Von Frank Nienhuysen

Mit einer Nebenbemerkung nährt Russlands Ministerpräsident Putin den Verdacht, er wolle 2012 erneut Präsident werden - und Medwedjew ablösen.

Die Stenografen im Dienste von Wladimir Putin sind fleißige Menschen, aber zu viel wollte ihnen das Weiße Haus an der Moskwa offenbar doch nicht zumuten.

Russlands starke Männer: Putin (links) und mit Medwedjew; dpa

Russlands starke Männer: Putin (links) und Medwedjew (© Foto: dpa)

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Der Anfang eines Treffens mit internationalen Wissenschaftlern und Autoren am Freitag ist ohne Auslassung auf der Internetseite der Regierung protokolliert, und man musste schon Putins erste Antwort sehr klein darstellen, damit sie auf einer Seite überhaupt Platz fand.

Es ging unter anderem um fallende US-Immobilienpreise, jemand fragte den Premier nach dessen Polen-Reise, und so erfährt man allerhand - nur nicht das, was die Öffentlichkeit seit dem Auftritt Putins am meisten umtreibt.

Der russisch-amerikanische Politologe Nikolai Slobin hatte den Regierungschef nämlich nach seiner politischen Zukunft und seinem Verhältnis zu Präsident Dmitrij Medwedjew gefragt. Putin antwortete, er und Medwedjew würden auch 2012 nicht gegeneinander antreten. "Wir machen das untereinander aus. Wir finden schon eine Übereinkunft, denn wir sind vom selben Blut und haben die gleichen politischen Ansichten."

Das war der Startschuss für einen Spekulationsmarathon, der sich wohl bis zur Wahl in drei Jahren hinziehen dürfte: Will Putin 2012 wieder russischer Präsident werden? Genaues weiß nur der Premier selbst, aber Putin kokettierte offen mit dieser Möglichkeit - gut gelaunt und mit sichtlicher Genugtuung, wie es schien -, er schloss sie zumindest nicht aus, so wie er aber natürlich auch nicht ausschloss, dass der amtierende Kremlchef Medwedjew noch einmal antreten wird.

Vor einem Jahr musste Putin nach acht Jahren als Präsident das machtvolle Amt abgeben. Er suchte sich Medwedjew als Nachfolger aus, und als mögliches Drehbuch galt damals, dass Putin bei der nächsten Wahl 2012 erneut antreten werde. Nachdem seine Partei Einiges Russland im Parlament eine Verfassungsänderung durchgepeitscht hat, darf der nächste Präsident sogar sechs Jahre lang Russland lenken.

"Rückständig und korrupt"

Nach Meinung vieler Russen ist Putin ohnehin noch der mächtigste Mann des Landes, ein Indiz dafür hat vor wenigen Tagen Medwedjew selber geboten. Sein Beitrag in der Internetzeitung Gaseta.ru wurde zu einer kräftigen Abreibung für sein Land. "Rückständig und korrupt" sei es, "primitiv" die Wirtschaft" und "schwach" die Demokratie.

Wie zu Sowjetzeiten ignoriere die Wirtschaft die Bedürfnisse des Menschen, die öffentliche Diskussion sei "von niedriger Qualität". Ähnliche Schelten haben russische Premiers früher politisch nicht überlebt. Putin müsste sich nach zehn machtvollen Jahren eigentlich angesprochen fühlen, doch dank der loyalen Medien macht sich die Debatte über die Wirtschaftskrise nicht am Premier fest.

Indirekte Botschaften

Trotzdem enthalten die Kritik Medwedjews und Putins Wahl-Einlassungen indirekte Botschaften. Slobin, der die P-Frage gestellt hatte, sprach anschließend von seinem Eindruck, dass Putin auf diese Frage regelrecht gewartet habe. Mit seinem offenen Interesse an einer Rückkehr in den Kreml werden künftige Erklärungen des Ministerpräsidenten erst recht Gewicht erhalten.

"Ihm dürfte es kaum gefallen haben, dass Präsident Medwedjew dermaßen heftig die Zustände in Russland angeprangert hat, die Putin in den vergangenen Jahren selber geschaffen hat", schrieb die Internetzeitung newsru.com.

Zudem ist Medwedjew seit einigen Wochen verstärkt präsent in den russischen Medien, dominiert die Bilder in den Fernsehsendern und Zeitungen. Medwedjew mit Chávez, Medwedjew mit einer Tasse Tee, Medwedjew mit Russlands schönen und erfolgreichen Sportlerinnen. Doch das ist etwas anderes, als eine echte Hausmacht zu haben wie Putin.

Er ist Vorsitzender der Retortenpartei Einiges Russland, die das Moskauer Parlament beherrscht, und die meisten einflussreichen Politiker und Aufsichtsratsvorsitzenden haben ihre Posten dem langjährigen Präsidenten zu verdanken. So lässt es sich also auch sehen: Präsident und Ministerpräsident ergänzen einander, eben ein echtes Tandem, wie der ehemalige Abgeordnete Alexej Mitrofanow findet. Und er ist überzeugt, dass es bis 2012 noch fährt.

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(SZ vom 15.9.2009/plin)