Auf scharfe Kritik ist der angebliche Vorschlag des Innenministers gestoßen, Fingerabdrücke von Ausländern zu speichern. Doch auch Schäuble dementiert den Spiegel-Bericht.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will angeblich die Fingerabdrücke aller Ausländer in Deutschland erfassen und speichern, die nicht aus der EU oder der Schweiz kommen. Wie der Spiegel berichtet, sollen im Ausländerzentralregister (AZR) auch jene Menschen erfasst werden, die seit Jahren hier leben; das beträfe auch die 1,7 Millionen Türken in Deutschland. Derzeit werde ein entsprechender Gesetzentwurf Schäubles zwischen den Ministerien abgestimmt.

Innenminister Schäuble

Schäuble dementiert: Es sei "überhaupt nicht" daran gedacht, neue Fingerabdrücke zu erheben. (© Foto: dpa)

Anzeige

Scharfe Kritik an den angeblichen Plänen kam von der Linksfraktion. "Damit werden alle Nicht-EU-Bürger unter Generalverdacht gestellt und wie potentielle Terroristen oder Verbrecher behandelt", sagte Petra Pau, Innenexpertin der Linken. Dem Spiegel zufolge droht auch von den Kabinettskollegen Schäubles und von der SPD Widerstand.

Schäuble dementierte den Bericht. Er erklärte der Süddeutschen Zeitung, es sei "überhaupt nicht" daran gedacht, neue Fingerabdrücke zu erheben. Er sollten nur die Fingerabdrücke von Ausländern, die es schon gibt, zentral erfasst und verwaltet werden. Dies solle auch mit den Fingerabdrücken der Asylbewerber geschehen, die nach den geltenden Vorschriften schon erhoben werden.

Derzeit ist es so, dass jeder seine Fingerabdrücke hinterlegen muss, der ein Visum für Deutschland in einer Botschaft beantragt. Anlass für dieses Gesetz war die Visa-Affäre. Eine Ministeriumssprecherin sagte zu den Plänen, die Bundesregierung bemühe sich seit längerem, dem Missbrauch von Visa und der Nutzung falscher Identitäten für kriminelle Zwecke zu begegnen. Hierzu gehöre das Visa-Informationssystem auf EU-Ebene sowie der Vorschlag der Kommission, biometriegestützte Aufenthaltstitel für alle Drittstaatsangehörigen vorzusehen. Ein abgestimmter Gesetzentwurf zur Änderung des Gesetzes über das Ausländerzentralregister liege aber noch nicht vor.

Der Bundesrat hatte am Freitag ein Gesetz gebilligt, wonach vom 1. November an in neuen Reisepässen auch zwei Fingerabdrücke elektronisch gespeichert werden. Die Union war zuvor mit ihrem Vorstoß gescheitert, die Fingerabdrücke nicht nur auf dem Dokument, sondern auch bei den Passbehörden zu speichern. Als weltweit erste Staaten tauschen Deutschland und Österreich zudem seit Juni elektronisch Fingerabdruck-Daten aus. Die Polizeien beider Länder können wechselseitig auf die Datenbanken des Nachbarlandes zugreifen.

Leser empfehlen 

(SZ vom 11. Juni 2007)