesinnenminister hat im Fall des langjährigen Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz "die politische Verantwortung" übernommen. Und das obwohl er selbst angeblich nie etwas mit dem Fall zu tun hatte.

Schily sagte am Donnerstag vor dem BND-Untersuchungsausschuss des Bundestags, selbstverständlich trage er diese Verantwortung für alle Handlungen und Unterlassungen des Ministeriums in seiner Amtszeit.

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Es bestehe auch kein Zweifel, dass das Innenministerium - und nicht das Kanzleramt oder das Außenministerium - die "Kernverantwortung für die Bewertung von Sicherheitsgefahren" habe. "Das nehme ich auf meine Kappe", sagte der 74-Jährige, der 2005 aus der Regierung ausschied.

Der ehemalige Guantanamo-Häftling Kurnaz sei gewiss nicht harmlos gewesen, auch wenn ihm strafrechtliches Verhalten nicht habe nachgewiesen werden können.

Er finde es absurd, auf der einen Seite den Bremer Türken zu verharmlosen und gleichzeitig den Sicherheitsbehörden zu misstrauen, erklärte Schily. "Es ist beschämend, die erfolgreiche Terrorbekämpfung in Misskredit zu bringen."

Seiner Ansicht nach habe die Abwehr terroristischer Gefahren im Fall Kurnaz nie im Widerspruch zu den humanitären und rechtsstaatlichen Grundsätzen gestanden. Es habe nie den Anlass gegeben, den Beurteilungen der Sicherheitsbehörden, nach denen Kurnaz ein Gefährder sei, anzuzweifeln. Schily betonte, er selbst sei nie unmittelbar mit dem Fall Kurnaz beschäftigt gewesen.

Mit Schilys Aussage wird Druck von seinem SPD-Parteifreund, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, genommen. Steinmeier war bis 1998 Kanzleramtschef.

Schily entlastete auch die anderen Organe der früheren rot-grünen-Bundesregierung. Alle anderen Ressorts hätten sich bei der Beurteilung der Gefährlichkeit des aus Bremen stammenden Türken auf die Analyse seines Ministeriums und der ihm unterstellten Behörden verlassen müssen, sagte Schily.

Schily verwehrt sich gegen Kritik an "hoch erfolgreicher" Terrorabwehr

Schily erklärte, er habe seinerzeit wohl mündlich von seinem Staatssekretär Claus Henning Schapper von dem Fall erfahren. "Mit dem Fall Murat Kurnaz war ich nach meiner Erinnerung zu keinem Zeitpunkt unmittelbar befasst." An den Präsidentenrunden im Kanzleramt habe er "nur ausnahmsweise in dringenden Fällen teilgenommen".

Ein Angebot der US-Regierung zur Freilassung des Guantanamo-Häftlings sei ihm nicht bekannt geworden. Es sei "beschämend", wenn im Nachhinein versucht werde, die "hoch erfolgreiche" Terrorabwehr der damaligen Bundesregierung in Misskredit zu bringen, sagte der SPD-Politiker.

Nach Schily soll am Nachmittag der ehemalige Kanzleramtschef und heutige Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gehört werden. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, ob die rot-grüne Bundesregierung seinerzeit genug tat, um die Freilassung von Kurnaz zu erreichen, oder ob sie für dessen über vier Jahre währende Haft im Gefangenenlager Guantanamo mitverantwortlich war.

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(dpa/AP/AFP)