Salafist Sven Lau Vom Kiffer zum Kopf der "Shariah-Polizei"

Der islamistische Prediger Sven Lau, auch Abu Adam genannt, 2012 in Köln auf einer Veranstaltung von Salafisten.

(Foto: dpa)

In der Schule war er Klassenclown, danach Kiffer und Fußballfan, schließlich Hardcore-Islamist: Sven Lau alias Abu Adam. Über seine "Shariah-Police" in Wuppertal sagt er nun: "Wir haben den Namen unglücklich gewählt."

Von Bernd Dörries

Selbst ihm ist das Lachen dann doch vergangen. Mitte der vergangenen Woche noch stand Sven Lau fröhlich kichernd mit seinen bärtigen Freunden in der Wuppertaler Innenstadt. Sie trugen orange Schutzwesten mit der Aufschrift "Shariah-Police" und grinsten - freuten sich schon darauf, was ihre Provokation auslösen würde.

Es war wohl mehr, als sie dachten, über das Wochenende äußerte sich so ziemlich jeder halbwegs zuständige Politiker, der gerade greifbar war: verbieten, verhindern und verfolgen, forderten sie. Die "Shariah-Police" wurde ein bisschen das Opfer des eigenen Erfolgs. Es war einerseits eine recht gelungene PR-Aktion der Salafisten um Sven Lau. Aber sie erhöht auch den Verfolgungsdruck, wie man es in der Sprache der Ermittler nennt. Lau wird erst mal keinen unbeobachteten Schritt mehr machen.

"Wir haben den Namen unglücklich gewählt", nuschelt Sven Lau, 33, am Sonntag in einem Youtube-Video. Es sei gar nicht darum gegangen, in Deutschland die Scharia einzuführen, sondern nur darum, "die lieben Geschwister" vom Alkohol fernzuhalten und von den Spielhöllen.

Klassenclown auf der Suche nach einem Sinn

Es geht Lau im Video darum, das Feuer zu löschen, das sich über das Wochenende zu einem Großbrand entwickelt hat. Und in solchen Sachen ist Lau ein Mann vom Fach, bei der Berufsfeuerwehr Mönchengladbach war er Brandmeister im mittleren Dienst.

In seiner Kindheit galt er als "Klassenclown", gleichzeitig sei er auf der Suche nach dem Sinn des Lebens gewesen, wie Lau einmal selbst erzählte. Er fand ihn im Kiffen, mit Mädchen, am Spielautomaten und beim Fußball. "Mich hat das nicht glücklich gemacht."

Er sei froh, kein "Hardcore-Fußball-Fan" geworden zu sein - er wurde Hardcore-Islamist, so muss man die Salafisten nennen, die ultrakonservative Strömung des Islams. Die Konvertiten sind meist die Schlimmsten, sagt das Sprichwort, und auch Lau entwickelte ein großes Sendungsbewusstsein, nennt sich mittlerweile Abu Adam. In Mönchengladbach gründet er den Verein "Einladung zum Paradies", wollte eine Koranschule aufmachen. Die Nachbarschaft protestierte, das Gebäude brannte und Lau geriet in Verdacht, selbst der Brandstifter zu sein.

Behörden entzogen Reisepass

Er weiß wohl recht genau, was man sagen kann, und was nicht, wo die Grenze zur Strafbarkeit liegt. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ließ ihn drei Monate lang inhaftieren, weil er die IS-Terroristen in Syrien unterstützt haben soll, nachweisen konnte man ihm wieder nichts. Nach Syrien kann er zumindest nicht mehr reisen, die Behörden haben ihm den Reisepass entzogen.

Mit der Shariah-Police wollte Lau Werbung für die Wuppertaler Darul Arqam Moschee machen, ein islamisches Zentrum in einer alten Fabrikhalle, dem in jüngster Zeit die Besucher ausgegangen sind. Ob nach der Aufregung vom Wochenende viele Jugendliche Lust haben, ihr Leben von der Shariah-Police kontrollieren zu lassen? Der Vermieter hat den Vertrag mit dem islamischen Zentrum bereits gekündigt.