Russland-Affäre Die USA sind noch lange nicht zum Aufstand gegen Trump bereit

Donald Trump mit seinem Sohn Donald Junior (rechts) und Schwiegersohn Jared Kushner nach einer Debatte im vergangenen Herbst.

(Foto: REUTERS)

Die Beweiskette gegen den Präsidenten in der Russland-Affäre wird länger. In den USA spürt man den Verfall der politischen Moral - und dennoch ist das System zu schwach, sich Trumps zu entledigen.

Kommentar von Stefan Kornelius

Junior hat ein Interview gegeben, fast auf den Tag genau vor einem Jahr. Darin wurde der kleine Trump zu Russland befragt. Gerade hatten die Hillary-Demokraten den Vorwurf erhoben, Moskau würde der Trump-Truppe helfen. Die gestohlenen E-Mails waren bereits auf dem Markt. Donald Trump Junior antwortete auf den Vorwurf mit einem Keulenschlag: Hätten die Republikaner den Clinton-Leuten derartige Sauereien unterstellt, dann würden die Demokraten den elektrischen Stuhl fordern.

Den elektrischen Stuhl, die Todesstrafe also. Es ist nicht ganz klar, was im Kopf von Donald Trump Jr. vorgeht, aber seine Antwort lässt fast nur zwei Möglichkeiten: entweder zu viel oder gar nichts. Der Mann hatte selbst ein paar Tage zuvor in Erwartung schmieriger Durchstechereien eine russischen Anwältin getroffen. Dieses Treffen hatte er geradezu gierig erwartet. Und dann bringt er die Todesstrafe für solch ein Vergehen ins Spiel?

Das Problem mit dem Trump-Clan ist zunächst einmal nicht so sehr sein Rechtsverständnis. Es sind Stil, Umgang, Glaubwürdigkeit, Lüge - der totale Verlust jeden politischen Anstands. Die jüngste Fährte nach Russland führt über halbseidene PR-Typen, Schlagerstars, Schönheitsköniginnen und zwielichtige Anwälte. Sie zeugt von einem Mangel an Urteilskraft und, siehe oben, natürlich auch von einem mangelnden Rechtsverständnis.

Die E-Mails von Donald Junior liefern einen wichtigen Beweis dafür, dass den Trumps keine Regel heilig war, um die politische Macht in den USA an sich zu nehmen. Trump Jr. empfing eine Frau zum Gespräch, die ihm als russische Generalstaatsanwältin verkauft worden war, mit dem Nebensatz, dies sei Teil von Russlands Unterstützung für Trump.

Diese Unterstützung darf es aber nicht geben. Selbst wenn sich die Anwältin als harmlos herausgestellt haben sollte, selbst wenn sie nur über Adoptivkinder oder Investitionen reden wollte: Nachdem diffamierendes Material aus dem Ausland in Aussicht gestellt worden war, hätte sie niemals ins Zentrum einer Präsidentschaftskampagne vordringen dürfen. Die Mails liefern den Beleg, dass der Sohn des heutigen Präsidenten bewusst Hilfe aus der Schattenwelt der Illegalität annehmen wollte. Trump freute sich sogar darauf, dass ein nicht gerade in Freundschaft verbundener Staat Unterstützung andiente. Das ist illegal oder zumindest unethisch. Er hätte zur Polizei gehen müssen.