Russland Erneute Anklage gegen Regierungskritiker Nawalny

Wegen Betrugs und Geldwäsche wird sich der russische Regierungskritiker Alexej Nawalny womöglich bald vor Gericht verantworten müssen. Ihm und seinem Bruder wird vorgeworfen, mehr als 1,3 Millionen Euro veruntreut zu haben. Es ist nicht die erste Anklage gegen den bekannten Putin-Gegner.

Gegen den russischen Regierungskritiker Alexej Nawalny ist am Donnerstag eine weitere Anklage wegen Betrugs und Geldwäsche erhoben worden. Wie das Ermittlungskomitee mitteilte, ist von der Anklage auch sein Bruder, Oleg Nawalny, betroffen.

Alexej Nawalny soll demnach vor einigen Jahren eine Firma gegründet haben, die zu sehr hohen Preisen Gepäckstücke transportiert habe. Oleg Nawalny habe sich dabei in "betrügerischer Weise" der Zusammenarbeit mit einem anderen Unternehmen bedient.

Die beiden Brüder sollen den Angaben zufolge mehr als 55 Millionen Rubel (1,3 Millionen Euro) veruntreut haben. Davon sollen 19 Millionen Rubel gewaschen worden sein. Der Anwalt der Brüder, Wadim Kobsew, sagte der Nachrichtenagentur Interfax, seine Mandanten würden dies bestreiten.

Alexej Nawalny ist einer der bekanntesten Putin-Kritiker und gehörte zu den wichtigsten Organisatoren der Demonstrationen gegen dessen dritte Amtszeit. Er war bereits Ende Juli wegen Veruntreuung von Staatsgeldern im großen Maßstab angeklagt worden. Demnach soll er zwischen April und August 2009 den staatlichen Holzbetrieb Kirowles um etwa 16 Millionen Rubel geschädigt haben. Nawalny war damals Berater des Gouverneurs der rund 900 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Region Kirow.

Nawalny nannte die Vorwürfe im Fall Kirowles "vollkommen absurd". Die regionale Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren dieses Jahr zu den Akten gelegt, doch der Vorsitzende des Ermittlungskomitees, ein Gefolgsmann von Präsident Wladimir Putin, hatte den Fall wieder aufgerollt.