Thorsten Schäfer-Gümbel hat Twitter für sich entdeckt. Titanic reagierte mit einer Satire-Version. Die SPD in Hessen ist offenbar Spottobjekt der Nation.
"Jetzt auch auf Facebook", steht da. Oder: "Jetzt auch auf Wer kennt wen". Und: "Jetzt auch auf meinVZ" sowie: "Jetzt auch auf Twitter". Thorsten Schäfer-Gümbel wirbt auf seiner Homepage prominent damit, die er als Wahlkämpfer überall im Internet unterwegs ist. Die Botschaft: Niemand ist so online-affin wie der Mann, den sie "TSG" nennen.
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"Im kürzesten Wahlkampf aller Zeiten ist die Kommunikation mit Euch noch wichtiger als je zuvor und deswegen werde ich ab sofort mit Euch twittern", begründet Schäfer-Gümbel auf YouTube seinen Einstieg ins Microblogging. Schon relativ früh hatte er dort einen eigenen Kanal eingerichtet und einen Videodialog mit seinen Usern begonnen. Richtig ausgegoren wirkte das noch nicht.
Auch beim Anblick seiner Twitter-Seite hat man den Eindruck, dass Schäfer-Gümbel noch experimentiert. Auf http://twitter.com/tsghessen bieten die Schäfer-Gümbel-Einträge allerlei: Befindlichkeiten wie "Geschafft durch den eisregen von schotten nach alsfeld. Wahlkampf im sommer ist besser" oder inhaltliche Hinweise à la "Mit arbeitslosenquote auf platz 14. 10.000 stellen hat koch im landesdienst gestrichen" bis hin zum Twitter-Interview, in dem er auf die Fragen von Blogger Robert Basic antwortet. Während der Fragerunde gibt TSG seine Bestellung bei einem Drive-in-McDonald's auf.
Nun kann man natürlich darüber diskutieren, wie sinnvoll solche Schnipsel für die politische Kommunikation sind. Das haben sich auch die Chefsatiriker der Nation gefragt und die Twitter-Seite Schäfer-Gümbels optisch täuschend echt nachgebaut.
Die Titanic-Redaktion findet das Politiker-Getzwischere jedenfalls "unbeholfen" und "überflüssig", wie Martin Sonneborn sagt. Er war lange Jahre Chefredakteur der Frankfurter Satirezeitschrift und ist ihr noch als freier Mitarbeiter verbunden.
Deswegen hat sich Sonneborn zusammen mit ein paar Kollegen an den Computer gesetzt und selbst à la TSG drauflos getwittert. Sonneborn und Co langen gewohnt kräftig zu: "Lerne von Israel. Berufe Reserve ein (Mutter) und eröffne 3. Phase des Wahlkampfs (Häuserkampf). Klingeln, CDU brüllen und weglaufen".
Besonders lustig wird es, wenn die Komiker die Brücke zu wirklichen Einträgen des Politikers schlagen: Schäfer-Gümbel eröffnete seinen Mittwochs-Twittertag mit einer Mitteilung über sein unstillbares Koffeinbedürfnis: "Der Kaffee war gut, heute morgen hätte ich am liebsten eine ganze Plantage getrunken." Die Titanic-Jungs veranlasste das zur Replik: "Morgen Deutschland! Gerade mit Sekretärin geknobelt, wer aufsteht und Kaffee kocht. Verloren. Kann die SPD denn gar nichts mehr gewinnen?!!"
Und wo TSG seine Wahlchancen einschätzt ("Die Umfragen sagen, dass 27-45 Prozent noch unentschieden sind. Gute Chancen!"), ulkt Titanic: "Neue Umfragen da, 25%. Ich gebe nichts drauf, die fragen immer 'Wenn nächsten Sonntag Wahl wäre...' - Wahl ist ÜBERNÄCHSTEN Sonntag, basta!... "
Wie ein Running Gag zieht sich Schäfer-Gümbels vermeintliche Biervorliebe durch die satirische Twitter-Kopie."Düstere Stimmung. Umfragewerte noch nicht gut genug. Ob mich ein kleines Bier wieder aufmuntert? Wage das Experiment", heißt es gemeinerweise bei ihm. Und: "Experiment geglückt, die Zukunft sieht besser aus".
