Salafisten, Pegida, Hooligans und Antifa in Wuppertal Klassentreffen der Provokateure

.

(Foto: dpa)
  • Am Samstag demonstrieren Salafisten und Pegida erstmals in unmittelbarer Nähe zueinander, hinzu kommen Gegendemonstrationen.
  • Zur Pegida-Demo werden auch Hooligans aus ganz Deutschland erwartet.
  • Die Wuppertaler Polizei spricht von einem "brisanten" Einsatz. Es sollen Hubschrauber und Wasserwerfer vor Ort sein.
Von Jannis Brühl, Köln

Im Wuppertaler Zentrum wird es am Samstag unübersichtlich. Salafisten demonstrieren gegen das Abendland, Pegida für das Abendland, und Linke und andere Gegner Pegidas gegen die hysterische Verteidigung des Abendlandes. Alles zur gleichen Zeit, am Nachmittag und frühen Abend. Eine Art Bermuda-Dreieck der Meinungsfreiheit, die Polizei verspricht den Bürgern, dass sie darin nicht verloren gehen.

Zur "Hass-Hauptstadt Deutschlands" erklärte der Blog Ruhrbarone Wuppertal für Samstag. Die Seite beobachtet die rechte wie auch die salafistische Szene kritisch. Etwas zurückhaltender formulierte es Wuppertals Polizeichefin Birgitta Radermacher am Donnerstag auf einer extra einberufenen Pressekonferenz: "Es ist eine einmalige Situation. So etwas hatten wir bundesweit noch nicht." Pegida demonstriert gegen die vermeintliche "Islamisierung" Deutschlands, die nach Sichtweise ihrer Anhänger vor allem von Salafisten ausgeht. Real existierende Salafisten trafen allerdings bisher noch nie auf Pegida-Demonstranten. Das ändert sich am Samstag, nur wenige hundert Meter liegen zwischen beiden Demos.

Mehr als 1000 Polizisten werden im Einsatz sein, auch mit "großem Besteck", sagte Radermacher. Damit meint sie Wasserwerfer und Hubschrauber: "Der Einsatz wird brisant und schwer werden. Ich bin mir aber sicher, dass wir gut aufgestellt sind." Teile der Innenstadt werden für Autos gesperrt. Die Stadt hat wegen der Verkehrsbehinderungen ein Bürgertelefon für Wuppertaler geschaltet.

Die ursprüngliche Demo: der Scharia-Wachtmeister und seine Brüder

Am Anfang waren die Salafisten. Die Anmeldung ihrer Demo auf dem Willy-Brandt-Platz in Wuppertal-Elberfeld war Auslöser der anderen. "Solidarität mit Muslimischen Gefangenen Weltweit" ist das Motto der Kundgebung. Vordergründig wird es wohl um Guantanamo und Afghanistan gehen, eigentlich aber um die Verkommenheit des Westens. Der Anmelder kommt der Polizei zufolge aus dem" salafistischen Umfeld" und erwartet bis zu 400 Teilnehmer. Die Region ist eines der Zentren der Salafisten in Deutschland, die Szene lieferte sich in Bonn und Solingen Straßenschlachten mit der Polizei.

Fakten zum Salafismus in drei Grafiken

Glaubt man Islamgegnern, sind Salafisten überall. Aber wie viele Muslime sind welche - und wie viele nicht? Und wer begeht mehr Straftaten - Rechtsextreme oder islamische Extremisten? Drei Grafiken, die den Salafismus ins Verhältnis zum Islam in Deutschland rücken. Von Jannis Brühl mehr ...

Auf der Kundgebung wird der Prediger Sven Lau reden, ein Konvertit, der sich Abu Adam nennt. Er war Initiator der öffentlichkeitswirksamen "Scharia-Polizei": Laus Leute sprachen im Wuppertaler Nachtleben Jugendliche an und warben für einen konservativ-muslimischen Lebensstil ohne Alkohol und andere "Sünden". Lau stand auch im Verdacht, den Islamischen Staat in Syrien zu unterstützen. Nachweisen konnten ihm die Ermittler nichts, sie zogen aber seinen Reisepass ein (ein Portrait Laus lesen Sie hier).

