Das russische Parlament fordert einstimmig die Unabhängigkeit für Abchasien und Südossetien. Eine diplomatische Konsequenz aus der Kaukasus-Krise: Kanzlerin Merkel wird zum nächsten großen Treffen mit der Moskauer Führung mit weniger Ministern anreisen.
Die Kluft zwischen Russland und dem Westen vertieft sich. Das russische Parlament hat Präsident Dmitrij Medwedjew einstimmig aufgerufen, die Unabhängigkeit Abchasiens und Südossetiens anzuerkennen. Zudem will Russland einige Vereinbarungen mit der Welthandelsorganisation aussetzen und könnte sogar den Bruch mit der Nato riskieren.
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Im Mittelpunkt der internationalen Krise: Russlands Präsident Medwedjew (© Foto: dpa)
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Medwedjew sagte bei einem Treffen mit Russlands Nato-Beauftragtem Dmitrij Rogosin, sollte es dazu kommen, wäre dies "nicht schlimm für Russland". In der vergangenen Woche hatte die Allianz die Gespräche im Nato-Russland-Rat ausgesetzt; kurz darauf hatte Russland die militärische Zusammenarbeit eingefroren. Die amerikanische Regierung wiederum will laut Medienberichten einen Vertrag über die zivile Atomkooperation mit Russland aus dem US-Kongress zurückziehen, der dem Abkommen noch zustimmen müsste. Das könnte die Perspektiven für die Zusammenarbeit in der Abrüstung und in der Iran-Politik trüben.
Saakaschwili warnt vor "desaströsen Folgen"
Einstimmig haben am Montag kurz hintereinander der Föderationsrat und die Duma an Dmitrij Medwedjew appelliert, die Unabhängigkeit Abchasiens und Südossetiens anzuerkennen. Beide Provinzen hatten sich Anfang der neunziger Jahre für unabhängig erklärt, die folgenden Kriege waren unter Vermittlung Russlands geschlichtet worden. Seitdem hat Moskau Soldaten in der Region stationiert, die als Friedenstruppe firmieren. Nach dem Austritt Georgiens aus der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten böte die Anerkennung Russland eine Möglichkeit, seine Militärpräsenz in der Region zu sichern. Die Führungen der beiden Provinzen boten Russland Abkommen über die Stationierung von Truppen an.
Der georgische Präsident Michail Saakaschwili nannte die mögliche Anerkennung im Interview mit der französischen Zeitung Libération einen Versuch, "die Grenzen Europas gewaltsam zu ändern". Dies werde "desaströse" Folgen haben. Die USA forderten Russland auf, Südossetien und Abchasien nicht anzuerkennen. In einer Erklärung kritisierte US-Präsident George W. Bush die Entschließung des russischen Parlaments für eine Anerkennung der beiden Gebiete. Die Grenzen Georgiens verdienten den gleichen Respekt wie die jedes anderes Landes, darunter Russlands, erklärte der US-Präsident.
Merkel reist nur mit vier Ministern nach Sankt Petersburg
Auch die Bundesregierung kritisierte die Beschlüsse. Nach einem Treffen mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Frederik Reinfeldt warnte Bundeskanzlerin Angela Merkel Medwedjew, sollte er die Anerkennung nicht ablehnen, wäre dies eine sehr schwierige, kritische Situation mit Blick auf die territoriale Integrität Georgiens. Die Beschlüsse verstießen "gegen internationale Verträge", sie sehe sie "mit großer Sorge". Dennoch wolle man den Kontakt nicht abreißen lassen.
Zu den geplanten deutsch-russischen Konsultationen am 2. Oktober in Sankt Petersburg würde Merkel nur mit vier Ministern anreisen statt mit der üblicherweise weit größeren Zahl an Kabinettsmitgliedern, verlautete am Montag aus Regierungskreisen. Auch wolle man sich dort auf ernsthafte Diskussionen über die aktuellen Probleme beschränken. Zwischen der Kanzlerin und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) herrsche in diesem Punkt Einvernehmen, hieß es. Man sei sich einig, dass Russland nicht isoliert und nicht in die Selbstisolation getrieben werden solle.
Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hatte nach Gremiensitzungen seiner Partei deutlich gemacht, dass er die Kontakte zu Moskau gewahrt sehen will. Er zeigte sich irritiert darüber, dass die Gespräche im Nato-Russland-Rat ausgesetzt wurden und warnte einige europäische Länder davor, den Kaukasus-Konflikt durch harte Äußerungen gegen Russland weiter zu verschärfen. Der Nato-Russland-Rat sei geschaffen worden, um in schwierigen Phasen miteinander zu reden. "Aber wozu dienen solche Dialogformen", so Beck, "wenn man sie in der Krise nicht nutzt?"
