Normalerweise ist der Vorsitzende Richter so etwas wie die Super-Nanny der Strafsenate, die sich mit Staatsschutzdelikten beschäftigen. "Ein richtiger Profi" sei der Richter, hat der Angeklagte Adem Yilmaz neulich einem Kriminalbeamten erzählt. Breidling hatte Yilmaz, der anfangs den Rebellen mimte, einige Male zusammengestaucht, weil er erklärt hatte, er stehe nur für Allah auf und nicht für das Gericht. Da purzelten die Ordnungsstrafen. Beim Einzug des Gerichts an diesem Montagmorgen gegen 11.55Uhr steht Yilmaz auf und bleibt sehr lange stehen. Er hat diesmal auch das weiße Häkelmützchen nicht getragen, das ihm schon ein paar Tage zusätzlich Haft eingebracht hat.

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Der Vorsitzende Richter Ottmar Beidling: Er hatte die Angeklagten schon früh mit Strafnachlässen gelockt. (© Foto: ddp)

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Den Männern wird von der Bundesanwaltschaft Mitgliedschaft in einer in- und einer ausländischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen; die Vorbereitung und Verabredung eines Sprengstoffverbrechens sowie Verabredung zum Mord, untechnisch formuliert: ein Stelldichein zum Massenmord. Über das Innenleben in Terrorcamps, Treueschwüre, Hass und die Sehnsucht nach dem Dschihad haben die jungen Männer viele Tage lang im Beisein ihrer Anwälte mit Beamten des Bundeskriminalamts geredet.

521 Stehordner hatten die Ermittler vor Prozessbeginn zusammengetragen, jetzt sind 15Ordner dazugekommen. Breidling hat die Seiten am Ende gar nicht mehr gezählt. Im Juli seien es samt Anlagen bereits 1584 Seiten gewesen, sagt er. Er wirkt sehr konzentriert. Aufmerksam mustert er den Angeklagten Fritz Gelowicz, den das BKA früh als "Koordinator und Logistiker" der Gruppe bezeichnet hat. Als "Rädelsführer" hat ihn die Bundesanwaltschaft angeklagt.

Gelowicz sitzt etwa drei Meter vor dem Richter und berichtet als erster Angeklagter, wie das mit dem Dschihad und den Anschlagsplänen war. Wenn man die Augen schließt, könnte man glauben, den Erzählungen eines jungen Mannes zuzuhören, dem die Phantasie durchgeht.

Anschläge in Discos und Pubs

Wenn man die Augen wieder öffnet, sieht man einen mittelgroßen Mann, der ein schwarzes sportliches Hemd über einer Jeans mit Aufschlag trägt und Ungeheuerliches sagt: dass er mit den anderen amerikanische Soldaten in Deutschland töten wollte, bei Anschlägen in Discos und Pubs. Dass ein Anschlag auf ein US-Konsulat geplant worden sei. Dass auch die Botschaft Usbekistans angegriffen werden sollte, doch "die war zu stark gesichert".

Und den Deutschen sollten die Anschläge eine "letzte Warnung" sein, die Truppen aus Afghanistan zurückzuziehen. Ganz beiläufig sagt er das. Sprengsätze wollten sie deponieren "in Parkhäusern und ein oder zwei deutschen Flughäfen". Eine "Prestigesache" wäre es gewesen, wenn für einen Tag alle Flüge ausgefallen wären. Jedenfalls sollten die Anschläge vor der Abstimmung im Bundestag im Oktober 2007 über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr erfolgen.

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