Brüssel befürchtet, dass der französische Präsident die Verhandlungen über den Beitritt der Türkei erheblich erschweren könnte.
Zu seinem Sieg haben die Brüsseler Nicolas Sarkozy artig gratuliert. Aber nicht wenige in der Europäischen Union treibt die Frage um, was von dem neuen französischen Präsidenten jenseits seiner Wahlkampfparolen tatsächlich zu erwarten ist.
Machte Wahlkampf mit seiner Ablehnung des EU-Beitritts der Türkei: Nicolas Sarkozy. (© Foto: dpa)
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Als entschiedener Europäer ist er bislang nicht aufgefallen. Seine Neigung zu einer Wirtschaftspolitik à la Tony Blair sichert ihm zwar die Sympathien der Marktwirtschaftler in der EU-Kommission. Dass er sich als Protektionist aufführt, wenn es um französische Industrie-Interessen geht, irritiert aber wiederum die Wettbewerbshüter.
Im Streit über die Verfassung bewegt der neue Mann im Elysée-Palast sich sehr weit fort von der Linie seines Vorgängers. Und in der Frage Türkei liegt er quer zum Rest der EU.
Steht Sarkozy zu dem, was er im Wahlkampf gesagt hat, dann beschwört er eine schwere Krise in der Türkei-Frage herauf. Der neue Präsident ist zwar nicht der einzige unter den Staats- und Regierungschefs, welcher der Türkei die Vollmitgliedschaft verweigern will.
Aber anders als etwa die deutsche Kanzlerin hat er sich bislang nicht auf die zumindest vorläufig sichere Position zurückgezogen, dass die Verhandlungen beschlossen seien und man in Ruhe ihr Ende abwarten sollte. Vorsichtshalber hat Kommissionspräsident José Manuel Barroso daher eine kaum verhohlene Warnung nach Paris geschickt: Wer den einstimmigen Beschluss über die Aufnahme der Beitrittsgespräche ändern wolle, müsse ,,dazu die Initiative ergreifen''.
Für solch eine Kehrtwende in der Türkei-Politik gibt es unter den Regierungen keine Einstimmigkeit, und so gilt weiter, was Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac mit beschlossen hatte.
Aber natürlich hat Paris viele Instrumente, um die Verhandlungen zum Erliegen zu bringen. Schließlich muss die Eröffnung eines jeden der mehr als 30 Verhandlungskapitel einstimmig beschlossen werden. Bislang ist das erst bei zweien gelungen.
Sollte sich Paris darauf verlegen, die Beitrittsgespräche de facto zu blockieren, dann befürchten europäische Diplomaten drastische Folgen für die geostrategische Politik der EU. Die Türkei, die sich ohnehin in einer schweren innenpolitischen Krise befindet, könnte in unkalkulierbare Turbulenzen geraten, sollte sie duch die Europäer faktisch zurückgewiesen werden.
Beruhigung in Verfassungsdebatte?
Während er im Konflikt um die Türkei möglicherweise Öl ins Feuer gießt, könnte Sarkozy im Gerangel um die europäische Verfassung zur Beruhigung beitragen. Seine Ankündigung, auf eine Volksabstimmung über eine Vertragsänderung zu verzichten, die nicht den hohen Anspruch einer Verfassung erhebt, hat in den europäischen Quartieren Erleichterung ausgelöst.
Stattdessen will er diesen Vertrag vom Parlament beschließen lassen. Hans-Gert Pöttering, der Präsident des Europäischen Parlaments, hofft sogar auf eine ,,neue Dynamik'' für den Verfassungsprozess. Sollte Frankreich nicht mit einem weiteren französischen Referendum drohen, hoffen viele auf einen Ausweg aus der Krise, die durch das Nein der Franzosen im Mai 2005 ausgelöst worden war.
Allerdings ist noch nicht klar, welchen Preis die EU Paris für seine Kompromissbereitschaft würde zahlen müssen. Sarkozy muss nun genau sagen, was für ihn zu dem ,,Mini-Vertrag'' gehört, den er seit Monaten propagiert.
Was die Wirtschaftspolitik betrifft, hegen die Nachbarstaaten große Erwartungen an den neuen Präsidenten. Die französische Volkswirtschaft wächst seit Jahren langsamer als der Rest Europas, und das schadet auch den Nachbarn, weil die EU-Staaten immer stärker verflochten sind.
Dem neuen Präsidenten traut man zu, den Reformstau in Paris aufzulösen. Ökonomen nennen die Stichworte: zu viele Beamte, zu hohe Renten, ein zu starrer Arbeitsmarkt mit hoher Jugendarbeitslosigkeit und einer weltfernen 35-Stunden-Woche.
