Russlands Ansehen im Westen Wie Putin in den Informationskrieg zieht

Der Konflikt in der Ostukraine hat dem Ansehen Russlands im Westen geschadet. Hunderte russische Journalisten sollen nun weltweit fremdsprachige Nachrichtenkanäle aufbauen und Moskaus Image aufpolieren. Besonders Deutschland steht im Fokus.

  • Mit einer Medienoffensive versucht der Kreml, das ramponierte Image Russlands im Westen aufzupolieren.
  • Das deutsche Publikum halten russische Medienstrategen für besonders empfänglich.
  • Hunderte russische Journalisten sollen weltweit Nachrichtenkanäle aufbauen.

Das lädierte Image Russlands im Westen

Erst die Annexion der Krim im März, dann die unverhohlene Unterstützung der Separatisten im Osten der Ukraine: Das Ansehen Russlands im Westen hat in den letzten Monaten stark gelitten. Im Juli stürzte Malaysia-Airlines-Flug MH17 mit fast 300 Menschen über der Ostukraine ab. Ermittlungen deuten darauf hin, dass prorussische Kämpfer den Jet mittels russischer Militärtechnik vom Himmel schossen. Das brachte das russische Image auf den nächsten Tiefpunkt.

Die russische Medienoffensive

Mit einer großangelegten Medienoffensive will der Kreml nun sein ramponiertes Ansehen im Westen aufbessern. Der Fokus liegt derzeit auf Deutschland und Frankreich. Wie das Wall Street Journal berichtet, soll das kleine Berliner Büro des staatlichen russischen Medienunternehmens Rossija Sewodnja (Russland Heute) deutlich ausgebaut werden. Von zwei auf 30 Stellen soll die Personalbesetzung allein in Berlin ausgebaut werden.

Unter dem Dach von Rossija Sewodnja sind unter anderem die ehemalige Agentur RIA Nowosti und der Fernsehsender RT (ehemals Russia Today) organisiert. In Berlin soll mit dem neuen Personal im ersten Halbjahr 2015 eine deutschsprachige RT-Website, Social-Media-Kanäle und ein Radiosender etabliert werden. Dies könnte der Vorläufer eines deutschsprachigen RT-Fernsehsenders sein.

Auch Frankreich steht im Fokus der russischen Imagekampagne. 39 Millionen Euro lässt der Kreml springen, um über den Sender RT künftig auch französischsprachige Nachrichten verbreiten zu können.

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Ziele der Imagekampagne

"Wir wollen endlich die Dominanz der sogenannten angelsächsischen Medien brechen", sagt Dmitri Kisseljow, Frontmann des Senders RT. "Wir glauben, dass diese Medien Propaganda betreiben, das Bild der Welt verzerren und die Interessen der Menschheit verraten", sagt Kisseljow weiter. Im Dezember machte Putin ihn zum Chef von Rossija Sewodnja. Beobachter halten den Journalisten für einen "besonders beißwütigen Parteigänger" des Kremlchefs.

Besonders in Deutschland versprechen sich die Kreml-Medienmacher eine interessierte Zielgruppe. Ein russischer Offizieller sagte dem WSJ, er halte einen signifikanten Anteil der Deutschen für empfänglich für das russische Medienangebot. Dazu zählten demnach Kriegsgegner, Globalisierungskritiker, generell politisch linksgerichtete Menschen, aber auch Konservative, die etwa "homosexuelle Propaganda" ablehnten. "In diesem Segment kann man viel erreichen", sagte der Offizielle der Zeitung weiter.

Doch der Blick des Kremls geht über Deutschland und Frankreich hinaus. Mehrere hundert Journalisten in etwa einem Dutzend Städte weltweit sollen für Rossija Sewodnja künftig Nachrichten verbreiten und "die öffentliche Meinung und die Nachrichtenagenda beeinflussen".

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