Die Sonne ist inzwischen untergegangen. Nahles erklärt noch, dass sie als das "katholische Arbeitermädchen vom Lande" ohne sozialdemokratische Bildungspolitik jetzt wohl nicht auf dieser Bühne stünde. Genausowenig dürften Sozialdemokraten sich damit zufriedengeben, wenn junge und vermeintlich chancenlose Migranten in den Städten lebten. "Ihnen keine Chance geben, ist das allen Ernstes die Politik der SPD?", fragt sie und versucht kämpferisch zu klingen. Es klingt eher verzweifelt.

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Und was ist mit der Meinungsfreiheit? Nahles: "Ich bin der Auffassung, das jeder Unsinn erzählen darf. Aber nicht jeder Unsinn darf im Namen der SPD verbreitet werden." Bleibt die Frage: Wer definiert, was Unsinn im Sinne der SPD ist?

Klaus Wowereit hat sich bisher zum Thema Sarrazin kaum und wenn nur spärlich geäußert. Ihm ist letztlich zu verdanken, dass Sarrazin trotz seiner vielen Verbalentgleisungen Finanzsenator von Berlin bleiben und sogar zum Vorstandsmitglied der Bundesbank aufsteigen durfte.

Wowereit und sein Freund Thilo

Er scheint zunächst auch hier nicht viel dazu sagen zu wollen, hält erst mal den Medien vor, dass diese das Thema so nach oben zögen und zeigt sich ganz allgemein "entsetzt" darüber, wie einige Menschen immer sofort sagen könnten, was 40 Jahre lang schiefgelaufen sei in der Integrationspolitik.

Aber er merkt wohl, dass seine Parteifreunde mehr von ihm erwarten. Wowereit ist in einem Dilemma: Er sagt selbst, er habe immer gut mit "Thilo" zusammengearbeitet. Er nennt Sarrazin wie einen guten Freund beim Vornamen. Aber er kann sich hier auch schlecht gegen die eigene Parteispitze stellen. Darum sagt Wowereit, als wolle er sich dafür entschuldigen, dass er Sarrazin zum Bundesbanker gemacht hat: "Ich konnte ja nicht ahnen, dass er sich so eine Ideologie zusammengezimmert hat."

Die Schuld, Sarrazin erst in eine Position gebracht zu haben, von der aus er öffentlichkeitswirksam seine "Ideologie" verbreiten kann, weist er von sich. Der Berufung Sarrazins in den Vorstand der Bundesbank hätten ja auch die Länder und die Bundesregierung zugestimmt. "Alle Nase fassen", witzelt er, "das haben wir kollektiv gemacht."

So einfach scheint es nicht zu sein. Zumindest nicht für die Wähler und die Mitglieder der SPD. Müller darauf angesprochen, ob es einen Impuls von der Basis gab, Sarrazin aus der Partei zu werfen, antwortet der: "Nein, das waren eher die Funktionäre. Die konnten das nicht mehr ertragen." Einer von der Basis sagt später: "Hoffentlich bekommen die das ordentlich hin mit dem Rauswurf. Wenn das schiefgeht, dann zerreißt es die Partei." Im Moment deutet wenig darauf hin, dass die Parteiführung es so ordentlich hinbekommt, wie der Mann sich das wünscht.

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(sueddeutsche.de/gba)