Ein Kommentar von Hans-Jörg Heims

Wladimir Putin will Ministerpräsident unter Präsident Medwedew werden. Wahrscheinlicher ist: Dmitrij Medwedew wird Präsident unter Ministerpräsident Putin. Denn der wird nach dem zweifelhaften Rollenwechsel weiter die eigentliche Macht Russlands ausüben.

Wäre der Kreml ein Rathaus in einer deutschen Kleinstadt, würde man wohl von Kungelei und Postenschacher sprechen. Aber Moskau ist nun mal nicht Pusemuckel, sondern die Hauptstadt Russlands und der Kreml die Zentrale einer Weltmacht.

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Dort wird künftig Dmitrij Medwedew als Präsident die Staatsgäste empfangen. Es darf schon jetzt vermutet werden, dass es sich dabei um reine Höflichkeitstermine handeln wird. Die eigentliche Macht Russlands wird ein anderer ausüben, der sie schon bisher innehatte: Wladimir Putin wechselt nur das Amt. Auch als Ministerpräsident wird er der Herrscher über das russische Riesenreich sein.

Es ist damit das eingetreten, was seit Putins Nominierung zum Spitzenkandidaten der Partei Einiges Russland erwartet wurde. Der Präsident, der im März nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidieren darf, zieht sich nicht auf eine Datscha am Schwarzen Meer zurück.

Für das westliche Demokratieverständnis ist es ein zweifelhaftes Rollenwechselspiel, welches Putin seit gestern hat aufführen lassen. Erst bestimmt er einen Vertrauten als Nachfolger. Der schlägt wiederum ihn als Regierungschef vor. Andererseits: Bei Putin weiß der Westen, woran er ist.

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(SZ-Primetime vom 11.12.2007/bosw)