Ganz fies ist diese Fiktion: "Menno, wo bleibt das Bier? Wenn ich Ministerpräsident bin, fliegt als Erstes dieser Faulsack von Lieferant! So sieht's mal aus!"
Alles in allem ist der fiktive TSG sicher lustiger als der echte TSG.
Lesen Sie auf Seite zwei, wie Schäfer-Gümbel auf die Parodie reagierte und ob die SPD wieder klagen will.
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@gkrannich
Natürlich wird sich über "TSG" ausgelassen, was will man denn über Koch noch sagen? Jeder weiss doch was Sache ist, weil es schliesslich oft genug durch die Medien ging.
Allein hier auf der Seite finden sich mittels der Suche 1270 Suchergebnisse für "roland koch", während "TSG" gerade mal auf 75 Suchergebnisse für "Thorsten Schäfer-Gümbel" kommt.
Aber einseitige Berichterstattung ist halt, wenn nur eine Seite von der eigenen Seite berichtet wird.
Was ich meinte, aber nicht deutlich gesagt habe:
erstens rangiert der Artikel unter "Politik" und nicht unter "Kalauer" und zweitens hat sich die SZ nun wirklich schon genug parteiisch zu Hessen ausgelassen, mir schien es einfach quantitativ zu viel und qualitativ zu wenig, aber ok.
@ gkrannich: Arme SZ, armer Koch,
"habt Ihr es so noetig? "
Schon gut, dass der Tellerrand so hoch ist, dass man nicht drüber hinwegschauen muss. Satire trifft jeden, der nur genug Angriffsfläche bietet und nicht bei 3 auf den Bäumen ist. Auch Koch war nicht nur einmal Ziel von Titanic.
aber wie heisst es so schön
"Lieber Schäfer Heinrich als Schäfer-Gümpel" ;)
Vielleicht tut der Hessen-SPD sogar gut, eher verspottet zu werden. Dann wird der gesamte Schlamassel eher lustig gesehen. Wie sooft werden auch die Genossen am Sonntagabend von einem Erfolg reden, auch wenn die Umfragwerte das schlechteste Ergebnis erwarten, was die SPD in Hessen je erreichte. Man wird sich vielleicht sogar damit rühmen, dass Roland Koch nicht die absolute Mehrheit bekommen haben wird.
Nach der Wahl wird es eine saubere Analyse für die Sozis geben müssen (die CSU hat es in Bayern vorgemacht). In hessen geht es um ein Wahlcersprechen oder eine Wahllüge. Und es geht um den Umgang mit eigenen Mitgliedern, die diesen Schwindel nicht haben mittragen wollen. Nicht nur Frau Yspilanti steht in der Pflicht; der gesamte Vorstand und viele Parteimitglieder sind gefragt.
Erbarme - die Hesse komme! Dass Schäfer-Gümbel solchem neumodischem Zeugs huldig ist einerseits mutig, andererseits intellektuel absolut dürftig! Mich interessiert einfach nicht, ob er zum Frühstück Kaffee trinkt, ob er Bier mag oder was weiß ich. Da sollte die Titanic noch viel mehr draufhauen! Das hat er übrigens gar nicht nötig, denn seine politischen Aussagen sind viel besser. Überhaupt TSG - da hat sich Frau Y. schon wieder verrechnet! In Hessen ist sowieso Alles anders: Früher SPD Hochburg, heute 25 - Y (nun gut die CSU schaft ja auch nicht mehr 50 + X). In einem Jahr rauscht die SPD in den Keller und Lügen-Pinnocchio Koch steht als Strahlemann dar. Aber die Konsequenzen seiner 60er-Jahre-Politik sind ja nicht weg! Und obendrein die Linke: Eine Ihrer Kandidatinnen hält Ihre Wahlparty in Ihrem Swingerclub ab: Da sind wir bei des Pudels Kern: Politik und Rammeln! Und da wundert sich noch Jemand, dass es immer weniger Wähler gibt. Man sollte endlich mal die Konsequenzen ziehen: 1.) Die Parlammente werden nur noch der Wahlbeteiligung besetzt, d.h. wenn 40% wählen gehen, werden auch nur 40% Sitze vergeben; 2.) Die Parteien werden auch nach der Wahlbeteiligung bezahlt. Das ist übrigens nicht Neues, das stammt von den Grünen, als es Ihnen noch Inhalte, nicht um's Sitzen ging!
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