Ich habe auf dem Höhepunkt des georgisch-südossetischen Konflikts sehr viel Zeit am Telefon verbracht. Meine georgischen Freunde und ich haben so viel geredet, und auch dann, wenn wir bei der Einschätzung der Situation nicht derselben Meinung waren, versicherten wir uns immer gegenseitig unserer Liebe und Freundschaft.
Anzeige
Ebenso versuchte ich mit meinen ukrainischen Freunden zu sprechen, die anlässlich der Ereignisse im Kaukasus schrecklich aufgewühlt waren. Wir haben viel geredet und reden weiter darüber. Das kommt bei Vasallen und Feinden nicht vor.
Ich sah mir ununterbrochen Nachrichtensendungen an. Auf russischen Sendern ebenso wie auf CNN und bei der BBC. Die Bilder ähnelten sich auf allen Kanälen. Die Kommentare waren absolut gegensätzlich. Die Wahrheit, die immer in der Mitte liegt, wurde von niemandem berührt. Aber in der Mitte sind wir. Wir - das sind die, die heute in dieser Welt leben. Wir sind immer in der Mitte.
Ein sehr gutes Zeichen
Wissen Sie, was mich sehr gefreut hat an der Art, wie die Informationen von den russischen Fernsehsendern präsentiert wurden? Und das unterschied sich sehr davon, wie der Tschetschenien-Feldzug oder Reportagen über Terroranschläge gezeigt wurden.
In den Berichten über Südossetien wurden überhaupt keine georgischen Soldaten gezeigt, weder getötete, noch gefangene, noch kämpfende. Während auf europäischen und amerikanischen Kanälen viele russische Soldaten gezeigt wurden. In Russland hatte man offenbar beschlossen, kein schreckliches Feindbild aufbauen.
Das ist ein sehr gutes Zeichen. Ich bin nie ein Fan Putins gewesen, auch nicht seines politischen Stils, aber es ist auch sehr wichtig, was er in einem Interview gesagt hat, nämlich dass er die Kriegshandlungen der russischen und georgischen Armee als Bürgerkrieg ansieht. So spricht man nicht über Vasallen und Feinde.
Den Amerikanern, die den Namen Georgien mit dem Namen ihres Staates Georgia verwechseln, haben überhaupt keine Vorstellung davon, wie nahe den Russen dieser Konflikt geht. Und wie nahe er den Georgiern geht. Im Juli saß ich mit einem bekannten georgischen Schriftsteller zusammen, dessen Namen ich hier nicht nennen will. Er ist alt und weise. Er sprach über Saakaschwili, sichtlich bemüht, sich für den Präsidenten seines Landes zu entschuldigen. Er sagte: "Weißt du, Schenja, Saakaschwili ist ein sehr schlecht erzogener Mensch. Aber du musst die Georgier verstehen. Wir sind ein kleines und stolzes Volk. Und wir wollen so gern, dass man über uns spricht, dass man uns wahrnimmt. Saakaschwili hat erreicht, dass man über uns spricht. Wenn auch schlecht, aber dafür jeden Tag."
Der ganze Unterschied
Diese Aussage erklärt vieles. Aber es ist eine Erklärung für diejenigen, die Georgien kennen und es lieben, das heißt für uns, die wir in Russland leben. Denjenigen, die es nicht kennen und die Besonderheiten dieses erstaunlichen Landes nicht verstehen, sagt das nichts. Ich werde niemals glauben, dass die Amerikaner aufrichtig um Georgien besorgt sind. Ich glaube nicht an die Aufrichtigkeit jener Losungen und Aufrufe zur Verteidigung der Demokratie, ich glaube nicht daran, dass die Amerikaner das Wesen des Michail Saakaschwili nicht sehen und verstehen. Und ich glaube nicht, dass die Amerikaner ihn und Georgien als Freund sehen. Für sie ist Georgien kein Feind und kein Vasall, sondern nur eine Karte oder eine Figur in einem Spiel. Eine Spielfigur, in der von lebendigen Menschen, Geschichte, dauerhaften menschlichen Beziehungen nichts zu spüren ist.
Aber irgendwie hat Mr. Kennan etwas gesagt, worüber sich schwerlich streiten lässt. Besonders dann nicht, wenn man auf CNN abonniert ist. Ich kann seine Worte wiederholen, nur auf Amerika gemünzt. Bloß wird mich keiner zitieren. Das ist der ganze Unterschied.
Jewgenij Grischkowez, Jahrgang 1967, ist ein russischer Schriftsteller ("Das Hemd"). Er lebt in Kaliningrad.
Aus dem Russischen übersetzt von Beate Rausch.
Sie sind jetzt auf Seite 3 von 3
- Törichtes Gerede Warum es keinen neuen Kalten Krieg gibt 12.09.2008
- Anschlusspläne an Russland Dementi aus Südossetien 11.09.2008
- Kaukasus-Krise Solana bleibt gegenüber Russland hart 10.09.2008
- Beziehung zu Russland Merkel will engere Zusammenarbeit 10.09.2008
- Krise im Kaukasus Konsens von Saakaschwili und Sarkozy 09.09.2008
(SZ vom 13.09.2008/woja)
New Yorker Bürgermeister will XXL-Soft-Drinks verbieten
In Georgien gibt es ein einziges Stalin-Denkmal, in seiner Geburtsstadt Gori, das bereits zu Stalins Lebzeiten errichtet wurde. Der Versuch, Das Denkmal abzumontieren, wurde von der georgischen Zentralregierung 1990-1991 mehrmals vorgenommen und ist am Widerstand des örtlichen Stadtrates gescheitert, da die Lokalvertreter glaubten ihre Stadt ziehe gerade wegen Stalin-Denkmal und -Haus viele Touristen an.
