Für die meisten in Russland lebenden Menschen trifft das ebenfalls zu. Die Russen wissen im Gegensatz zu Mr. Kennan etwas über Geographie und nationale Kulturen, haben in Nachbarländern Freunde, Verwandte und Kollegen.
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Im Unterschied zu Mr. Kennan gehen ihnen alle Konfliktsituationen, die zwischen Russland und seinen Nachbarn entstehen, wirklich nahe. Und solche Situationen gibt es viele und alles ist sehr kompliziert.
Nimmt man Mr. Kennans Satz genau, hat Russland nur Feinde. Da jeder Vasall immer auch ein potentieller Feind ist. Vasallen lieben ihren Herrn nicht, und sie können ihn auch gar nicht lieben. In diesem Sinne befindet sich Amerika in einer weitaus schlechteren Lage. Wer liebt Amerika? Nennen Sie mir jemanden!
Ich war zwei Wochen vor Beginn des Konflikts um Südossetien in Tbilissi. Ich wohnte im Sheraton, einem der besten und teuersten Hotels der Stadt. Es war nicht voll belegt. Einige Touristen waren da und sehr viele amerikanische Militärspezialisten. Den Rangabzeichen nach handelte es sich um Angehörige von Luftwaffe und Raketeneinheiten.
Diese amerikanischen Militärs schienen ihren Aufenthalt in einem guten Hotel sehr zu genießen. Offensichtlich waren sie solche angenehmen Bedingungen und ein solches Luxushotel nicht gewöhnt. Trotzdem trugen sie Felduniform und fühlten sich nicht bemüßigt, ihre Paradeuniform anzulegen. Sie liefen zerknittert, aufgeknöpft und nachlässig herum. Die schöne alte Stadt Tbilissi war ihnen egal. Es war ihnen egal, dass die Gäste im Hotelrestaurant dem Abend und Niveau des Etablissements entsprechend gekleidet waren. Sie sprachen und lachten laut, dachten überhaupt nicht daran, dass jemand sie verstehen könnte.
Mit offenen Armen aufgenommen
Zu den Menschen um sie herum verhielten sie sich wie zu Wesen, die in ihrem Leben nicht existierten. Offensichtlich war ihnen Georgien vollkommen gleichgültig. Ebenso würden sie sich auf jeder x-beliebigen Militärbasis in den USA benehmen. Meinen Sie, die Georgier begegneten diesen Soldaten mit Sympathie? Eben nicht!
Meine Freunde und ich dagegen wurden von den Georgiern mit offenen Armen aufgenommen. Ich war mit der Absicht gekommen, über unsere gemeinsamen Theaterprojekte sowie über die mögliche Eröffnung eines russischen Buchladens in Tbilissi zu sprechen. Wir fuhren zum Literaturhaus, das gerade wiederaufgebaut wird und in dem es ein Literaturmuseum gab und wieder geben wird. In diesem Gebäude lasen einst Gribojedow und Puschkin ihre Werke. Wir verabredeten, dass ich wiederkommen, meine neuen Erzählungen lesen und dem Museum Manuskripte von mir übergeben würde.
Wir redeten viel, erinnerten uns an unsere georgischen Lieblingsfilme und zitierten Dialoge daraus, die in unseren Ländern jeder auswendig kennt. Ich reise viel mit meinen Stücken durch die Ukraine, das Baltikum, Kasachstan, Weißrussland, Georgien und Armenien. Ich reise nicht zu Vasallen und nicht zu Feinden.
Lieben die Franzosen etwa die Deutschen?
Wie einfach es ist, über Russland so zu sprechen! Wie einfach, überhaupt über andere so zu sprechen. Und wie einfach, Grenzen zu ziehen! Ich erinnere mich, wie mich einmal auf einer Pressekonferenz in der Schweiz ein Journalist fragte, ob ich mich für einen Europäer hielte. Worauf ich antwortete: "Auf diese Frage zu antworten, ist sinnlos, denn jemand, der mir diese Frage stellt, hält mich nicht für einen Europäer."
Ich weiß, dass das, was ich jetzt schreibe, in Deutschland gelesen wird. Eine gewisse, wohl rhetorische Frage drängt sich auf: Bestehen etwa in Europa zwischen allen wunderbare gutnachbarschaftliche Beziehungen? Lieben die Franzosen etwa die Deutschen und umgekehrt? Haben etwa alle einen Narren gefressen an den Engländern? Haben die Belgier etwa die Holländer ins Herz geschlossen? Schon in einem Haus, das mehrere Wohnungen hat, ist das Leben immer schwierig. Vollkommen wolkenlose und ungetrübte Beziehungen zwischen Nachbarn - so etwas gibt es nicht. Besser und bequemer ist es, ganz ohne Nachbarn zu leben. In vielerlei Hinsicht strebt Amerika danach, so zu leben.
Lesen Sie auf Seite drei über die Macht der Medien.
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Studie zur Beliebtheit der Deutschen
In Georgien gibt es ein einziges Stalin-Denkmal, in seiner Geburtsstadt Gori, das bereits zu Stalins Lebzeiten errichtet wurde. Der Versuch, Das Denkmal abzumontieren, wurde von der georgischen Zentralregierung 1990-1991 mehrmals vorgenommen und ist am Widerstand des örtlichen Stadtrates gescheitert, da die Lokalvertreter glaubten ihre Stadt ziehe gerade wegen Stalin-Denkmal und -Haus viele Touristen an.
