Russlands Wirtschaft birgt riesige Potentiale für den Klimaschutz - doch die Moskauer Führung unternimmt wenig, um sie zu nutzen.
Präsident Dmitrij Medwedjew versichert dem Westen immer wieder, Russland wolle keine Konfrontation, sondern eine gleichberechtigte Partnerschaft. Falls dies wirklich der Fall ist, muss Russland endlich beginnen, auch so zu handeln. Bereits Wladimir Putin hatte in seiner viel beachteten Strategie-Rede vom Februar eine neue verantwortungsvolle Rolle russischer Außenpolitik angekündigt: "Wir sind ein zuverlässiger Partner für die gesamte Weltgemeinschaft bei der Lösung globaler Probleme. Und wir sind interessiert an einer Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen in allen Bereichen: im Sicherheitsbereich, in der Wissenschaft, in der Energieversorgung, in der Lösung der Klima-Probleme."
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Eine russische Fabrik im Südural (© Foto: AFP)
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Wirklich? Wie ernst es Russland bisher mit dieser Zusammenarbeit meint, zeigt ein Blick auf seinen Beitrag zur "Lösung" der Klima-Probleme.
Bereits bei den UN-Klima-Vertragsstaatenkonferenzen von Montreal (2005) und Nairobi (2006), aber auch zuletzt auf Bali (2007) sowie bei den G8-Gipfeln von Heiligendamm und Toyako gehörte Russland zu den Bremsern im Hinblick auf eine zweite Phase des Kyoto-Protokolls. Die Unberechenbarkeit der russischen Klima-Verhandler ist gefürchtet.
In der internationalen Berichterstattung über die UN-Klima-Gipfel wurde die widerborstige Haltung Russlands entweder ignoriert oder als eine Art "russische Marotte" leichtfertig abgetan; ein Fehler, denn Russland droht innerhalb der nächsten Jahre zu einem der gefährlichsten Blockierer im Klimaschutz zu werden. Für die unkooperative Haltung Russlands gibt es zwei Gründe.
Erstens: Die Vertreter der russischen Regierung befürchten, dass eine weitergehende Verpflichtung zur Treibhausgasreduktion den Boom der russischen Wirtschaft abschwächen könnte. Die Prognosen des russischen Industrieministeriums gehen von einem Anstieg der Emissionen aus, der streng mit dem Wirtschaftswachstum korreliert.
Solche Prognosen beziehen jedoch nicht einmal die Option ein, durch eine aktive Energiepolitik eine Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Treibhausgasemissionen zu erreichen - im Gegenteil: zugrunde gelegt wird Putins Plan, die Stromproduktion bis 2020 um zwei Drittel zu erhöhen, gleichzeitig den Export von Erdgas zu maximieren und den heimischen Einsatz Erdgas durch die klimaschädliche Kohle zu ersetzen.
Ein solcher Plan erinnert an die sowjetische "Tonnenideologie". Wird er Wirklichkeit, so hätte Russland in wenigen Jahren die Emissions-Reduktionen wieder verspielt, die ihm durch den Zusammenbruch der sowjetischen Industrie in den Neunziger Jahren quasi in den Schoß gefallen sind. Dies bedeutete, dass Russland die von den Kyoto-Staaten anvisierten Ziele von 25 bis 40 Prozent Treibhausgasreduktion bis zum Jahr 2020 (gegenüber 1990) tatsächlich nicht erreichen könnte.
Zweitens: In der Öffentlichkeit wie in den politischen Eliten Russlands ist der Irrglauben weit verbreitet, der Klimawandel werde Russland mehr Nutzen als Kosten bringen. Dabei warnt der Russische Dienst für Hydrometeorologie schon für die kommenden zehn Jahre vor "riesigen sozial-ökonomischen Verlusten" infolge einer Zunahme von Extremwetter-Ereignissen durch den Klimawandel.
Überzeugt, dass Klimawandel vor allem Vorteile bringt
So sollen die Erträge der russischen Landwirtschaft bei Getreide aufgrund von Dürrekatastrophen bis 2015 um etwa elf Prozent und in den folgenden Jahren um bis zu 20 Prozent zurückgehen. Die Verluste betreffen vor allem die traditionelle "Kornkammer" in Russlands Süden und die ohnehin politisch fragile und bitterarme Region des Nord-Kaukasus.
