Schäubles Hitlervergleich Weniger meinen, klüger reden

Bundesfinanzminister: Schäuble, der Senior, hätte seine Worte besser wägen müssen.

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Wolfgang Schäuble hat Putins Verhalten mit dem von Hitler verglichen. Das ist politisch ärgerlich. Der Senior hätte wissen müssen, welch drastische Assoziationen er weckt.

Ein Kommentar von Stefan Braun

Sudetenland? Wolfgang Schäuble hat gesagt, dass ihn das Verhalten von Wladimir Putin in der Ukraine-Krise an Adolf Hitlers Verhalten im Sudetenland erinnere. Damit war gemeint, dass Putin wie einst Hitler mit einer Gefahr für eigene Landsleute argumentiere, um seine brutalen Machtansprüche und - siehe Krim - auch eine Annexion zu begründen. Das ist in der Sache nicht komplett falsch. Und doch ist es politisch ärgerlich. Schäuble, der Senior, hätte seine Worte besser wägen müssen.

Ginge es nur um einen Vergleich von Mechanismen, könnte man über Schäubles Analyse diskutieren. Es ist ja richtig, dass beide nach einer nationalistischen Begründung gesucht haben, um Macht und Einfluss auszudehnen. Aber wer die Namen Putin und Hitler im gleichen Atemzug nennt, muss wissen, was er damit auslöst.

Jeder weiß, was alle auf dieser Welt mit Hitler verbinden: ein furchtbares, völkermordendes Schreckensregime mit Millionen Toten. Welches Signal geht also davon aus, wenn man an Hitler erinnert? Das Gefühl, dass man ihn sofort stoppen muss, und zwar mit allen Mitteln.

Dabei schwingt mit, dass Diplomatie für die Katz sein könnte. Es schwingt mit, dass Putin mehr und immer mehr will. Es schwingt mit, dass sein Durst und seine Grausamkeiten nur noch mit Waffen gebremst werden könnten. Wenn Schäuble das denkt, soll er es sagen. Wenn er es nicht denkt, soll er klüger reden.