Von J. Nitschmann

Der Anführer der Sauerland-Gruppe bricht seinen islamistischem Treueschwur - und spricht über die Gründung der Vereinigung.

Der Anführer der islamistischen "Sauerland-Gruppe", Fritz Gelowicz, will einen Schlussstrich unter seine Terror-Aktivitäten ziehen. "Ich möchte, dass die Sache endlich vorbei ist, dass das Buch über die Sauerland-Gruppe zugeschlagen und zur Geschichte wird", sagte er am Dienstag im Terrorprozess vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht.

Bild vergrößern

Der Angeklagte Fritz Gelowicz will ein Geständnis ablegen. (© Foto: ddp)

Anzeige

Dort sind neben Gelowicz drei weitere Mitglieder der "Sauerland-Gruppe" wegen geplanter Bombenanschläge auf amerikanische Einrichtungen in Deutschland angeklagt.

Gelowicz erklärte am 39. Verhandlungstag, er habe sich wie die übrigen Mitglieder der Terrorzelle nach anderthalbjähriger Untersuchungshaft zu einem umfassenden Geständnis durchgerungen, weil er mit der "Sauerland-Gruppe" und ihren am Ende vereitelten Anschlagsplanungen abschließen wolle.

Seinem Treueschwur, den er in einem pakistanischen Terrorcamp auf den Anführer der Islamischen Dschihad Union (IJU) geleistet habe, fühle er sich nach seiner Festnahme nicht mehr verpflichtet.

Inzwischen habe er von seinen Anwälten erfahren, dass der IJU-Anführer Najmiddin Jalolov, der ihm den Gefolgseid abgenommen habe, in der vergangenen Woche im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet durch eine US-Drohne ums Leben gekommen sei. "Wenn das stimmt, ist die Sache mit dem Treueschwur sowieso hinfällig", sagte Gelowicz vor Gericht.

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Ottmar Breidling, ob er die Anschlagsplanungen auf die US-Flugbasis in Ramstein und benachbarte amerikanische Pubs zwischenzeitlich bereue, antwortete Gelowicz, dies wolle er alleine "mit Allah ausmachen".

Auch zu Fragen auf seine Perspektiven nach einer Haftentlassung wollte sich der 30-jährige Angeklagte nicht äußern.

Gelowicz erklärte, die Gründung der "Sauerland-Gruppe" wäre ohne die Reaktion des Westens auf die Terroranschläge vom 11. September nicht denkbar gewesen. Er selbst habe sich für den gewaltbereiten Heiligen Krieg entschieden, nachdem der ehemalige US-Präsident George W. Bush erklärte hatte: "Entweder seid ihr mit uns oder mit den Terroristen."

Leser empfehlen 

(SZ vom 23.09.2009/bica)