Nach der Ankündigung einiger rechter Hooligans, in Wuppertal gegen die Salafisten zu demonstrieren, riet Lau auf Facebook weiblichen Anhängern, zu Hause zu bleiben: "Die Nazis kündigen sich für die Kundgebung in Wuppertal an, deshalb rate ich dringend davon ab, dass Schwestern zur Veranstaltung kommen."

Die Gegendemo: bekannte Islamfeinde am Mikrofon

Mit einer "Generalmobilmachung" wollen die selbsternannten "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" 2000 Menschen auf die Straße bringen. Sie planen auch einen Zug durch die Innenstadt. Die direkte Konfrontation mit ihrem größten Feindbild, den Salafisten, soll der Bewegung wieder Aufwind geben. Zuletzt kamen zu den Demos von Pegida und seiner Ableger in NRW, die oft noch weiter rechts stehen als das Dresdener Original, nur noch wenige Dutzend Menschen.

Die Veranstalter werben auf Facebook damit, dass zwei in der Szene bekannte Redner auftreten werden. Zum einen Lutz Bachmann, Organisator der ursprünglichen - und größten - Pegida-Demos in Dresden. Als dieser war er im Januar zurückgetreten, nachdem ein Bild von ihm in Hitler-Pose bekannt worden war. Nach seinem Abgang zersplitterte Pegida in Sachsen.

Auch Michael Stürzenberger wird in Wuppertal auftreten. Der Münchner agitiert seit Jahren gegen den Islam. Er versuchte, mit der islamfeindlichen Kleinpartei "Die Freiheit" in den Münchner Stadtrat einzuziehen und scheiterte. Nun ist er bei Pegida aktiv, zuletzt beim Ableger Bagida, der in München auf die Straße ging. Bagida hat seine Anhänger aufgefordert, am Samstag nach Wuppertal zu reisen (ein Porträt von Stürzenberger lesen Sie hier).

Bachmann, Stürzenberger, Lau - es dürfte so etwas wie das Klassentreffen der Provokateure werden. Die Polizei rechnet auch mit mehreren hundert Hooligans aus ganz Deutschland. Zu den Demos von Pegida-Ablegern in der Region, in Düsseldorf und Köln, waren auch immer wieder Anhänger der "Hooligans gegen Salafisten" gereist, die besonders aggressiv auftraten.

Eine Demo verschiedener Hooligangruppen aus dem ganzen Land hatte im Oktober unter dem Motto "HoGeSa" in Köln randaliert und fast 50 Polizisten verletzt. Die rechte Hooligan-Gruppe "Gemeinsam Stark" hat extra ihre für den Samstag geplante Kundgebung in Erfurt verschoben, für die sie 1500 Teilnehmer angekündigt hatte. Sie hat ihre Anhänger stattdessen aufgefordert, nach Wuppertal zu kommen.

Die Gegen-Gegendemos: Schutz für die Alte Synagoge

Gleich zwei Demos gegen Salafisten und Pegida hat das "Wuppertaler Bündnis gegen Nazis" angemeldet. Zivilgesellschaftliche Gruppen wie das "Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz" und der deutsche Gewerkschaftsbund wollen sich ihr anschließen.

Die erste Demo findet auf dem Kirchplatz statt, nahe der Wupper, die zweite vor der Begegnungsstätte "Alte Synagoge", einem jüdischen Museum am Ort der von den Nazis in der Reichspgromnacht niedergebrannten Synagoge. Die muss nach Angaben der Veranstalter geschützt werden, weil sowohl bei Salafisten wie Hooligans Antisemiten mitdemonstrierten. Als "besorgniserregend und unverantwortlich" bezeichnete die "Initiative für Demokratie und Toleranz", dass Salafisten in der Nähe demonstrieren dürften. Zudem verdächtigen sie Hooligan-Gruppen, eine weitere, nicht angemeldete und potentiell aggressive Versammlung vor der großen Pegida-Veranstaltung zu planen. Die Antifa mobilisiert massiv in sozialen Netzwerken, sie will sich vor allem Pegida und den Hooligans in den Weg stellen.