Die schärferen Sanktionen gegen Iran kommen zur rechten Zeit - aber sie werden Teheran wohl nicht bremsen.
Iran hat sich die neuen Sanktionen der Weltgemeinschaft redlich verdient. Zwar werden die Straf- und Ordnungshiebe Teherans Weg zur Bombe vermutlich nur wenig beeinträchtigen. Iran ist fest entschlossen und wird sich kaum mehr aufhalten lassen. Aber der Sicherheitsrat hat eine politische Botschaft ausgesandt, die vor allem in der Region aufmerksam gehört wird, denn nichts fürchten die arabischen Nationen mehr als einen nuklear aufgerüsteten Iran.
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Im Ringen um Irans Bombe geht es zunächst vor allem um politische Dominanz. Setzt Iran sich durch, wird der Westen eine bittere Niederlage eingestehen müssen. Die ordnende Kraft Amerikas wird im Nahen Osten ohnehin längst in Frage gestellt und mit dem Abzug aus dem Irak weiter schwinden.
Eine iranische Bombe wird einen Rüstungswettlauf auslösen, der einen instabilen Nahen Osten in gar nicht ferner Zukunft der Gefahr eines zufälligen Nuklearkrieges ausliefert. Auch gibt die Bombe all jenen Auftrieb, die den schiitischen Fanatismus in möglichst viele Winkel der Region tragen wollen. Schon signalisiert das eine oder andere Golf-Emirat Demut gegenüber Teheran, schon zeigen die libanesische Hisbollah und die sie steuernden Kräfte in Syrien ihr neues Selbstbewusstsein. Syriens Herrscher Baschar Hafis al-Assad lässt sich derzeit lieber mit dem Iraner Mahmud Ahmadinedschad fotografieren als mit einem US-Botschafter. Die Europäer, auch Deutschland, tun gerne so, als ginge sie dieses geopolitische Spiel wenig an. Es gibt aber zwei gewichtige Gründe, warum gerade Deutschland sich mehr einmischen müsste: die Türkei und Israel.
Die Türkei hat im Sicherheitsrat gegen die Sanktionen gestimmt. Nur Brasilien war an Ankaras Seite. Selbst der Libanon mit der Hisbollah in der Regierung brachte die Kraft auf, sich bei der Abstimmung zu enthalten. Die Türkei jedoch wählte den Weg der Isolation, die Regierung von Tayyip Erdogan entschied sich nicht für ihre Partner in Nato und EU, sie steht weitgehend allein in der Weltgemeinschaft.
Dies ist besorgniserregend, selbst wenn dieses Votum mit neo-osmanischen Gelüsten, innenpolitischem Kalkül oder Ego-Problemen erklärt werden kann. So wie Erdogan die sogenannte Friedensflotte für Gaza gewähren ließ und auf Kosten der unklug agierenden israelischen Regierung einen Triumph feierte, so stellt er sich nun gegen die Allianzen im Westen und lässt Zweifel an der Orientierung seines Landes zu.
Israel, an dem Iran und nun auch eben die Türkei ihre Stärke ausprobieren, findet sich plötzlich in einer neuen, existentiellen Krise. Das Votum im Sicherheitsrat kam also zur richtigen Zeit. Es mag den nuklearen Traum Teherans nicht beenden, aber es hat Iran, der Türkei und all den erschreckten Nachbarn eine klare Botschaft hinterlassen: Hegemoniale Triebe sind gefährlich in einer Region, die ein hohes Explosionsrisiko trägt. Sie müssen bestraft werden.
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(SZ vom 11.06.2010/segi)
"Verkehrte Welt"....?!
Ich empfehle dem Autor noch einmal dringend die aufmerksame Lektüre folgender Titel:
- Parag KHANNA: The Second World - Empires and Influence in the New Global Order; Chapter 25: Iran - Virtues and Vices (Seite 227 ff.); Allen Lane, 2008
und
- Herfried MÜNKLER: Imperien - Die Logik der Weltherrschaft vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten; Kapitel 5: Das Scheitern der Imperien an der Macht der Schwachen. Rowohlt Berlin, 2005 (hier inbesondere: Politische Mobilisierung und militärische Asymmetrierung: die Strategien antiimperialer Akteure (S. 184 ff.)
Grundsätzlich: die "Groß- und Kleinmächte", die über Atomwaffen verfügen, haben ein immer größeres Legitimitätsproblem. Welche Großmacht hat Interesse daran, daß weltweit alle Atomwaffen verboten und geächtet werden, und setzt sich für ein entsprechendes offenes und tranparentes internationales und weltweites Kontrollregime ein...(USA, Russland, China, Indien....?). Atomwaffen sind ein globales Problem (genauso, wie die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen) und ein enormes und unkalkulierbares Risiko für die Menschheit! Wer macht den Anfang und liefert keine Waffen (Trägersysteme) und Materialien mehr...? Welches sind die größten Waffenexporteure der Welt? Welchem "Schutz" und welcher "Selbstverteidigung" dient das...? Woher haben die Despoten und Diktatoren aller Couleur so viele Waffen...? In de 70er und 80er Jahren galt das Prinzip: Waffen für Öl! Menschenrechte: Was ist das? Fehlanzeige! Heute handeln Russland (Interessenwahrung, militärisch-industrieller Komplex) und China (Öl) aus ähnlicher Motivation und "Logik" heraus.
"Bei der türkischen Botschaft in Diensten?"
Sie unterbieten noch die intellektuelle Ausstattung des Kommentators. Sie können noch nicht einmal lesen.
Übrigens gab es schon Atomraketen auf iranischem Gebiet. Es waren US-amerikanische während der Schah-Zeit. Dieses "auf die Pelle rücken" (also eine ungeheure Provokation der Russen) war die eigentliche Ursache der Kuba-Krise mit der dortigen Nachstationierung von russischen Atomraketen. Hätte fast die ganze Welt zerstört. Der Abzug der Atomraketen aus Kuba erfolgte Zug um Zug mit dem Abzug der US-amerikanischen Atomraketen aus dem Iran. Die USA (Kennedy) haben damals gewaltig was auf die Mütze bekommen.
Aber solche Informationen haben Sie ja nicht. Wie auch nicht der Kommentator, der nur Unsinn schwätzt.
"Frage: wie ist es möglich mit einer so geringen intellektuellen Ausstattung, die kein Beurteilungsvermögen gestattet, überhaupt zu schreiben?"
Diese Frage erhebt sich ganz dringend bei Ihrem posting.
PS: Bei der türkischen Botschaft in Diensten?
Ein Kommentar, der auf Vermutungen und Unterstellungen Dritter (also auf Gerüchte) basiert und damit keine Grundlage hat, sollte eine Qualitätszeitung sich ersparen. Weil ein solcher nur dummes Geschwätz ist. Es gibt eine Sorgfaltspflicht des Journalsimus.
Zu den Nachbetern der US-amerikanischen Propaganda stellt sich für mich nur eine Frage: wie ist es möglich mit einer so geringen intellektuellen Ausstattung, die kein Beurteilungsvermögen gestattet, überhaupt zu schreiben?