Überraschende Wende: Erst war es nur der mutmaßliche Terrorist Adem Yilmaz, jetzt zogen auch die anderen drei Angeklagten nach - sie wollen ein Geständnis ablegen.

Der mutmaßliche Terrorist Adem Yilmaz verlor in dem Geduldsspiel als erster die Nerven. Schon am vergangenen Freitag kündigte er bei einem Besuch seiner Familie im Wuppertaler Gefängnis an, im Sauerland-Prozess ein umfassendes Geständnis abzulegen. Das wurde eifrig notiert von den mithörenden Beamten des Bundeskriminalamts und versehen mit der Bitte, dies dem Gericht kund zu tun.

Adem Yilmaz, dpa

"Es ist mir egal, wie viel Sie mir geben, ob 20 oder 30" Jahre, sagte Adem Yilmaz am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. (© Foto: dpa)

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Am Dienstag bekräftigte Yilmaz seine Absicht vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. Er sagte zur Begründung: "Es ist mir egal, wie viel Sie mir geben, ob 20 oder 30 (Jahre), ich möchte nur, dass das hier vorbeigeht, es ist langweilig." Er verriet außerdem, dass auch seine Mitangeklagten Atilla Selek und Daniel Schneider so dächten. Bevor er auspacken könne, müsse er sich aber mit den anderen Angeklagten besprechen, bat der bislang so flegelhaft auftretende Yilmaz höflich und rannte damit beim Gericht offene Türen ein.

Nach einer Besprechung einigten sich alle vier Angeklagten am Nachmittag nach Angaben einer Verteidigerin darauf, Geständnisse abzulegen. Während ihr Mandant Adem Yilmaz sein Geständnis vor Beamten des Bundeskriminalamts ablegen wolle, werde der Angeklagte Atilla Selek seine Aussage im Gerichtssaal abgeben, kündigte Anwältin Ricarda Lang am Dienstag an. Unklar war zunächst, wann die Geständnisse erfolgen sollen.

"Alle Karten auf den Tisch"

Nach sieben Wochen und 15 Verhandlungstagen ist damit die bisherige Verteidigungsstrategie obsolet. Es mache keinen Sinn, weiter zu schweigen, um dann im Urteil die "volle Packung" zu erhalten, hatte Yilmaz, 29, zuvor erklärt und war damit vermutlich Selek knapp zuvorgekommen. Dessen Verteidiger Axel Nagler hatte angesichts der gewaltigen Beweisfülle und des vergleichsweise geringen Tatbeitrags seines Mandanten ebenfalls ein Geständnis in Aussicht gestellt.

Der Senat ist vor allem an den internationalen Strukturen des islamistischen Terrors interessiert, wie der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling durchblicken ließ. Das Gericht sei außerdem nur an umfassenden Geständnissen interessiert: "Butter bei die Fische. Alle Karten auf den Tisch - und zwar offen, nicht gezinkt", forderte er die Angeklagten auf.

Bundesanwalt Volker Brinkmann betonte, dass der Zug für einen spürbaren Strafnachlass durch ein Geständnis angesichts der erdrückenden Beweisfülle "bald abgefahren" sei. Dass die Angeklagten ein Geständnis oder zumindest eine Aussage erwägen, war Mitte Mai bekanntgeworden, als bei Daniel Schneider ein an Yilmaz gerichteter Brief sichergestellt wurde. "Wann ist es sinnvoll, dass alle schweigen oder aussagen?", hieß es darin. Prozessbeteiligte hatten seit längerem damit gerechnet, dass Yilmaz eine Aussage machen will.

"Ey, des wird supergeil"

Die vier Angeklagten sollen eine Terrorzelle der Islamischen Dschihad Union (IJU) gebildet und in Deutschland schwere Anschläge mit Autobomben geplant haben. Laut Anklage wollten sie zeitgleich in Kneipen, Diskotheken und auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein möglichst viele Amerikaner töten.

Sterben wollten sie nicht, nur die Bundesrepublik in Angst und Schrecken versetzen und es anschließend genießen. Sie stellten sich vor, wie der Bundesinnenminister das würde erklären müssen: "Wenn der Schäuble vor die Presse tritt, ey, des wird supergeil." Doch da hatte die Polizei bereits Haus und Auto der Verdächtigen verwanzt.

Die Ermittler lauschten bis zur Verhaftung der Männer im September 2007 im Sauerland einer skurrilen Mischung aus Al-Qaida-Rhetorik und pubertären Gewaltphantasien, vorgetragen in diversen deutschen Dialekten. Drei der Islamisten wurden schließlich im sauerländischen Oberschledorn von der Anti-Terror-Spezialeinheit GSG 9 festgenommen worden, ein vierter später in der Türkei verhaftet.

"Den schnappen wir uns noch"

Der so genannte Sauerland-Prozess ist einer der größten Terrorprozesse der bundesdeutschen Geschichte. Das Verfahren dürfte zwei Jahre dauern, mehr als 500 Aktenordner Material haben die Ermittler zusammengetragen. Die Bundesanwaltschaft wirft den drei Hauptverdächtigen unter anderem Mitgliedschaft in einer ausländischen und in einer inländischen terroristischen Vereinigung vor, außerdem die Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens.

Mit lebenslänglicher Haft müssen sie allerdings nicht rechnen. Allenfalls Daniel Schneider, der bei der Verhaftung auf einen Beamten schoss, könnte zusätzlich zu den Terrorvorwürfen wegen versuchten Mordes verurteilt werden.

Gegen den Angeklagten Yilmaz hat der Strafsenat während der Verhandlung bereits mehrere Ordnungsstrafen verhängt - zuletzt weil er einem Wachtmeister mit den Worten "Den schnappen wir uns noch" bedroht haben soll. Zuvor war er immer wieder wegen störender Zwischenrufe und Missachtung des Gerichts aufgefallen.

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(dpa/Reuters/Richter/Kerscher/af/odg)