In Russland hingegen stehen mehrere Stalin-Denkmäler in vielen Städte. Das eine in Wolgograd (ehemalige Stalingrad) habe ich selber gesehen. Es ist ein monumentales Bauwerk im Stil des Sozialistischen Realismus. Es wurde anfang 90-er Jahre (!!!) errichtet.
Außerdem gilt Stalin in Russland als Held, der sein Land vor jüdisch-freimaurerischen Verschwörung (sic!) gerettet habe. Das steht sogar in einem Schulbuch, das vom russischen Bildungsministerium abgesegnet wurde. Viele Russen denken, dass die "Große Säuberung" nichts anderes war als der legitime Völkermord an den Juden, um das heilige Russland von unpatriotioschen und subversiven Elementen zu befreien. Falls Sie des russischen mächtig sind, können Sie hier nachlesen:
http://scepsis.ru/library/id_2.html
Aber Sie müssen mir natürlich nicht glauben, Sie verfügen anscheinend über fundiertes Wissen über die USA, Russland und Georgien, was ich bereits aus ihrem Beitrag entnehmen konnte.
"Weder für Judenpogrome des Nikolaus II., noch für stalinistisches Verbrechen, noch für die Besatzung baltischer Staaten nach dem zweiten Weltkrieg, finden die meisten Russen kritische Worte."
Wissen Sie etwa nicht, dass Stalin Georgier war? Wissen Sie nicht, dass statt Kritik überall in Georgien seine Denkmäler stehen? In Russland stehen heutzutage keine mehr. Wieso wollen Sie, dass gerade die Russen das kritisieren, was Georgier bis heute so glühend verehren?
"Hingegen habe ich keinen Deutschen kennengelernt, der den Holocaust relativiert und auch keinen Amerikaner, der die Rassentrennung gut findet"
Dann wissen Sie nicht viel über die USA, oder tun so als ob.
Bin sehr amüsiert durch den Beitrag des In Kaliningrad weltberühmten Schrisftstellers Jewgenij Grischkowez, der sogar nach Georgien gereist ist und sich in Tiflis in einem vornehmen Hotel aufgehalten hat. Offensichtlich fühlt sich der Schriftsteller durch den Satz des George F. Kennan in seinem Nationalstolz verletzt. In der Bemühung die russische Aggression zu relativieren, gibt er Vollgas und tritt letztendlich voll in den Mist.
Putin sieht also den Krieg in Georgien als einen Bürgerkrieg an. Vielen Dank für diese Einschätzung Herr Grischkowez, Sie haben noch einmal klar gemacht, dass Russen uns immer noch als ihre Landsleute betrachten, obwohl Georgien seit 1991 unabhängig ist. Vielleicht spricht man so nicht über die Feinde, aber sicher über die Vasallen. Genau das ist der Knackpunkt der ganzen Sache: Georgien ist aktuell ein Feind Russlands, aber Putin und Grischkowez wollen es zum Vasallen haben und weil Georgier diese liebevolle Umarmung des großen Bruders ablehnen, werden sie von Russen massakriert (wie 1993 in Abchasien), vertrieben und ihrer Territorium beraubt.
Übrigens ist die große Bruderliebe zwischen Russen und Georgiern eine Mär: ich persönlich und die meisten Georgier, die ich kenne, machen einen großen Bogen um jeden nationalistischen Russen, der so denkt, wie Herr Grischkowez. Mir sind nur wenige Russen begegnet, die die imperialistische Politik ihres Landes verurteilen und die Geschichte Russlands nicht nur aus russich-nationaler Sicht sehen. Weder für Judenpogrome des Nikolaus II., noch für stalinistisches Verbrechen, noch für die Besatzung baltischer Staaten nach dem zweiten Weltkrieg, finden die meisten Russen kritische Worte. Hingegen habe ich keinen Deutschen kennengelernt, der den Holocaust relativiert und auch keinen Amerikaner, der die Rassentrennung gut findet. Deshalb ist mir in Tiflis jeder amerikanischer Soldat mit oder ohne Paradeuniform lieber, als ein Herr Grischkowez.
Doch könnte man. Die Rangabzeichen der Luftwaffe sehen etwas anders aus, als die der Landstreitkräfte. Mit "Raketeneinheiten" sind warscheinlich Fla-Raketenbatterien gemeint, die ebenfalls der Luftwaffe unterstehen.
In Russland gab und gibt es garantiert im Rahmen der Ausbildung auch Einweisungen, was die Aufnäher am Ärmel des Gegners zu bedeuten haben. Der russische Soldat dürfte sich damit besser auskennen, als jeder deutsche Journalist.
sind quer durch die ganze Welt nur sehr wenige übriggeblieben. ............
und die werden gut dafür bezahlt - das gilt allerdings nur solange, bis der Pappkamerad seine Aufgabe erfüllt hat und Anlass gibt, dass dem Big Business noch bessere Einnahmequellen zu sichern... siehe Freund Saddam.
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