Durch das Auftauen des Permafrost-Bodens drohen in Sibirien Öl- und Gasförderanlagen und Pipeline-Netze, ganze Großstädte und sogar Atomanlagen buchstäblich im Morast zu versinken. Aber wie kann man Engagement im Klimaschutz von einem Land erwarten, dessen Führung davon überzeugt davon ist, dass der Klimawandel vor allem Vorteile mit sich bringt?
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Freundschaft zwischen den Geschlechtern
Was da gerne nicht ohne Schadenfreude als "Rückständigkeit" apostrophiert wird, kann eine kaum wiederkehrende Chance sein. Wenn die vorhandenen Möglichkeiten genutzt werden, um die russische Wirtschaftsentwicklung auf ökologisch sichere Beine zu stellen, kann sich das eher früher als später zum einem unverzichtbareren Wettbewerbsvorteil werden, als sich das momentan voraussehen lässt. Die Gewinne für die Lebensqualität der russischen Bevölkerung sind mehr als bloße Bequemlichkeiten. Sie können dem Wirtschaftsmotor einen gewaltigen Schub ermöglichen, während auf andere große Industrienationen die ersten Rechnungen für ihre Ignoranz gegenüber der Umwelt schon im Briefkasten angekommen sind.
in Russland ist, dass sie, da sie noch nicht auf wirtschaftlichen Level der modernen Industriestaaten ist, genauso wie China nur langsam auf Klima achtet. Ein anderer grund ist wohl der, dass man erwartet, dass durch weltweite Erwärmung die Bodenschätze in Tundra viel leichter erschliessen werden können.
Was Russland schon jetzt machen sollte, ist die Reduzierung des durch Fabriken ins Luft abgegebenen CO2, die mit Hilfe der modernen Klimatechniken durchaus möglich ist, was das Leben & Gesundheit der Stadtbevölkerung positiv beeinflussen würde.
Dies wird derzeit noch nicht gemacht. Schade, denn ich erinnere mich auf eine Geschichte, die ich selber erlebt habe - in 90er war ich mal in Winter in einem Stadt mit einer Betonfabrik und Stadt selbst war in Tal - Schnee um der Fabrik und in der Stadt war braun und fest...
Die Zurückhaltung Russlands in Sachen des sogenannten Klimaschutzes hat eine plausible Erklärung. Die Wissenschaftler der russischen Akademie der Wissenschaften halten nichts von der alleinigen Ursache des anthropogenen CO2 für Klimaänderungen, wie es das IPCC als Ziel ihrer Bemühungen vorschreibt.
Bei der Ratifizierung des Kyoto-Abkommens wurden von den russischen Wissenschaftlern sehr klare Aussagen dazu gemacht. Die Naturwissenschaftler lehnten das Abkommen mangels ausreichenden wissenschaftlichen Gründlagen auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz ab. Der damalige ökonomische Chefberater Putins, Illarionov, einst Retter des russischen Finanzsystem, sah im Beitritt Russlands eine Katastrophe für sein Land. Die Spitzenleute in der russischen Astro-Physikforschung sind bis heute sogar der Meinung, dass sich aufgrund veränderter Sonnenaktivitäten der Globus bis zum Jahre 2050 erheblich abkühlen wird. Das IPCC lehnt dagegen einen Einfluss der Sonne auf Klimaveränderungen schlichtweg ab, obwohl sich Sonnenaktivitäten derzeit massiv ändern.
Auf einer Konferenz der WMO in Moskau hatte Putin in seiner Begrüßungsrede sogar darauf hingewiesen, dass es Russland ganz gut tue, wenn die Umgebungstemperaturen ein bis zwei Grad C höher wären.
Ratifiziert wurde das Kyoto-Abkommen nur deshalb, weil die Herren im Kreml sich erhebliche Einnahmen aus der Zertifikate-Handel ausrechneten. Effektiv hätte das Kyoto-Abkommen dazu geführt, dass sich Russland einen Teil seiner Industrieanlagen hätte vom Ausland bezahlen lassen
Es ist also kein Wunder, wenn Russland bei den zukünftigen Diskussionen über die Fortsetzung des Kyoto-Abkommens mehr als zurückhaltend ist. Wahrscheinlich wird Russland die Haltung der USA, Chinas und Indiens teilen, nur dann CO2 einzusparen, wenn es die anderen Großmächte auch tun werden.
Angesichts der finanziellen Probleme in der Welt sieht es derzeit nicht danach aus, zumal auch in Europa die Politiker angesichts der enorm hohen Kosten langsam kalte Füße bekommen