Im Sauerland-Prozess räumt Atilla Selek ein, dass ihn ein Gelingen der Anschläge "wahrscheinlich schon" gefreut hätte - und betont die Rolle des untergetauchten Mevlüt K.

Nach den umfassenden Geständnissen aller vier Angeklagten im Sauerland-Prozess gerät ein mutmaßlicher fünfter Unterstützer in den Fokus der Ermittlungen. Der inzwischen mit Haftbefehl gesuchte Mevlüt K. hat nach Angaben eines Angeklagten der islamistischen Gruppe wichtige Hilfe geleistet. Die Informationen von Mevlüt K. seien "sehr nützlich" gewesen, sagte der Angeklagte Atilla Selek im Terrorismus-Prozess vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht.

Atilla Selek, Reuters

Atilla Selek bei seiner Aussage am Donnerstag vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. (© Foto: Reuters)

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Selek hatte nach eigenen Angaben für die 2007 geplanten Terroranschläge in Deutschland die Zünder in der Türkei beschafft. Dafür habe er den Kontakt zu Mevlüt K. gesucht. K. habe der vierköpfigen Gruppe auch Hinweise gegeben, dass ihre Anschlagsplanungen bereits aufgeflogen seien. K. soll nach Medienberichten für den türkischen und den amerikanischen Geheimdienst gearbeitet haben.

"Obwohl ich Zweifel hatte, habe ich gedacht, die Sache ist richtig"

Die vier Angeklagten hatten nach wochenlangem Schweigen in den vergangenen Tagen umfassende Geständnisse abgelegt. Die jüngsten Angeklagten, Selek, 24, und Daniel Schneider, 23, distanzierten sich dabei von den Terrorplänen und zeigten Reue. Selek räumte aber ein, dass ihn damals ein Gelingen der Anschläge in Deutschland "wahrscheinlich schon" gefreut hätte. "Obwohl ich Zweifel hatte, habe ich gedacht, die Sache ist richtig."

Darüber, wie viele Menschen bei den Anschlägen hätten getötet werden können, habe er sich keine Gedanken gemacht. Er hätte nicht die Vorstellung gehabt, "dass Hunderte oder Tausende sterben könnten". Sein eigentliches Ziel im Dschihad sei Tschetschenien gewesen. Diesen Plan habe er aber wegen der Zünderbeschaffung aufgegeben.

Zugleich betonte er, lediglich die Zünder beschafft zu haben. Mehr habe er zu den Anschlagsvorbereitungen nicht beigetragen. Er habe aber keinesfalls auch Wasserstoffperoxid besorgen wollen. Das habe er dem mutmaßlichen Rädelsführer Fritz Gelowicz angedeutet: "Und er hat das auch so verstanden." Auch von der Anmietung eines Ferienhauses für den Bombenbau habe er nicht vorher gewusst, betonte Selek.

Der in Ulm lebende Selek hatte 2005 die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen. Nach einer Lehre als Autolackierer geriet er 2003 in das Umfeld der Ulmer Islamisten-Szene. 2006 machte er eine Ausbildung in einem Terrorlager der Islamischen Dschihad Union in Pakistan. Die Frage des Vorsitzenden Richters Ottmar Breidling, ob er weitere Personen kenne, die nach dem Lageraufenthalt Anschläge in Deutschland planten, verneinte er. Er könne sich aber vorstellen, dass es Leute mit entsprechenden Anschlagsplänen gebe.

Die vier Angeklagten im Sauerland-Prozess hatten in den vergangenen Tagen zugegeben, Autobombenanschläge auf mehrere US-Einrichtungen geplant zu haben. Für die Anschläge hatte sich die Gruppe zwölf Fässer mit Chemikalien beschafft und in einer Ferienwohnung im sauerländischen Medebach-Oberschledorn damit begonnen, daraus Sprengstoff herzustellen.

Drei von ihnen waren im September 2007 dort festgenommen worden, Selek wurde später in der Türkei verhaftet. Seit April läuft der Prozess gegen die vier Islamisten. Der Bundesgerichtshof hat inzwischen außerdem einen Haftbefehl gegen den untergetauchten Türken Mevlüt K. erlassen.

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(dpa/AP/af)