(SZ vom 26.08.2008)
Verrückter Eisladen in der Maxvorstadt
"Der georgische Präsident Michail Saakaschwili nannte die mögliche Anerkennung im Interview mit der französischen Zeitung Libération einen Versuch, "die Grenzen Europas gewaltsam zu ändern"
Der Typ gehört zuerst in die Klapse, dann anch Den Haag vors kriegsverbrechertribunal und Erdkunde-NAchhilfeunterricht wäre auch ratsam, seit wann bitte ist der Kaukasus Europa???.
Gewaltsam ändern?, wie sowas geht haben die Georgier ja umfangreich bewiesen bei ihrem Angriff auf Südossetien.
"Die USA forderten Russland auf, Südossetien und Abchasien nicht anzuerkennen"
So so, die USA und der Westen fordern also mal wieder?, warum sollen die Russen dem nachkommen wenn auf die gleiche Forderung gegenüber den USA/Westen im Bezug auf Kosovo die russen völlig ignoriert wurden.
"Die Grenzen Georgiens verdienten den gleichen Respekt wie die jedes anderes Landes"
Ach so?, vieleicht sollten die US-Verbrecher diesen Respekt ersteinmal gegenüber Irak, Afghanistan u.a. beweisen, bevor sie diesen von anderen einfordern.
"warnte Bundeskanzlerin Angela Merkel Medwedjew, sollte er die Anerkennung nicht ablehnen"
Aha?, demokratisch mit 98,6% in der Duma abgestimmt, aber der Präsindet soll sich darüber hinwegsetzen?, interessantes Demokratieverständnis hat da unsere Kundesbamslerin.
Apropos Kritik, irgendwie kann ich mich dahingegen an rein GARNICHTS erinnern ggenüber Israel, USA u.a. "Verbündeten", egal welche Schweinereien diese angerichtet haben.
Nennt man so etwas nicht peinliche und erbärmliche Feigheit und Heuhelei?.
@hauss, die Russen zahlen jedoch (siehe "Vergleichsfall" Kosovo) nicht mit gleicher Münze heim, wen überhaupt.Kosovo war Bestandteil 1. Jugoslawiens und 2. Serbiens. Südossetien und Abchasien war Bestandteil 1. der SU, aber zweitens nie de facto Bestandteil des neuen Staates Georgien.
Es geht nicht (NICHT) um Konsequenzen aus der Kaukasus-Krse.
Es geht um Konsequenzen aus der "Neuordnung" der Welt nach 1990 durch die USA und die NATO - zuvörderst um das Kosovo und die Einkreisung Ruslands.
Natürlich grenzt es an Schwachsinn, wenn Russland das Schmugglerparadies Südossetien als Staat anerkennen will. 75.000 Einwohner können nur mit erheblichem goodwill und gönnerhaftem Lächeln zu einer Exitenz wie Andorra oder Monaco aufsteigen. Die Russen sind aber nicht schwachsinnig. Sie verdeutlichen, wie ernst ihnen seit nun fast einem jahrzehnt das Prinzip ist, das im kosovo gebrochen wurde: das Völkerrecht. Es bricht jetzt weit mehr los ls nur die beiden Minis. Das Tohuwabohu wird auf Europa und die USA zurückkommen.
Witzig deshalb auch Folgendes:
Zitat:
"Der georgische Präsident Michail Saakaschwili nannte die mögliche Anerkennung im Interview mit der französischen Zeitung Libération einen Versuch, "die Grenzen Europas gewaltsam zu ändern". Dies werde "desaströse" Folgen haben."
Wie wirkt dieser Satz aus der Sicht eines Serben?
Eines Basken, eines Schotten, eines Flamen?
ihre Kalter-Kriegs-Kommentare sprechen für sich... setzen Sie sich mal mit der Realität auseinander... Schlimm was man von Ihnen so zu lesen bekommt.
uthome:"Erkennt die Unabhängigkeit Tschetscheniens an, ist doch wie in Georgien! "
Warum sagen Sie eigentlich nicht," ist doch wie in Südossetien und Abchasien"?
Vergessen Sie nicht, dass der vom Westen am Gängelband geführte Vorzeige-Tanzbär Jelzin die Tschetschenien-Katastrophe zu verantworten hatte.
Paging