Panama Papers Was den Fall Magnitskij mit dem Roldugin-Netzwerk verbindet

Magnitskij, der die Masche mit der Steuerrückerstattung aufgedeckt hatte, wurde indes wenige Tage, nachdem er Anzeige erstattet hatte, festgenommen. Beteiligt daran waren ausgerechnet jene Beamte, die der Anwalt zuvor des Steuerbetrugs beschuldigt hatte. Die Behörden warfen Magnitskij vor, selbst hinter dem mutmaßlichen Steuerbetrug zu stecken. Er starb unter bis heute nicht restlos geklärten Umständen, bevor es zu einer Gerichtsverhandlung kam. Hermitage-Capital-Gründer Bill Browder kämpft seither verzweifelt darum, Magnitskij zu rehabilitieren. Der Amerikaner hat in den vergangenen Jahren weltweit Ermittlungen angestoßen, im Internet dokumentierte er den sagenhaften Reichtum einiger Moskauer Ermittler und Steuerbeamter.

So ist es auch Browders Hartnäckigkeit geschuldet, dass US-Präsident Barack Obama im Jahr 2012 das sogenannte Magnitskij-Gesetz unterzeichnete. Es friert amerikanische Konten von Russen ein, die nach Einschätzung des US-Senats in Magnitskijs Tod verwickelt waren, außerdem verbietet es ihnen die Einreise nach Amerika. Die Reaktion Russlands kam prompt: Anfang 2013 trat ein Gesetz in Kraft, das es Amerikanern verbietet, russische Kinder zu adoptieren. Sergej Magnitskij indes wurde im Juli 2013 von einem russischen Gericht posthum der Steuerhinterziehung schuldig gesprochen, Browder wurde in Abwesenheit ebenfalls verurteilt.

Nach Recherchen des Journalistennetzwerks Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) und der SZ zeigen die Panama Papers nun eine überraschende Verbindung vom Fall Magnitskij zum Roldugin-Netzwerk auf - also von jenem Firmengeflecht, über das der russische Staat offenbar um Hunderte Millionen erleichtert wurde, zum Geflecht von Briefkastenfirmen um den Putin-Freund Sergej Roldugin.

Der Cellist Sergej Roldugin ist der Taufpate der älteren Tochter des Präsidenten und hat Putin mit dessen späteren Ehefrau bekannt gemacht. Ausweislich der Panama Papers schloss eine der Firmen aus seinem Netzwerk, die International Media Overseas, im Frühjahr 2008 einen Vertrag mit der Briefkastenfirma Delco Networks - eine Firma aus jenem Geflecht, über das ergaunertes russisches Steuergeld aus dem Magnitskij-Fall abgeflossen sein soll.

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Der Vertrag findet sich in den Panama Papers

Nach Recherchen des OCCRP sollen am Ende mehrere Millionen Dollar aus dem mutmaßlichen Steuerbetrug, dem Magnitskij nachgegangen war, bei der Delco gelandet sein. Was aber passierte dann mit dem Geld? Wer bekam es? Das ist bis heute nicht geklärt.

In den Panama Papers findet sich nun der Vertrag, den die Delco Networks und Roldugins International Media Overseas 2008 schlossen. Demnach vereinbarte Roldugins Firma, 70 000 Aktien der russischen Ölfirma Rosneft an Delco Networks zu verkaufen - um im Gegenzug insgesamt 807 800 Dollar zu bekommen. Das Geld sollte von der litauischen Ukio Bankas auf ein Konto von Roldugins Firma in der Schweiz eingezahlt werden.

Roldugin selbst antwortete bis Dienstagnachmittag nicht auf Anfragen von SZ und OCCRP zu seinen mutmaßlichen Geschäften mit der Firma Delco Networks. Nach den ersten Enthüllungen vor drei Wochen hatte Roldugin eingeräumt, dass er über Offshore-Firmen Anteile an russischen Unternehmen hält. Die Gewinne daraus würden fast ausschließlich zur Förderung von Nachwuchsmusikern im Sankt Petersburger Haus der Musik eingesetzt, außerdem zum Kauf von Cellos und anderen Musikinstrumenten, sagte er in einem Interview mit dem russischen Staatsfernsehen.

Und was sagte Putin damals über die Enthüllungen? Die Berichte seien eine "Provokation" und sollten Russland destabilisieren, so der russische Präsident. Aber ansonsten seien die zugrunde liegenden Informationen aus den Panama Papers "wahrheitsgetreu".

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