Sarkozy könnte die Rolle übernehmen, die in Deutschland Gerhard Schröder oder in Großbritannien Maggie Thatcher und Tony Blair zufielen. Seine Ausfälle gegen die Europäische Zentralbank haben andere Mitglieder zwar irritiert. Doch in Berlin und London neigt man dazu, sie als Wahlkampfgeklingel abzutun.
Ein gewöhnlicher liberaler Reformer ist Sarkozy aber nicht. Seine marktwirtschaftlichen Ansichten sind mit klassischem französischen Protektionismus durchsetzt. Seine Devise lautet: erst Frankreich, dann Europa. Als Finanzminister blockierte Sarkozy die Übernahme des Alstom-Konzerns durch Siemens.
Und in Brüssel erregte er Aufsehen, weil er ganz unverhohlen den Kopf des britischen Kommissars Peter Mandelson forderte - Mandelson soll nicht mehr für die EU die Welthandelsgespräche führen. An solche Auftritte Sarkozys wird sich Europa gewöhnen müssen.
(SZ vom 8.5.2007)
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Man muss nur gegen einen Beitritt der Türkei in die EU sein, schon gewinnt man Wahlen.
Die Europäer brauchen sich keine Sorgen machen. Die Türkei wird niemals in die EU kommen.
Denn , damit die Türkei in die Eu aufgenommen wird, müsste mit Ihr das passieren, was Jugoslawien, der Sowjetunion und den Tschechen passiert ist. Geteilt in zwei oder vier Teile.
Da arbeitet man ja hin. Aber an der Türkei wird sich Europa verschlucken. Die Zukunft liegt sowieso im Osten. Die Türkei sollte sich mehr an Russland, Indien und China orientieren.
Die Europäer haben zwar die Technologien,aber die Märkte liegen im Osten. Was kann man Ländern mit Durchschnittsalter 50 schon verkaufen? Die meisten Jugendlichen in Frankreich z.B., sind Schwarz oder Nordafrikaner, und die leben alle in armut, können sich nichts leisten.
Europas Gesellschaften sind dem Bevölkerungsschwund geweiht, in 100 Jahren wird es sie alle so nicht mehr geben.
Ich glaube nicht das Sarkozy´s Einfluss auf Europa so stark sein wird, wie manche glauben. Wenn man sich so die Pressestimmen über Sarko durchliest, könnte man wirklich glauben, dass wenn schon nicht ein Diktator, so doch sicherlich ein Sonnenkönig wieder in Europa alle Macht inne hat und dem Rest, nur noch das "Amen" zu seinen Beschlüssen bleibt. Die Betrittsverhandlungen mit der Türkei, oder eine geinsame europäische Verfassung zu blockieren bzw. eine allein auf französiche Interessen bedachte Politik zu betreiben, wird sich Sarko schon nicht trauen. Wie heisst es so schön: "Hunde die laut bellen, beißen nicht!" Es wird allein von der Entwicklung der Türkei abhängen, ob sie in 10 bis 15 Jahren aufgenommen wird oder nicht. Das Sarkozy weitere Hindernisse aufstellen wird ist klar, aber genauso klar ist dabei auch, dass die Türken klaren Kopf behalten werden und die Reformen die anstehen, nicht als Tribut an Europa und Sarkozy´s France auffassen werden, sondern als Entwicklung der eigenen Demokratie. Amen ;-)
... ist ein Abschnitt aus der Rege Sarkozys kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses interessant. Hierin sprach er sich für die Bildung einer Mediterranen Union aus. Letzteres ist schon seit Jahrzehnten ein insgeheim gehegter Wunsch: die Einbeziehung bzw Heranführen des Maghreb an Europa als Frankreichs Hinterhof. Aufgrund der dortigen Kolonialgeschichte hat Frankreich nach wie vor großen Einfluss. Zielsetzung ist letztendlich Einflussgewinn zu Lasten des übrigen Europas ...
wird nach dem Präsidentenwechsel wieder aktiv. Chirac hat eigentlich keine Spur hinterlassen, Persönlichkeiten, wie De Gaulle oder Schumann sind in der Nachkriegsgeschichte Frankreichs seltenheit geblieben.
Hoffentlich wir der Sarkozy seine Energie nicht zu schnell verlieren, die Bremser stecken überall....
Auch wenn die Tuerkei nicht in de EU aufgenommen wird, scheint es die EU zu bedrohen. Erstaunlich wieviel Sorge, ja sogar Schrecken, die Enkel der Osmanen den Europaeern immer noch zusetzen.
Paging