In Russland hingegen stehen mehrere Stalin-Denkmäler in vielen Städte. Das eine in Wolgograd (ehemalige Stalingrad) habe ich selber gesehen. Es ist ein monumentales Bauwerk im Stil des Sozialistischen Realismus. Es wurde anfang 90-er Jahre (!!!) errichtet.
Außerdem gilt Stalin in Russland als Held, der sein Land vor jüdisch-freimaurerischen Verschwörung (sic!) gerettet habe. Das steht sogar in einem Schulbuch, das vom russischen Bildungsministerium abgesegnet wurde. Viele Russen denken, dass die "Große Säuberung" nichts anderes war als der legitime Völkermord an den Juden, um das heilige Russland von unpatriotioschen und subversiven Elementen zu befreien. Falls Sie des russischen mächtig sind, können Sie hier nachlesen:
http://scepsis.ru/library/id_2.html
Aber Sie müssen mir natürlich nicht glauben, Sie verfügen anscheinend über fundiertes Wissen über die USA, Russland und Georgien, was ich bereits aus ihrem Beitrag entnehmen konnte.
"Weder für Judenpogrome des Nikolaus II., noch für stalinistisches Verbrechen, noch für die Besatzung baltischer Staaten nach dem zweiten Weltkrieg, finden die meisten Russen kritische Worte."
Wissen Sie etwa nicht, dass Stalin Georgier war? Wissen Sie nicht, dass statt Kritik überall in Georgien seine Denkmäler stehen? In Russland stehen heutzutage keine mehr. Wieso wollen Sie, dass gerade die Russen das kritisieren, was Georgier bis heute so glühend verehren?
"Hingegen habe ich keinen Deutschen kennengelernt, der den Holocaust relativiert und auch keinen Amerikaner, der die Rassentrennung gut findet"
Dann wissen Sie nicht viel über die USA, oder tun so als ob.
Bin sehr amüsiert durch den Beitrag des In Kaliningrad weltberühmten Schrisftstellers Jewgenij Grischkowez, der sogar nach Georgien gereist ist und sich in Tiflis in einem vornehmen Hotel aufgehalten hat. Offensichtlich fühlt sich der Schriftsteller durch den Satz des George F. Kennan in seinem Nationalstolz verletzt. In der Bemühung die russische Aggression zu relativieren, gibt er Vollgas und tritt letztendlich voll in den Mist.
Putin sieht also den Krieg in Georgien als einen Bürgerkrieg an. Vielen Dank für diese Einschätzung Herr Grischkowez, Sie haben noch einmal klar gemacht, dass Russen uns immer noch als ihre Landsleute betrachten, obwohl Georgien seit 1991 unabhängig ist. Vielleicht spricht man so nicht über die Feinde, aber sicher über die Vasallen. Genau das ist der Knackpunkt der ganzen Sache: Georgien ist aktuell ein Feind Russlands, aber Putin und Grischkowez wollen es zum Vasallen haben und weil Georgier diese liebevolle Umarmung des großen Bruders ablehnen, werden sie von Russen massakriert (wie 1993 in Abchasien), vertrieben und ihrer Territorium beraubt.
Übrigens ist die große Bruderliebe zwischen Russen und Georgiern eine Mär: ich persönlich und die meisten Georgier, die ich kenne, machen einen großen Bogen um jeden nationalistischen Russen, der so denkt, wie Herr Grischkowez. Mir sind nur wenige Russen begegnet, die die imperialistische Politik ihres Landes verurteilen und die Geschichte Russlands nicht nur aus russich-nationaler Sicht sehen. Weder für Judenpogrome des Nikolaus II., noch für stalinistisches Verbrechen, noch für die Besatzung baltischer Staaten nach dem zweiten Weltkrieg, finden die meisten Russen kritische Worte. Hingegen habe ich keinen Deutschen kennengelernt, der den Holocaust relativiert und auch keinen Amerikaner, der die Rassentrennung gut findet. Deshalb ist mir in Tiflis jeder amerikanischer Soldat mit oder ohne Paradeuniform lieber, als ein Herr Grischkowez.
Doch könnte man. Die Rangabzeichen der Luftwaffe sehen etwas anders aus, als die der Landstreitkräfte. Mit "Raketeneinheiten" sind warscheinlich Fla-Raketenbatterien gemeint, die ebenfalls der Luftwaffe unterstehen.
In Russland gab und gibt es garantiert im Rahmen der Ausbildung auch Einweisungen, was die Aufnäher am Ärmel des Gegners zu bedeuten haben. Der russische Soldat dürfte sich damit besser auskennen, als jeder deutsche Journalist.
sind quer durch die ganze Welt nur sehr wenige übriggeblieben. ............
und die werden gut dafür bezahlt - das gilt allerdings nur solange, bis der Pappkamerad seine Aufgabe erfüllt hat und Anlass gibt, dass dem Big Business noch bessere Einnahmequellen zu sichern... siehe Freund Saddam.
Paging